Es gilt die ersten Hindernisse im Labyrinth zu überwinden. Noch ist Bud auf sich alleine gestellt. Gelingt es seinen Freunden, ihn rechtzeitig zu erreichen?
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Und nun viel Spaß!
Bud
Die Kammer führte in zwei Gänge. Aus einem drang Fackellicht, das rasch
stärker wurde. Gleichzeitig wuchs die Lautstärke des eigentümlichen Schlurfens.
Bud hoffte, dass er im Schatten unerkannt blieb. Ungünstig, wenn in diesem
Moment einer seiner Gefährten prustend und nach Atem ringend auftauchte. Was
immer da auch sich näherte, klang gefährlich. Und das Überraschungsmoment
könnte den Ausschlag geben.
Sorgen bereitete ihm der Gedanke, ob der Zwerg in der Lage war, die Strecke
Unterwasser zurückzulegen.
Es dauerte nicht lange, da erschien im Licht von Pechfackeln die Ursache
der seltsamen Geräusche. Shadek und ein Bewaffneter ritten in die Kammer. Die
Reiter saßen auf Wesen, die Bud in dieser Größe nicht kannte.
Ein alter Matrose verlor vor einigen Jahren seine linke Hand und heuerte
ab. Der Harpunier traf ihn später in einem fremden Hafen wieder. Mittlerweile
verdiente sein Freund sein Brot mit Wettkämpfen. In einer winzigen Arena ließ
der Veteran kleine schwarze Skorpione gegeneinander kämpfen. Die Tiere zeigten
dabei viel Wut und stritten so lange, bis sie ihren Kontrahenten getötet
hatten.
Diese Exemplare waren um ein vielfaches größer. Acht Beine trugen einen
chitingepanzerten Körper und erzeugten das seltsam schlurfende Geräusch. Hoch
wie ein Pony, ragte ihr Schwanz nach Skorpionsart über den Köpfen der Reiter
und kratzte gelegentlich an der Steindecke.
Shadek und sein Begleiter lenkten ihre Reittiere mit geübter Lässigkeit. Es
handelte sich offenbar um einen Wächter, denn der Hohepriester gab ihm halblaut
Anweisungen.
"Bleibt hier, bewacht diesen Zugang. Wir haben einen Alarm. Jeder, der
das Wasser verlässt, ist des Todes."
Die Wache kreuzte die Arme vor die Brust und verbeugte sich. Dann steuerte
sie den Reitskorpion an die Mauerkante, beunruhigend nah an Buds Versteck.
Aufmerksam beobachtete er die Wasseroberfläche.
Der Harpunier wartete, bis Shadek und sein Tier die Kammer verlassen
hatten. Vorsichtig tauchte er unter und schwamm an die gegenüberliegende Seite.
Er rechnete damit, dass der Tempelwächter seinen Standort nicht wechselte.
Seine Füße suchten die Steintreppe, wo er festen Halt finden konnte. Er folgte
ihren Stufen und blieb so lange wie möglich geduckt. Der Seefahrer bewegte sich
zunächst langsam. Keine Wellen oder Kräuseln durften seine Bewegungen verraten.
Im entscheidenden Moment erhob er sich. Aber als der die Oberfläche durchbrach,
beugte er seinen Oberkörper zurück und legte alle Kraft und Schnelligkeit in
den Wurf. Er hatte Glück. Der Wärter stand immer noch am gleichen Platz.
Ungezählte Male hatte Bud seine Waffe nach Tiefseekraken geworfen. Auf
schwankenden kleinen Booten, bei starkem Wellengang und salziger Gischt, die in
die Augen des Jägers sprühte. Dagegen war dies ein Kinderspiel. Die Harpune
durchschnitt die Luft und tötete die Wache sofort.
Der Harpunier stieg aus dem Wasser und zerrte sein breites Entermesser
hervor. Jetzt kam der schwierige Teil.
Nevelle
Buds Seil bildete den einzigen Orientierungspunkt. Die Elfin zog sich in
der trüben Brühe der Kloake Hand über Hand daran entlang und hoffte, dass ihr
Luftvorrat für die Strecke reichte. Einen kurzen Moment dachte sie darüber
nach, dem nachfolgenden Zwerg aufzulauern und ihn zu töten. Doch dafür würde
später noch Zeit sein.
Bud
Der Harpunier erinnerte sich an die Taktik, mit der die Skorpione in der
kleinen Arena gekämpft hatten. Die Tiere nutzten ihre beiden Klauen, um ihren
Gegner zu fixieren. Am Ende ihres hochaufgerichteten Schwanzes lauerte ein
giftiger Stachel. Dann warteten sie auf eine Gelegenheit, ihn in eine Lücke im
Chitinpanzers des Feindes zu stoßen.
Bud entging nicht, dass er selbst gar keine Panzerung trug.
Rattenfänger
Der Zwerg half ihm, die Tempelwächter und ihre Waffen
ins Wasser zu werfen. Mit ein wenig Glück würden die Kampfspuren im Gras nicht
auffallen und ihren letzten Standort verraten. Dann verschwand Hillgrimm in der
schwammigen Brühe. Rattenfänger hatte Bedenken. Zwergenkrieger waren nicht als
gute Schwimmer bekannt. Er hatte keine Ahnung, über welche Strecke sie tauchen
mussten. Vielleicht hatte es selbst Bud nicht geschafft.
Seine Gedanken kreisten um Nevelle. Das Elfenhorn
schien etwas in ihr ausgelöst zu haben, dass er bisher nicht an der Elfin
kannte. Loyalität besaß in ihrer Gemeinschaft einen hohen Stellenwert. Einem
Gefährten nicht trauen zu können, verunsicherte den Rattentöter.
Seufzend beschloss er, seinen Teil zu erfüllen. Er
wartete so lange wie möglich, bis er das Ende des Seils löste und dem Zwerg
folgte.
Bud
Es schien, als ob große Skorpione die gleiche Taktik
wie ihre kleineren Brüder einsetzten. Seine Klauen stießen vor und versuchten,
ihn zu packen. Die Harpune hatte den Wächter zwar getötet, aber er saß immer
noch rittlings auf seinem Reittier. Der aufgerichtete Schwanz suchte wieder und
wieder einen Weg, um am toten Reiter vorbei zu kommen. Der hin und her
taumelnde Körper behinderte jedoch das Tier, sonst wäre der Harpunier längst getroffen
worden. Seine einzige Chance bestand darin, gelegentlich einen Ausfall zu wagen
und zu versuchen, die Beine zu treffen. Doch der primitive Verstand des Untiers
reagierte anders als ein menschlicher Gegner. Finten und Täuschungsmanöver
verfehlten ihre Wirkung. Es brauchte nur zu warten, bis Buds Reflexe langsamer
wurden.
Hillgrimm
Der Zwerg beschloss, das festgeknüpfte Tau
los zulassen. Einerseits bot es die nötige Orientierung im trüben Wasser,
andererseits auch die Gelegenheit für einen perfekten Hinterhalt. An
irgendeiner Stelle wartete bestimmt die Elfin, um ihm in der Dunkelheit zu
töten. Seine Feindin wusste, dass er sich an dem Seil entlang ziehen musste,
und lauerte dort.
Versuchte er sein Glück ohne dieses Hilfsmittel,
bestand zwar die Gefahr sich zu verirren und zu ertrinken. Aber das Risiko
schien geringer. Also ließ er los.
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