Es kommt zu den letzten Duellen in den geheimen Kellern unterhalb des Tempels. Bud und Rattenfänger treten einen uralten Gegner an. Die Kontrahenten Hillgrimm und Nevelle stehen einem Magier mit mächtigen Kräften gegenüber.
Doch nur zusammen können sie entkommen und ihr Abenteuer überstehen ...
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Und nun viel Spaß
Bud
Der Harpunier hörte das Geräusch als Erster. Ein
seltsames Schaben verfolgte sie. Zunächst noch undeutlich kam es näher und
näher. Sein Verstand suchte in seinen Erinnerungen an ähnliche Laute, jedoch
ohne Erfolg. In vielen Jahren auf See war es ihm nie begegnet. Er glaubte, ein
gnadenloses Augenpaar in seinem Rücken zu spüren. Dieses Gefühl wurde so
intensiv, dass er sich umdrehte, doch er sah nur in tiefe Dunkelheit.
Hillgrimm hielt ihre letzte Fackel hoch. Je länger er
den dunklen Gängen im Labyrinth folgte, desto sicherer wurde er, die
Schatzkammer zu finden. Das Muster entsprach einem klassischen Schema eines
legendären Baumeisters aus seinem Volk. Wenn er die folgende Abzweigung nach
links nahm, endete ihre Flucht in einer Kammer in der Nähe der Oberfläche. Dann
galt es, an diesem Punkt die Wahl zwischen zwei weiteren Durchgängen zu
treffen. Welche davon zum Tempelschatz führte, wusste er nicht. Die Bauordnung
des alten Meisters machte dazu keine genauen Anweisungen. Leider waren die
Runen der Wegbeschreibung, die sein Onkel in die Mauern gekratzt hatte, an
dieser Stelle undeutlich. Er tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie kurz vor
ihrem Ziel standen. Vermutlich gab es dort bereits etwas Tageslicht, das durch
schmale Schlitze in der Decke fiel. Es wurde höchste Zeit, denn ihre Fackel
drohte jeden Moment zu verlöschen. Den Zwerg irritierte allerdings das
schabende Geräusch, das sie schon eine ganze Weile verfolgte.
Bud konnte sich nicht erinnern, jemals solche Angst
gespürt zu haben. Immer wieder schaute er über die Schulter. Irgendetwas war
hinter ihnen her. Doch die Dunkelheit verbarg ihren Verfolger. Beinahe
verpasste er die Abzweigung nach links. Ihre Flucht endete in einer weiteren
Kammer, von der zwei Gänge abzweigten. Dankbar bemerkte er, dass sogar etwas
Tageslicht durch kleine Löcher in der Decke fiel. Er machte sich kampfbereit
und warnte seine Gefährten. Jetzt musste sich ihr Jäger zeigen.
Aus der Schwärze schob sich eine gigantische Schlange.
Ihr Rumpf füllte die Durchgänge des Labyrinths vollständig, der keilförmige
Kopf passte kaum zwischen seine Mauern. Das Tier war komplett weiß, seine roten
Augen verschwanden unter den dicken Schuppen, die seinen Körper schützten. Eine
gespaltene Zunge züngelte in Richtung der Abenteurer, suchte nach Beute.
Rattenfänger übernahm das Kommando. "Verteilt
euch! Jedes Mal, wenn das Ungeheuer einen von uns angreift, müssen die anderen
zuschlagen."
Er lenkte als Erster die Aufmerksamkeit der Schlange
auf sich. Es gelang ihm anscheinend, ein Wurfmesser in einem der roten Augen zu
versenken. Doch sicher war er sich nicht. Sofort schlug das Wesen zurück. Das
geschlossene Maul stieß in seine Richtung, der Rattentöter versuchte,
rechtzeitig auszuweichen, jedoch erfolglos. Der Angriff erfolgte so schnell, dass
er ihn direkt vor die Brust traf. Der Abenteuer stöhnte, durch den Aufprall
flog er in einen der beiden Gänge. Stöhnend stützte er sich an der Mauer ab.
Aber er hielt sich dabei die Rippen und atmete schwer.
Im gleichen Moment hieb Hillgrimm mit seiner Streitaxt
zu. Auch die Elfin und Bud griffen das unheimliche Wesen an. Doch alle Waffen
prallten an der Rüstung aus Schuppen wirkungslos ab.
"Wir müssen fliehen", entschied
Rattenfänger. "Gegen diesen Dämon hat keiner von uns eine Chance."
Nevelle und der Zwerg liefen nach links, der Harpunier
stützte seinen immer noch mitgenommen Freund und beide flüchteten in den
zweiten Gang.
Der Schlangendämon zögerte kurz, dann folgte er Bud
und dem Rattentöter. Vermutlich hielt er das Paar für die leichteste Beute, da
er einen Gegner bereits verletzt hatte.
Hillgrimm bemerkte, dass sie nicht verfolgt wurden. Er
machte Halt, um umzukehren. Doch die Elfin stellte sich ihm in den Weg.
"Was hast du vor?"
"Unseren Freunden helfen. Wir können die Schlange
von hinten angreifen."
"Wie kommst du darauf, dass ihr Schwanz nicht
genauso geschützt ist, wie der Rest des Körpers. Das ist ein Dämon. So ein
Wesen kann man nicht mit Stahl oder Eisen töten."
"Dann verrat mir, was du vorhast!"
"Wir brauchen Magie. Wo endet dieser Gang?"
"Einer der Durchgänge eben führt in die
Schatzkammer, der andere zum Ausgang. Keine Ahnung, in welchem wir
stecken."
"Shadek ist in der Lage, den Dämon zu
kontrollieren. Durch einen Ring, ein Amulett oder einen ähnlichen magischen
Gegenstand. Wir sollten ihn gefangen nehmen und zwingen, unsere Freunde zu
retten."
"Einverstanden."
Mit diesen Worten fasste er seine Streitaxt fester und
lief weiter. Er machte sich keine Illusionen. Sie würden eine Menge Glück
brauchen, um die Beiden raus zu hauen.
Rattenfänger
Rattenfänger dankte seinen Göttern, dass der
Schlangendämon einen so großen Rumpf besaß. Er passte zwar zwischen die Mauern
der Gewölbe, aber sein Umfang behinderte ihn bei der Verfolgung. So gewannen
die Gefährten etwas Abstand. Sie nutzten ihren Zeitgewinn, damit er wieder zu
Atem kam. Sein dicker Mantel mit dem Futter aus Echsenleder konnte die Attacke
des Schlangenwesens vorhin mildern, doch er spürte, dass ein paar Rippen
gebrochen waren. Jeder Atemzug schmerzte und das Laufen fiel ihm schwer. Er
verdankte es Buds Hilfe, dass er noch lebte.
Ihre Flucht endete in einem kleinen Vorraum. Durch
schmale Lüftungsschächte in der erhöhten Decke drang bereits Tageslicht.
Vermutlich befanden sie sich nicht mehr weit vom Ausgang. Aber zwei massive
Holztüren verhinderten ihr Entkommen. Obwohl die Freunde mit aller Kraft
drückten und schoben, bewegte sich keine von ihnen auch nur einen Spaltbreit.
Rattenfänger suchte nach einem Türschloss, jedoch vergeblich. Er ließ seinen
Blick umherschweifen, um irgendeine Möglichkeit zu finden, sie zu öffnen. Dabei
bemerkte er seltsame Symbole, die jemand in den Steinboden geschlagen hatte.
Ihre Bedeutung kannte er nicht, doch er schloss nicht aus, dass man die Tore
allein durch Magie bewegen konnte.
Das Geräusch der Schuppen auf steinernen Wänden kam
näher. Nicht mehr lange, und die Freunde würden sich zum Kampf stellen müssen.
Hillgrimm
Der Gang endete in einer Steintreppe. Vorsichtig
schlichen die Abenteurer nach oben. Sie lauschten nach verdächtigen Geräuschen,
es blieb aber still. Möglich, dass sich Shadek auf seinen Dämon verließ und die
Wachen in ihre Quartiere geschickt hatte. Die Treppe mündete in einer schmalen
Tür, dahinter lag ein mit Fackeln beleuchteter Raum.
In der Mitte wartete an einer Kette von der Decke
hängend das Symbol ihrer Begierde. Das Elfenhorn. Das ungleiche Paar hatte das
Ziel ihrer Suche gefunden. Beide warfen einen vorsichtigen Blick in die Kammer,
doch außer dem Horn befand sich nichts darin. Offenbar stimmten die Angaben des
Oberpriesters, dass er alle Kostbarkeiten nach und nach für eigene Zwecke
aufgebraucht hatte.
Nevelle wollte die Schatzkammer betreten, aber der
Zwerg riss die Elfin heftig zurück. Um ein Haar wäre sie die steilen
Treppenstufen hinunter gestürzt. Wütend zog die Waldgeborene ihre Waffen und
machte sich kampfbereit. Hillgrimm hatte anscheinend beschlossen, das
Überraschungsmoment zu nutzen. Er beabsichtigte, ihr jetzt schon das Elfenhorn
streitig zu machen.
Mit einem gellenden Kampfschrei griff die Waldelfin
an.
Rattenfänger
Rattenfänger legte die Wurfmesser aus seinem Gürtel
neben sich. Seine Schmerzen zwangen ihn, sich auf den Boden zu knien. So konnte
er seine Waffen schneller erreichen und werfen. Er überlegte kurz, ob er
Shadeks Messer, das er seit dem Zusammenstoß im "Blauen Thron" im
Stiefel verbarg, herausholen sollte, entschied sich aber dann dagegen. Er würde
es erst im Nahkampf einsetzen.
"Seine einzige verwundbare Stelle dürfte sein
Maul sein. Und zwar das Innere, seinen übrigen Körper schützt ein
Schuppenpanzer. Warte darauf, dass er es öffnet. Fuchtel mit deiner Harpune vor
seiner Schnauze herum", rief er Bud zu. "Er wird versuchen, dich zu
schnappen und sie öffnen. In gleichen Moment bekommt er meine Wurfmesser zu
schmecken. Im offenen Kampf bin ich hilflos, daher beschäftige den Dämon so
lange, bis ihn meine Messer erledigen."
Der Harpunier salutierte, in dem er die Waffe über
seinen Kopf hob. "Hätte nie gedacht, in einem dunklen Keller zu sterben,
statt auf hoher See. Aber es ist mir lieber, wenn ein alter Freund dabei
ist."
Im gleichen Moment schob sich der Schlangenkopf in die
Kammer.
Nevelle
Ihr Schlag kam mit solcher Schnelligkeit, dass ihn
Hillgrimm kaum parieren konnte. Seine Wucht warf den Zwerg gegen einen
Türrahmen, wo er benommen liegenblieb. Der nächste Schwerthieb riss ihm seine
Streitaxt aus der Hand. Jetzt lag er wehrlos vor der wütenden Elfin.
"Du Verräter. Du wolltest nicht länger warten.
Wir hatten eine Abmachung. Ist das deine Vorstellung von einem
Zwergeneid."
Hillgrimm machte keine Anstalten sich zu wehren. Er
wies mit einem Finger auf eine kleine Rune hin, die im Rahmen des Eingangs
eingemeißelt war.
"Das Zeichen steht für eine Falle. Mein Onkel
muss es beim Bau dieses Labyrinths eingeschlagen haben. Es ist eine Warnung,
die nur Zwerge erkennen können."
Die Elfin wurde blass. "Bei den Göttern. Diese
verfluchte Gier nach dem Horn. Wenn wir so weiter machen, wird es keiner von
uns erreichen."
"Stimmt. Und Rattenfänger und Bud werden
sterben."
"Was ist das für Falle?"
"Ich schlage vor, wir lösen sie aus." Der
Zwerg zeigte auf eine dünne Schnur, die sich in Kniehöhe in der Tür spannte.
"Falls ich die Rune richtig deute, wird der Tod von oben kommen. Tritt
einen Schritt zurück!"
Beide gingen ein paar Stufen die Treppe hinunter, dann
schnitt Hillgrim mit seiner Streitaxt den Faden durch. Im gleichen Moment
fielen eine Reihe schwerer Wurflanzen aus der Decke. Ihr Gewicht war so groß,
dass ihre Spitzen jeden Eindringling bereits am Eingang durchbohrt hätten.
Hillgrimm schien zufrieden. "Gute alte
Zwergenarbeit. Schau hier. Auf diesem Spieß hat mein Onkel sogar eine Widmung
gekratzt."
Nevelle wollte keine Zeit für die Bewunderung
zwergischer Schmiedekunst verschwenden. "Lass uns hineingehen. Unsere
Freunde brauchen Hilfe."
Rattenfänger
Gleich sollte sich zeigen, ob sein Plan aufginge.
Seine untrügliche Witterung für den schwächsten Gegner führte das Monster zu
dem verletzten Rattentöter. Aber Bud stellte sich mit drohender Harpune
zwischen beide und stieß in Richtung seiner Augen. Der Schlangendämon erkannte,
dass er zunächst diesen Feind ausschalten musste. Immer wieder versuchte er,
den Seefahrer zu fassen, doch vergeblich. Viele Erfahrungen auf kleinen Booten,
die nach mittlerweile ausgestorbenen Tiefseekraken über die Wellen jagten, zahlten
sich heute aus. Rattenfänger hätte seinem Freund diese Geschicklichkeit nicht
zugetraut. Er beschloss, seinen Anteil am Kampf beizutragen.
Ein Wurfmesser nach dem anderen warf er gegen den Kopf
der Schlange. Jedoch bewegten sich beide Kontrahenten zu schnell für einen
genauen Wurf. Der Dämon bevorzugte Stöße mit geschlossenem Maul, vermutlich
würde er es in dem Moment öffnen, wenn er seine Beute verschlingen konnte.
Die ersten Messer schlugen am Rand der Dämonenschnauze
ein, vermochten aber die Schuppenpanzerung nicht zu durchbrechen. Rattenjäger
beschloss, auf das Auge zu zielen, das keine Panzerung schützte. Doch das Hin
und Her ihres Kampfes erschwerte es, die Bewegungen der beiden Kontrahenten
rechtzeitig vorauszusehen. Zu groß war die Gefahr, seinen Freund zu treffen.
Die Rippenverletzungen zwangen ihn zudem, aus kniender
Haltung zu werfen. Jedes Mal, wenn er ausholte, zuckte ein stechender Schmerz
durch seinen Oberkörper. All das behinderte den Rattentöter, entscheidend
einzugreifen. Schließlich traf auch das letzte Wurfmesser nur den äußeren
Bereich des Augenlids, ohne es zu durchstoßen.
Jetzt blieb ihm noch Shadeks Messer, das er in seinen
Stiefel gesteckt hatte. Er beschloss, sich diese Waffe für zuletzt aufzuheben.
Lebend wollte er dem Dämon nicht in die Hände fallen.
Hillgrimm
Vorsichtig betraten die Gefährten die Schatzkammer.
Hillgrimm betrachtete einen der Spieße, der aus der Decke gefallen war. Mit
Kenneraugen bewunderte er die Arbeit seines Onkels. Dann begleitete er Nevelle,
die misstrauisch die dunklen Ecken und Nischen des Raums musterte.
Nur wenige Schritte trennten sie von dem Symbol ihrer
Suche. Bald musste sich entscheiden, wer das Horn zu seinem Volk bringen
konnte. Doch im Augenblick betrachteten Elf und Zwerg bewundernd ein Objekt,
das in ihrer Heimat einen legendären Ruf besaß.
"Bravo! Bravo!" Beide erkannten die Stimme
sofort. Shadek trat aus seinem Versteck. Einem Vorhang, der eine hölzerne
Wandtür verdeckte. "Immerhin zwei Dieben ist es gelungen, bis hier zu kommen."
Nevelle machte sich kampfbereit. "Was weißt du
über Bud und Rattenfänger. Rede, oder ich nehme deinen Kopf."
"Bedauerlicherweise sind die Dummköpfe meinem
dunklen Wächter begegnet. Hinter dieser Tür kämpfen sie um ihr Leben. Wenn mich
meine magischen Sinne nicht im Stich gelassen haben, werden eure Freunde dem
Dämon zum Opfer fallen. Eisen wird heute gegen Magie verlieren."
Er ging in die Mitte der Kammer. Geschickt löste er
das Elfenhorn von der Kette. "Doch ihr habt mich überrascht. Niemand ist
je aus diesem Loch, das die alten Baumeister schon so lange verborgen hält,
zurückgekehrt. Glaubt es oder nicht, aber dass ihr trotz des Schlangendämons
bis in die Schatzkammer eindringen konntet, nötigt mir sogar Respekt ab. Jedoch
alle Mühe, alle Tapferkeit waren umsonst."
Mit diesen Worten nahm er das Horn und zerschlug es an
der Steinwand, so dass es sich in unzähligen Bruchstücken auf dem Steinboden
verteilte.
Entgeistert starrten ihn die Abenteurer an. "Du
hast es zerbrochen." Nevelle versagte beinahe die Stimme.
"Die ganze Aufregung für einen Betrug. Irgendwie
musste der Tempel in dieser reichen Stadt überleben. Aus irgendeinem Grund die
Pilger seinen Gott anbeten und vor allen Dingen", hier machte er mit
seinen Fingern die Geste des Geldzählens“, mussten sie spenden. Deshalb suchten
meine Oberpriester damals nach einem Symbol, einer Reliquie, die das bewirken
konnte. Der Preis soll hoch gewesen sein, aber das gefälschte Elfenhorn brachte
die Summe vielfach wieder ein. Da es beide Völker an die Niederlage von
Altenberge erinnerte, schlugen seine alten Eigentümer einen großen Bogen um das
Horn. So war das Risiko gering, dass jemand unseren Betrug bemerkte. Nur der
jeweilige oberste Priester kannte dieses Geheimnis. Doch jetzt hat es seinen
Zweck erfüllt. Wenn die Wachen euch hier tot finden, wird man glauben, dass ihr
es im Streit zerbrochen habt. Ein Zwerg und ein Elf. Das passt genau. Ich werde
in diesem Moment schon weit weg sein. Zusammen mit dem Schatz."
Hillgrimm prüfte die Spitze des Wurfspießes, den er
immer noch in der Hand hielt. "Dein Tempel ist schuld, dass mein Onkel um
seinen Lohn gebracht wurde. Dann ist er mit seinen Söhnen im Verlies elend
verreckt." Er holte aus und warf seinen Spieß auf Shadek.
Rattenfänger
Unter Schmerzen kroch er zurück in Richtung Ausgang.
Er beobachtete Bud, der um sein Leben kämpfte. Körperkraft und Geschicklichkeit
hatten seinen Kampfgefährten bis jetzt vor einem tödlichen Stoß der Schlange
bewahrt. Immer wieder suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, stieß dann
mit seiner Harpune zu. Doch seine wenigen Treffer schafften es nicht, die
Schuppenpanzerung zu durchdringen. Bisher gelang es ihm lediglich, seinen
Gegner auf Distanz zu halten. Langsam ließen jedoch die Kräfte seines Freundes
nach.
Rattenfängers Finger tasteten verzweifelt in leeren
Messerscheiden an seinem Gürtel. Alle seine Wurfmesser hatten die Panzerung des
Schlangendämons nicht durchschlagen können. Er fasste in seinen Stiefel und zog
seine letzte Waffe heraus. Sie stammte aus Shadeks Besitz, seinen bronzenen
Griff verzierten unbekannte Schriftzeichen. Dem Rattentöter schoss ein Gedanke
durch den Kopf. Da der Oberpriester diesen Dämon kontrollierte, vermutete er,
dass er mit dessen Messer mehr Wirkung erzielen könnte. Vielleicht gaben ihm
die Zeichen Macht über das unheimliche Wesen. Er kroch etwas weiter zurück in
Richtung Tür, um eine bessere Sicht zu erhalten. Dann schloss er kurz die Augen
und konzentrierte sich.
Es würde sein allerletzter Versuch sein.
Hillgrimm
Mit einer lässigen Handbewegung deutete Shadek auf den
Wurfspieß, der sofort in Flammen aufging. Noch im Flug verbrannte die Waffe zu
Asche.
"Narren! Ich sagte es doch. Heute wird Magie das
Eisen besiegen. Wer von euch wird der Nächste sein"
Hillgrimm und Nevelle sprangen gleichzeitig los.
Rattenfänger
Das Messer flog in einem perfekten Bogen. Rattenfänger
war es gelungen, die Bewegung der riesigen Schlange vorherzusehen. Er traf
genau die Stelle, die er geplant hatte. Direkt im Auge des Dämons.
Das Wurfmesser schien einen Moment in der Luft zu
stehen, dann prallte die Klinge ab. Klirrend fiel sie auf den Steinboden. Der
Kopf der Riesenschlange blieb dank seiner Panzerung unverletzt. Der Rattentöter
stöhnte. Jetzt besaß er keine Waffe mehr.
Hillgrimm
Die Abenteurer zeichnete die Erfahrung vieler
Zweikämpfe aus. Um die Kräfte des Gegners zu binden, berechneten sie ihren
Angriff so, dass beide gleichzeitig, aber von verschiedenen Seiten Shadek
erreichten. Doch der Oberpriester war nicht mehr da.
Mit Hilfe seiner magischen Fähigkeiten hatte er
blitzschnell seine Position verändert und stand nun wenige Meter entfernt.
Hohnlächelnd drehte er sich in ihre Richtung.
"Wie ich schon sagte. Narren!"
Rattenfänger
Er rutschte weiter zur Holztür. Dahinter vermutete er
einen Ausgang aus den Katakomben. Dabei bemerkte Rattenfänger wieder die
Symbole auf dem Steinboden. Diesmal kam ihm die entscheidende Idee. Mauern und
Tore würden einen Dämon mit solcher Macht nicht aufhalten. Allein durch Magie
war das möglich. Die Zeichen dort bannten wahrscheinlich ihren dunklen Wächter
in die Gewölbe des Labyrinths. Wenn er hinter die magischen Linien direkt an
die Tür kroch, befand er sich außerhalb der Reichweite des Ungeheuers und in
Sicherheit. Dieser Ort könnte ihn nicht nur vor weiteren Attacken der Schlange
schützen, sondern auch Bud bräuchte hier keine Angriffe mehr zu fürchten.
Er richtete sich auf. Davon musste sein Freund
unbedingt erfahren.
Hillgrimm
Zwerg und Elfin umkreisten Shadek. Diesmal würden sie
nacheinander angreifen. Doch da ergriff der Oberpriester die Initiative.
Ein kurzer Wink in Nevelles Richtung und ein
Flammenball schoss auf die Waldelfin zu. Es gelang ihr gerade noch, sich
rechtzeitig zu Boden zu werfen, um ihm zu entgehen. Auch Hillgrimm brach seine
Attacke ab, da er einem weiteren Flammenangriff ausweichen musste.
In der nächsten Zeit scheuchte der Oberpriester sie
mit seinen Zaubern durch die Schatzkammer. An einen Angriff war unter diesen
Bedingungen nicht zu denken.
Irgendwann würde Shadeks Feuerbälle einen der Freunde
treffen und ihn töten.
Rattenfänger
Bud wirkte erschöpft. Das lange Wechselspiel zwischen
Angriff und Ausweichen forderte seinen Tribut. Alle Vorteile lagen auf der
Seite des Schlangendämons. Seine Kraftreserven schienen unerschöpflich zu sein.
Mehr als einmal gelang es dem Harpunier nur mit Glück, einem schnellen Stoß
seines Gegners zu entkommen. Es war abzusehen, dass früher oder später seine
Reaktionen nachlassen würden. Er musste ihm unbedingt die Stelle direkt hinter
den Bannzeichen zeigen, wo auch der Rattentöter bereits Schutz gefunden hatte.
"Zu mir! Hier ist es sicher."
Da schlug der Dämon blitzschnell zu.
Hillgrimm
Anstatt den Oberpriester durch die Schatzkammer zu
treiben, hatte der nun das Heft in der Hand. Er scheuchte die Abenteurer mit
seinen Feuerbällen von einer Wand zu anderen. Der Zwerg wusste nicht, warum er
sie noch nicht getroffen hatte. Immer wieder verfehlte er die Gefährten nur
knapp. Gut möglich, dass Shadek ein teuflisches Spiel trieb, um sich an ihrer
Hilflosigkeit zu ergötzen. Hillgrimms Kräfte ließen nach, auch Nevelle machte
einen ermüdeten Eindruck. Ihre Ausweichmanöver wurden langsamer. Es dauerte
nicht mehr lange und beide lagen erschöpft auf dem Steinboden.
"Wie ich bereits sagte: Nar ..." Der
Oberpriester schaffte es nicht, seinen Satz zu beenden. Blut lief über seine
Lippen, die Augen erstarrten, er kippte leblos nach vorne. Aus seinem Rücken
ragte der Griff eines Wurfmessers, eine schwarze Gestalt verschwand
blitzschnell in den Schatten.
Hillgrimm kroch fast zu dem Leichnam, so kraftlos war
er. "Dieses Messer..." Er untersuchte es genauer. "Die Assan
benutzen sie. Ein Klan von Meuchelmördern. Es scheint, dass sich Shadek eine
Menge Feinde gemacht hat."
"Zu unserem Glück", meinte Nevelle.
"Schnell such nach einem Amulett. Wir müssen Bud und Rattenfänger
helfen!"
Rattenfänger
Bud schaffte es gerade noch, seine Waffe hochzureißen.
Doch der Stoß des Schlangendämons war so kräftig, dass er die Harpune zerbrach.
Der nächste Hieb traf seine Brust. Der Harpunier flog gegen die Steinmauer,
Rattenfänger konnte seine Rippen brechen hören.
Der Dämon untersuchte mit seiner gespaltenen Zunge den
leblosen Körper. Diese Beute würde auf ihn warten. Dann drehte sich zu dem
Rattentöter.
Der wich über das Bannzeichen so nah an die Holztür
zurück wie möglich. Das riesige Schlangenhaupt beugte sich vor, seine
Doppelzunge bewegte sich hektisch hin und her.
Rattenfänger bemerkte zu spät, dass sich ein Stück
seines Mantels außerhalb des Schutzeichens befand. Der dunkle Wächter schnappte
zu, dann zog er den Hilflosen zu sich heran. Verzweifelt blickte sich der
Rattentöter um. Er brauchte etwas, was ihm Halt geben könnte, bevor ihn das
Ungeheuer komplett darüber ziehen würde. Doch er fand keine in die Mauerwände
eingearbeiteten Ringe oder geeignete Fugen. Kostbare Zeit ging verloren, da er
in seiner Panik nach einem Messer suchte, um sich loszuschneiden. Aber alle
seine Waffen lagen unerreichbar weit weg. Als der Gedanke kam, das
Kleidungsstück auszuziehen, war es zu spät. Der Dämon hatte bereits sein Maul
geöffnet, um sein Opfer zu verschlingen.
Rattenfänger schloss die Augen. Er wartete auf das
Ende. In diesem Moment hörte er Hillgrimms Stimme. "Hau ab, Mistvieh!
Schau, was ich hier habe!" Der Zwerg hielt ein Amulett in der Höhe und
bedrohte damit die Schlange. Hinter ihm in der jetzt offenen Tür stand Nevelle.
"Gerade rechtzeitig. Bleib ruhig, mein Freund. Mit
diesem Ding in meiner Hand können wir es kontrollieren." Er machte einen
Schritt in Richtung des Ungeheuers. Der Dämon schwenkte zögernd seinen Kopf,
lies aber von seinem Opfer ab. Dann wich es vor dem Schmuckstück in einen der
Gänge zurück. Hillgrimm dirigierte das unheimliche Wesen immer weiter in das
Kellergewölbe hinein, bis die Elfin den regungslosen Harpunier erreichen
konnte.
Nevelle beugte sich über Bud und drehte ihn um.
Fassungslos blickte sie ihre Freunde an: "Er ist tot!"
***
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