Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.
Hillgrimm, Bud und Rattenjäger treffen sich dort, wo die meisten Pläne ihre Pläne für die Zukunft schmieden: In einer Schenke .
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Und nun viel Spaß

Hillgrimm
Wie erwartet umzingelten ihn seine Gegner
sofort. Er nutzte die Zeit, die ihm noch blieb, um die schwächsten Glieder in
der Kette der Schwerter zu finden.
Als bester Kandidat bot sich ein junger
Kerl mit dichten Augenbrauen an. Sein ängstlicher Blick verriet, dass dieser
Streit sein erster echter Kampf war. Er schätzte der Bursche würde aus
Nervosität seine Waffe verlieren.
Grund zum Optimismus gab der Typ links
daneben. Der Glatzkopf wirkte angetrunken. An der Schwerthand fehlten zwei
Finger. Hillgrimm entschied, sie zuerst anzugreifen. Die anderen Gegner mussten
warten.
Der Zwerg beschloss, seinen Ausbruch an
dieser Stelle zu versuchen. Nach einem wilden Kampfschrei landete er direkt vor
ihnen.
Augenbraue bewies, dass er Anfänger war.
Er hob das Schwert weit über die Schulter, um zuzuschlagen. Eine falsche
Entscheidung in einer engen Schenke, gerade dann, wenn ein Mitkämpfer neben
einem steht. Glatze trat einen Schritt zurück, um dem Schwung, mit dem sein
Nachbar seine Waffe schwang, auszuweichen. Dabei störte er das Gleichgewicht
seines Komplizen.
Hillgrimm machte es besser. Er fasste
seine Streitaxt unterhalb der Doppelklinge. In einer kräftigen Bewegung stieß
er die verstärkte untere Spitze des Axtstiels aus Hüfthöhe gegen den Fußrücken
seines Gegenübers. Zufrieden hörte er Knochen brechen. Ein Schwert weniger.
Er benutzte die Lücke zwischen den beiden
schwächsten Kämpfern. Sein Ziel war der Schanktisch. Sein letzter Sprung endete
oben auf der rissigen Holzplatte. Er nutzte die kleine Pause, die seine Gegner
brauchten, um sich neu zu formieren. Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen.
Augenbraue kroch weinend in Deckung und
hielt seinen gebrochenen Fuß. Glatze wartete, bis seine Komplizen neben ihm
standen. Dann ging die Bande langsam in Reihe in Richtung Theke.
Hillgrimm warf einen Blick über die
Schulter. Der Kneipenwirt hatte seinen Stammplatz verlassen. Er vermutete, er
suchte draußen die Wachen. Die würden aber erst reinkommen, wenn sie sicher
sein konnten, dass das Blutvergießen vorbei war.
Er hüpfte herunter und verwendete den
Schanktisch als Deckung. Das alte Holz der Verkleidung besaß genügend Risse,
die es dem Zwerg erlaubten, unentdeckt seine Gegner zu beobachten. Er schob
sich leise nach links, in der Hoffnung, dass sie seinen neuen Standort nicht
bemerkten. Als die Reihe kurz vor der Theke stand, warf er eine Weinflasche
weit nach rechts über die Thekenplatte. Im gleichen Moment sprang er hinauf und
kam genau gegenüber Glatze auf dem Tresen zum Stehen. Der verfolgte noch immer
den Flug der Flasche. Ausreichend Zeit für Hillgrimm ihm die Streitaxt quer
unter das Kinn zu schlagen.
Die Wucht des Hiebs hob seinen Gegner etwa
zwei Zentimeter hoch, dann brach er mit verdrehten Augen zusammen. Blieben drei
Schwerter übrig.
Er warf einen kurzen Blick zur Tür der
Schenke. Dahinter wartete die Sicherheit der Straße. Wenn er es bis dahin
schaffte, besaßen seine Verfolger keine Chance gegen ihn.
Doch zu seinem Schrecken stand dort
Shadek, offenbar äußerst unzufrieden über das Ergebnis des Kampfes. An ihm kam
er nicht vorbei. Der Zwerg suchte nach dem Hinterausgang. Der war noch nicht
versperrt, aber dazu musste er zuerst an den drei verbliebenen Gegnern
vorbeikommen.
In gleichen Moment schleuderte Shadek eins
seiner Wurfmesser.
Sofort warf sich Hillgrimm hinter dem
Tresen in Deckung. Die harte Landung presste ihm die Luft aus seinen Lungen.
Mühsam rang er nach Atem. Purem Glück verdankte er, dass das Messer nicht ihn,
sondern ein Fass voll Branntwein im Regal traf. Die Wucht des Treffers riss den
Zapfen ab, und die klare Flüssigkeit floss auf den am Boden liegenden Zwerg.
Er konnte der Versuchung nicht
widerstehen, eine kleine Probe zu nehmen. Der Geschmack erinnerte ihn vage an
ein Ereignis der letzten Nacht. So langsam klärte sich die Erinnerung,
Einzelheiten traten aus dem Dunkel seines Gedächtnisses. Da war irgendetwas mit
einem Elf gewesen. Er entschied, noch ein Mundvoll Branntwein sollte ihm
helfen, sich besser zu erinnern. Also hielt er seinen Kopf erneut unter den
spärlich werdenden Wasserfall aus Alkohol.
In diesem Moment warf sich ein weiterer
Kämpfer über den Schanktisch. Erfahrener als seine Vorgänger hatte er vorher
sein Schwert abgelegt. Dafür trug er einen kurzen Dolch in der Rechten, ein
geeignetes Hilfsmittel für einen Nahkampf hinter einem engen Tresen. Der Zwerg
reagierte schnell. Er sprühte seine Mundvoll Branntwein in die Augen seines
Gegenübers. Vor Schmerz lies der Dolchträger seine Waffe los und hob beide
Hände, um das Gesicht zu schützen.
Blitzschnell nahm Hillgrimm die Stichwaffe
vom Boden und stach ihm die Klinge in die Brust.
Sein Gegner rührte sich nicht mehr. Hier
wurde es dem Zwerg zu eng. Zu wenig Platz für einen ausgeglichenen Kampf. Daher
beschloss er einen Standortwechsel. Wenn ihm die Glücksgötter treu blieben, so
hoffte er, schaffte er es zu einem der Fenster. Und von da auf die Straße. Zur
Ablenkung warf er noch eine Flasche über den Tresen und flitzte aus seiner
Deckung.
Doch ein zweites Mal konnte er seine
Kontrahenten nicht täuschen. Shadek schleuderte ein weiteres Messer. Diesmal
mit mehr Erfolg. Das Wurfgeschoss durchschlug Hillgrimms linken Ärmel, er
verlor seine Waffe und die schwere Klinge nagelte den Zwerg an die raue
Holzwand der Schenke.
Hilflos musste er zusehen, wie sich die
übrigen Gegner vor ihm aufbauten. Suchend ließ er seinen Blick durch die Kneipe
streichen, aber seine Streitaxt lag unerreichbar unter einem Tisch. Ein oder
zwei Sprünge, so hoffte er, sollten ihn in ihre Reichweite bringen, doch das
Messer fixierte seinen Arm unbarmherzig. Er versuchte den Umfang seiner
Verletzung an Hand der Schmerzen festzustellen. Er blutete, allerdings schien
kein Knochen gebrochen zu sein. Seine einzige Möglichkeit sich zu befreien,
entschied Hillgrimm, bestand darin, das Wurfmesser herauszuziehen. Da sich
seine Gegenüber sich nicht als erfahren herausgestellt hatten, rechnete er sich
auch mit nur einer Waffenhand eine Chance aus.
Seine Entscheidung kam zu spät. Seine
Gegner waren bereits zu nahe gekommen. Eine der Schwertträger schlug dem Zwerg
mit der flachen Klinge auf die Finger der freien Hand.
„Schön brav, Kleiner! Wir wollen noch
etwas Spaß mit dir haben.“
Weiter hinten aus der Schenke erklang die schrille
Stimme von Augenbraue: „Er hat mir meinen Fuß gebrochen. Schneid ihm die Eier
ab.“
Shadek griff ein: „Alles zu seiner Zeit.
Man erwartet mich im Tempel. Seht zu, dass ihr diesmal ohne mich klar
kommt. Schneidet seine Finger und Zehen ab und bringt sie später vorbei,
meinetwegen anschließend auch den Rest. Habt euren Spaß dabei und macht es
laut. Es soll niemand glauben, dass er einen Hohepriester betrügen kann.“
Ein letzter Blick auf den Hilflosen, dann
wandte er sich ab und verließ die Schenke.
Hillgrimm überlegte verzweifelt. In so
einem Schlamassel hatte er noch nie gesteckt. Er hoffte, dass sein Bruder nicht
erfuhr, dass er jämmerlich in einer üblen Spelunke zu Tode gefoltert worden
war. Früher oder später würde er ihn rächen, aber das brachte ihn auch nicht
mehr aus der Unterwelt zurück. In diesem Augenblick schwor er, wenn alles gut
ginge, ins Zwergenreich Heim zu kehren. Selbst an an bitteres Colschbier konnte
man sich gewöhnen. Und an Frauen mit Haaren im Gesicht. Und an dunkle Tunnel.
Und an ...
„Willst du auswählen, was wir dir zuerst
abschneiden? Oder verzichtest du.“ Der Größte seiner Gegner stellte sich vor
ihm und deutete mit seinem Schwert zwischen die Beine des Zwergs.
„Für Zwergenhoden reicht ein Schälmesser“,
lästerte sein Kumpan. Er schien sich als freier Jäger durchs Leben geschlagen
zu haben. Allerdings nicht erfolgreich. Sein grüner Lederanzug trug deutliche
Spuren alter Jagden. Doch hatte anscheinend das Geld gefehlt, die zahlreichen
Risse zu nähen. Hillgrimm erkannte sogar einen roten Lappen mitten auf der
Brust. Ein seltsamer Flicken, der immer dunkler wurde und sich ausbreitete.
Der Zwerg stellte fest, dass sich die
Jacke des Großmauls komplett verfärbte. Waldgrün verwandelte sich in Blutrot.
Dann kippte sein Gegner nach vorne. Aus seinem Rücken ragte eine Harpune.
Sein Komplize lag ebenfalls auf dem
Gesicht. Zwei Wurfmesser, nicht so schwer und teuer wie Shadeks Waffen, aber
von tödlicher Eleganz steckten in seinen Nieren.
„Ich sag dir immer, nicht auf die Nieren.
Zu kleine Ziele. Deine Messer brauchen was Größeres. Du benötigst zu viele
Treffer, um Wirkung zu erreichen.“
Mit diesen Worten zog ein Hüne, der seinen
ganzen Körper wie ein Matrose tätowiert hatte, seine Harpune aus dem Mann in
Grün heraus. Sie galten seinem Nebenmann, in einen seltsamen Mantel gehüllt,
dessen Material Hillgrimm erst auf den zweiten Blick als Rattenfell erkannte.
Der Mantelträger steckte seine Wurfmesser
zurück in seinen Ärmel. „Ich trainiere mit Ratten. Kleine bewegliche Ziele.
Bestens geeignet für mich. Denk an die Kneipe in Rübelsorf. Da hast du einen
ordentlichen Treffer auf die Niere abbekommen. Danach musste ich die Kerle
alleine fertigmachen.“
„Ach was, schau dir dieses Prachtstück
hier an!“ Mit diesen Worten zog der Seefahrer mit einem überraschenden Ruck
Shadeks Messer aus Hillgrimms Arm. Der Zwerg biss die Zähne zusammen, konnte
aber nicht verhindern, dass ihm kurz schwarz vor Augen wurde. „Das ist eine
anständige Waffe. Schwer, gut, verlässlich. Trainiere damit!“
„Entschuldigt.“ Hillgrimm unterbrach
seinen Redefluss. „Könnt ihm mir sagen, wer ihr seid und was ihr wollt?“
„Klar“, meinte der Kerl im Rattenfell.
„Man nennt mich Rattenfänger, der Klotz dort heißt „Bud“. Wir wollen dich zu
einem Ausflug einladen.“
***
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