Das Elfenhorn (Begegnungen) -3-


Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.

Hillgrimm, Bud und Rattenjäger treffen sich dort, wo die meisten Pläne ihre Pläne für die Zukunft schmieden: In einer Schenke .

Mehr zu "Eisen und Magie: Das Elfenhorn" findet Ihr hier!

Zurück zu der Episode davor? Die findet Ihr hier.

Und nun viel Spaß







Hillgrimm


Wie erwartet umzingelten ihn seine Gegner sofort. Er nutzte die Zeit, die ihm noch blieb, um die schwächsten Glieder in der Kette der Schwerter zu finden.

Als bester Kandidat bot sich ein junger Kerl mit dichten Augenbrauen an. Sein ängstlicher Blick verriet, dass dieser Streit sein erster echter Kampf war. Er schätzte der Bursche würde aus Nervosität seine Waffe verlieren.

Grund zum Optimismus gab der Typ links daneben. Der Glatzkopf wirkte angetrunken. An der Schwerthand fehlten zwei Finger. Hillgrimm entschied, sie zuerst anzugreifen. Die anderen Gegner mussten warten.

Der Zwerg beschloss, seinen Ausbruch an dieser Stelle zu versuchen. Nach einem wilden Kampfschrei landete er direkt vor ihnen.

Augenbraue bewies, dass er Anfänger war. Er hob das Schwert weit über die Schulter, um zuzuschlagen. Eine falsche Entscheidung in einer engen Schenke, gerade dann, wenn ein Mitkämpfer neben einem steht. Glatze trat einen Schritt zurück, um dem Schwung, mit dem sein Nachbar seine Waffe schwang, auszuweichen. Dabei störte er das Gleichgewicht seines Komplizen.

Hillgrimm machte es besser. Er fasste seine Streitaxt unterhalb der Doppelklinge. In einer kräftigen Bewegung stieß er die verstärkte untere Spitze des Axtstiels aus Hüfthöhe gegen den Fußrücken seines Gegenübers. Zufrieden hörte er Knochen brechen. Ein Schwert weniger.

Er benutzte die Lücke zwischen den beiden schwächsten Kämpfern. Sein Ziel war der Schanktisch. Sein letzter Sprung endete oben auf der rissigen Holzplatte. Er nutzte die kleine Pause, die seine Gegner brauchten, um sich neu zu formieren. Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen.

Augenbraue kroch weinend in Deckung und hielt seinen gebrochenen Fuß. Glatze wartete, bis seine Komplizen neben ihm standen. Dann ging die Bande langsam in Reihe in Richtung Theke.

Hillgrimm warf einen Blick über die Schulter. Der Kneipenwirt hatte seinen Stammplatz verlassen. Er vermutete, er suchte draußen die Wachen. Die würden aber erst reinkommen, wenn sie sicher sein konnten, dass das Blutvergießen vorbei war.

Er hüpfte herunter und verwendete den Schanktisch als Deckung. Das alte Holz der Verkleidung besaß genügend Risse, die es dem Zwerg erlaubten, unentdeckt seine Gegner zu beobachten. Er schob sich leise nach links, in der Hoffnung, dass sie seinen neuen Standort nicht bemerkten. Als die Reihe kurz vor der Theke stand, warf er eine Weinflasche weit nach rechts über die Thekenplatte. Im gleichen Moment sprang er hinauf und kam genau gegenüber Glatze auf dem Tresen zum Stehen. Der verfolgte noch immer den Flug der Flasche. Ausreichend Zeit für Hillgrimm ihm die Streitaxt quer unter das Kinn zu schlagen.

Die Wucht des Hiebs hob seinen Gegner etwa zwei Zentimeter hoch, dann brach er mit verdrehten Augen zusammen. Blieben drei Schwerter übrig.

Er warf einen kurzen Blick zur Tür der Schenke. Dahinter wartete die Sicherheit der Straße. Wenn er es bis dahin schaffte, besaßen seine Verfolger keine Chance gegen ihn.

Doch zu seinem Schrecken stand dort Shadek, offenbar äußerst unzufrieden über das Ergebnis des Kampfes. An ihm kam er nicht vorbei. Der Zwerg suchte nach dem Hinterausgang. Der war noch nicht versperrt, aber dazu musste er zuerst an den drei verbliebenen Gegnern vorbeikommen.


In gleichen Moment schleuderte Shadek eins seiner Wurfmesser.


Sofort warf sich Hillgrimm hinter dem Tresen in Deckung. Die harte Landung presste ihm die Luft aus seinen Lungen. Mühsam rang er nach Atem. Purem Glück verdankte er, dass das Messer nicht ihn, sondern ein Fass voll Branntwein im Regal traf. Die Wucht des Treffers riss den Zapfen ab, und die klare Flüssigkeit floss auf den am Boden liegenden Zwerg.

Er konnte der Versuchung nicht widerstehen, eine kleine Probe zu nehmen. Der Geschmack erinnerte ihn vage an ein Ereignis der letzten Nacht. So langsam klärte sich die Erinnerung, Einzelheiten traten aus dem Dunkel seines Gedächtnisses. Da war irgendetwas mit einem Elf gewesen. Er entschied, noch ein Mundvoll Branntwein sollte ihm helfen, sich besser zu erinnern. Also hielt er seinen Kopf erneut unter den spärlich werdenden Wasserfall aus Alkohol.

In diesem Moment warf sich ein weiterer Kämpfer über den Schanktisch. Erfahrener als seine Vorgänger hatte er vorher sein Schwert abgelegt. Dafür trug er einen kurzen Dolch in der Rechten, ein geeignetes Hilfsmittel für einen Nahkampf hinter einem engen Tresen. Der Zwerg reagierte schnell. Er sprühte seine Mundvoll Branntwein in die Augen seines Gegenübers. Vor Schmerz lies der Dolchträger seine Waffe los und hob beide Hände, um das Gesicht zu schützen.

Blitzschnell nahm Hillgrimm die Stichwaffe vom Boden und stach ihm die Klinge in die Brust.

Sein Gegner rührte sich nicht mehr. Hier wurde es dem Zwerg zu eng. Zu wenig Platz für einen ausgeglichenen Kampf. Daher beschloss er einen Standortwechsel. Wenn ihm die Glücksgötter treu blieben, so hoffte er, schaffte er es zu einem der Fenster. Und von da auf die Straße. Zur Ablenkung warf er noch eine Flasche über den Tresen und flitzte aus seiner Deckung.

Doch ein zweites Mal konnte er seine Kontrahenten nicht täuschen. Shadek schleuderte ein weiteres Messer. Diesmal mit mehr Erfolg. Das Wurfgeschoss durchschlug Hillgrimms linken Ärmel, er verlor seine Waffe und die schwere Klinge nagelte den Zwerg an die raue Holzwand der Schenke.

Hilflos musste er zusehen, wie sich die übrigen Gegner vor ihm aufbauten. Suchend ließ er seinen Blick durch die Kneipe streichen, aber seine Streitaxt lag unerreichbar unter einem Tisch. Ein oder zwei Sprünge, so hoffte er, sollten ihn in ihre Reichweite bringen, doch das Messer fixierte seinen Arm unbarmherzig. Er versuchte den Umfang seiner Verletzung an Hand der Schmerzen festzustellen. Er blutete, allerdings schien kein Knochen gebrochen zu sein. Seine einzige Möglichkeit sich zu befreien, entschied Hillgrimm, bestand darin, das Wurfmesser herauszuziehen. Da sich seine Gegenüber sich nicht als erfahren herausgestellt hatten, rechnete er sich auch mit nur einer Waffenhand eine Chance aus.

Seine Entscheidung kam zu spät. Seine Gegner waren bereits zu nahe gekommen. Eine der Schwertträger schlug dem Zwerg mit der flachen Klinge auf die Finger der freien Hand.

„Schön brav, Kleiner! Wir wollen noch etwas Spaß mit dir haben.“

Weiter hinten aus der Schenke erklang die schrille Stimme von Augenbraue: „Er hat mir meinen Fuß gebrochen. Schneid ihm die Eier ab.“

Shadek griff ein: „Alles zu seiner Zeit. Man erwartet mich im Tempel. Seht zu, dass ihr diesmal ohne mich klar kommt. Schneidet seine Finger und Zehen ab und bringt sie später vorbei, meinetwegen anschließend auch den Rest. Habt euren Spaß dabei und macht es laut. Es soll niemand glauben, dass er einen Hohepriester betrügen kann.“

Ein letzter Blick auf den Hilflosen, dann wandte er sich ab und verließ die Schenke.

Hillgrimm überlegte verzweifelt. In so einem Schlamassel hatte er noch nie gesteckt. Er hoffte, dass sein Bruder nicht erfuhr, dass er jämmerlich in einer üblen Spelunke zu Tode gefoltert worden war. Früher oder später würde er ihn rächen, aber das brachte ihn auch nicht mehr aus der Unterwelt zurück. In diesem Augenblick schwor er, wenn alles gut ginge, ins Zwergenreich Heim zu kehren. Selbst an an bitteres Colschbier konnte man sich gewöhnen. Und an Frauen mit Haaren im Gesicht. Und an dunkle Tunnel. Und an ...

„Willst du auswählen, was wir dir zuerst abschneiden? Oder verzichtest du.“ Der Größte seiner Gegner stellte sich vor ihm und deutete mit seinem Schwert zwischen die Beine des Zwergs.

„Für Zwergenhoden reicht ein Schälmesser“, lästerte sein Kumpan. Er schien sich als freier Jäger durchs Leben geschlagen zu haben. Allerdings nicht erfolgreich. Sein grüner Lederanzug trug deutliche Spuren alter Jagden. Doch hatte anscheinend das Geld gefehlt, die zahlreichen Risse zu nähen. Hillgrimm erkannte sogar einen roten Lappen mitten auf der Brust. Ein seltsamer Flicken, der immer dunkler wurde und sich ausbreitete.

Der Zwerg stellte fest, dass sich die Jacke des Großmauls komplett verfärbte. Waldgrün verwandelte sich in Blutrot. Dann kippte sein Gegner nach vorne. Aus seinem Rücken ragte eine Harpune.

Sein Komplize lag ebenfalls auf dem Gesicht. Zwei Wurfmesser, nicht so schwer und teuer wie Shadeks Waffen, aber von tödlicher Eleganz steckten in seinen Nieren.

„Ich sag dir immer, nicht auf die Nieren. Zu kleine Ziele. Deine Messer brauchen was Größeres. Du benötigst zu viele Treffer, um Wirkung zu erreichen.“

Mit diesen Worten zog ein Hüne, der seinen ganzen Körper wie ein Matrose tätowiert hatte, seine Harpune aus dem Mann in Grün heraus. Sie galten seinem Nebenmann, in einen seltsamen Mantel gehüllt, dessen Material Hillgrimm erst auf den zweiten Blick als Rattenfell erkannte.

Der Mantelträger steckte seine Wurfmesser zurück in seinen Ärmel. „Ich trainiere mit Ratten. Kleine bewegliche Ziele. Bestens geeignet für mich. Denk an die Kneipe in Rübelsorf. Da hast du einen ordentlichen Treffer auf die Niere abbekommen. Danach musste ich die Kerle alleine fertigmachen.“

„Ach was, schau dir dieses Prachtstück hier an!“ Mit diesen Worten zog der Seefahrer mit einem überraschenden Ruck Shadeks Messer aus Hillgrimms Arm. Der Zwerg biss die Zähne zusammen, konnte aber nicht verhindern, dass ihm kurz schwarz vor Augen wurde. „Das ist eine anständige Waffe. Schwer, gut, verlässlich. Trainiere damit!“

„Entschuldigt.“ Hillgrimm unterbrach seinen Redefluss. „Könnt ihm mir sagen, wer ihr seid und was ihr wollt?“

„Klar“, meinte der Kerl im Rattenfell. „Man nennt mich Rattenfänger, der Klotz dort heißt „Bud“. Wir wollen dich zu einem Ausflug einladen.“

***

  

Lust auf Mehr? Das nächste Kapitel findet ihr hier. Auch die folgenden Abschnitte aus "Eisen und Magie; Das Elfenhorn" könnt ihr kostenlos auf diesem Blog weiterlesen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen