Das Elfenhorn (Finale) -17-

Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.

Es kommt zu den letzten Duellen in den geheimen Kellern unterhalb des Tempels. Bud und Rattenfänger treten einen uralten Gegner an. Die Kontrahenten Hillgrimm und Nevelle stehen einem Magier mit mächtigen Kräften gegenüber.


Doch nur zusammen können sie entkommen und ihr Abenteuer überstehen ...

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Und nun viel Spaß


Bud


Der Harpunier hörte das Geräusch als Erster. Ein seltsames Schaben verfolgte sie. Zunächst noch undeutlich kam es näher und näher. Sein Verstand suchte in seinen Erinnerungen an ähnliche Laute, jedoch ohne Erfolg. In vielen Jahren auf See war es ihm nie begegnet. Er glaubte, ein gnadenloses Augenpaar in seinem Rücken zu spüren. Dieses Gefühl wurde so intensiv, dass er sich umdrehte, doch er sah nur in tiefe Dunkelheit.

Hillgrimm hielt ihre letzte Fackel hoch. Je länger er den dunklen Gängen im Labyrinth folgte, desto sicherer wurde er, die Schatzkammer zu finden. Das Muster entsprach einem klassischen Schema eines legendären Baumeisters aus seinem Volk. Wenn er die folgende Abzweigung nach links nahm, endete ihre Flucht in einer Kammer in der Nähe der Oberfläche. Dann galt es, an diesem Punkt die Wahl zwischen zwei weiteren Durchgängen zu treffen. Welche davon zum Tempelschatz führte, wusste er nicht. Die Bauordnung des alten Meisters machte dazu keine genauen Anweisungen. Leider waren die Runen der Wegbeschreibung, die sein Onkel in die Mauern gekratzt hatte, an dieser Stelle undeutlich. Er tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie kurz vor ihrem Ziel standen. Vermutlich gab es dort bereits etwas Tageslicht, das durch schmale Schlitze in der Decke fiel. Es wurde höchste Zeit, denn ihre Fackel drohte jeden Moment zu verlöschen. Den Zwerg irritierte allerdings das schabende Geräusch, das sie schon eine ganze Weile verfolgte.

Bud konnte sich nicht erinnern, jemals solche Angst gespürt zu haben. Immer wieder schaute er über die Schulter. Irgendetwas war hinter ihnen her. Doch die Dunkelheit verbarg ihren Verfolger. Beinahe verpasste er die Abzweigung nach links. Ihre Flucht endete in einer weiteren Kammer, von der zwei Gänge abzweigten. Dankbar bemerkte er, dass sogar etwas Tageslicht durch kleine Löcher in der Decke fiel. Er machte sich kampfbereit und warnte seine Gefährten. Jetzt musste sich ihr Jäger zeigen.

Aus der Schwärze schob sich eine gigantische Schlange. Ihr Rumpf füllte die Durchgänge des Labyrinths vollständig, der keilförmige Kopf passte kaum zwischen seine Mauern. Das Tier war komplett weiß, seine roten Augen verschwanden unter den dicken Schuppen, die seinen Körper schützten. Eine gespaltene Zunge züngelte in Richtung der Abenteurer, suchte nach Beute.

Rattenfänger übernahm das Kommando. "Verteilt euch! Jedes Mal, wenn das Ungeheuer einen von uns angreift, müssen die anderen zuschlagen."

Er lenkte als Erster die Aufmerksamkeit der Schlange auf sich. Es gelang ihm anscheinend, ein Wurfmesser in einem der roten Augen zu versenken. Doch sicher war er sich nicht. Sofort schlug das Wesen zurück. Das geschlossene Maul stieß in seine Richtung, der Rattentöter versuchte, rechtzeitig auszuweichen, jedoch erfolglos. Der Angriff erfolgte so schnell, dass er ihn direkt vor die Brust traf. Der Abenteuer stöhnte, durch den Aufprall flog er in einen der beiden Gänge. Stöhnend stützte er sich an der Mauer ab. Aber er hielt sich dabei die Rippen und atmete schwer.

Im gleichen Moment hieb Hillgrimm mit seiner Streitaxt zu. Auch die Elfin und Bud griffen das unheimliche Wesen an. Doch alle Waffen prallten an der Rüstung aus Schuppen wirkungslos ab.

"Wir müssen fliehen", entschied Rattenfänger. "Gegen diesen Dämon hat keiner von uns eine Chance."

Nevelle und der Zwerg liefen nach links, der Harpunier stützte seinen immer noch mitgenommen Freund und beide flüchteten in den zweiten Gang.

Der Schlangendämon zögerte kurz, dann folgte er Bud und dem Rattentöter. Vermutlich hielt er das Paar für die leichteste Beute, da er einen Gegner bereits verletzt hatte.

Hillgrimm bemerkte, dass sie nicht verfolgt wurden. Er machte Halt, um umzukehren. Doch die Elfin stellte sich ihm in den Weg.

"Was hast du vor?"

"Unseren Freunden helfen. Wir können die Schlange von hinten angreifen."

"Wie kommst du darauf, dass ihr Schwanz nicht genauso geschützt ist, wie der Rest des Körpers. Das ist ein Dämon. So ein Wesen kann man nicht mit Stahl oder Eisen töten."

"Dann verrat mir, was du vorhast!"

"Wir brauchen Magie. Wo endet dieser Gang?"

"Einer der Durchgänge eben führt in die Schatzkammer, der andere zum Ausgang. Keine Ahnung, in welchem wir stecken."

"Shadek ist in der Lage, den Dämon zu kontrollieren. Durch einen Ring, ein Amulett oder einen ähnlichen magischen Gegenstand. Wir sollten ihn gefangen nehmen und zwingen, unsere Freunde zu retten."

"Einverstanden."

Mit diesen Worten fasste er seine Streitaxt fester und lief weiter. Er machte sich keine Illusionen. Sie würden eine Menge Glück brauchen, um die Beiden raus zu hauen.

Rattenfänger


Rattenfänger dankte seinen Göttern, dass der Schlangendämon einen so großen Rumpf besaß. Er passte zwar zwischen die Mauern der Gewölbe, aber sein Umfang behinderte ihn bei der Verfolgung. So gewannen die Gefährten etwas Abstand. Sie nutzten ihren Zeitgewinn, damit er wieder zu Atem kam. Sein dicker Mantel mit dem Futter aus Echsenleder konnte die Attacke des Schlangenwesens vorhin mildern, doch er spürte, dass ein paar Rippen gebrochen waren. Jeder Atemzug schmerzte und das Laufen fiel ihm schwer. Er verdankte es Buds Hilfe, dass er noch lebte.

Ihre Flucht endete in einem kleinen Vorraum. Durch schmale Lüftungsschächte in der erhöhten Decke drang bereits Tageslicht. Vermutlich befanden sie sich nicht mehr weit vom Ausgang. Aber zwei massive Holztüren verhinderten ihr Entkommen. Obwohl die Freunde mit aller Kraft drückten und schoben, bewegte sich keine von ihnen auch nur einen Spaltbreit. Rattenfänger suchte nach einem Türschloss, jedoch vergeblich. Er ließ seinen Blick umherschweifen, um irgendeine Möglichkeit zu finden, sie zu öffnen. Dabei bemerkte er seltsame Symbole, die jemand in den Steinboden geschlagen hatte. Ihre Bedeutung kannte er nicht, doch er schloss nicht aus, dass man die Tore allein durch Magie bewegen konnte.

Das Geräusch der Schuppen auf steinernen Wänden kam näher. Nicht mehr lange, und die Freunde würden sich zum Kampf stellen müssen.

Hillgrimm


Der Gang endete in einer Steintreppe. Vorsichtig schlichen die Abenteurer nach oben. Sie lauschten nach verdächtigen Geräuschen, es blieb aber still. Möglich, dass sich Shadek auf seinen Dämon verließ und die Wachen in ihre Quartiere geschickt hatte. Die Treppe mündete in einer schmalen Tür, dahinter lag ein mit Fackeln beleuchteter Raum.

In der Mitte wartete an einer Kette von der Decke hängend das Symbol ihrer Begierde. Das Elfenhorn. Das ungleiche Paar hatte das Ziel ihrer Suche gefunden. Beide warfen einen vorsichtigen Blick in die Kammer, doch außer dem Horn befand sich nichts darin. Offenbar stimmten die Angaben des Oberpriesters, dass er alle Kostbarkeiten nach und nach für eigene Zwecke aufgebraucht hatte.

Nevelle wollte die Schatzkammer betreten, aber der Zwerg riss die Elfin heftig zurück. Um ein Haar wäre sie die steilen Treppenstufen hinunter gestürzt. Wütend zog die Waldgeborene ihre Waffen und machte sich kampfbereit. Hillgrimm hatte anscheinend beschlossen, das Überraschungsmoment zu nutzen. Er beabsichtigte, ihr jetzt schon das Elfenhorn streitig zu machen.

Mit einem gellenden Kampfschrei griff die Waldelfin an.

Rattenfänger


Rattenfänger legte die Wurfmesser aus seinem Gürtel neben sich. Seine Schmerzen zwangen ihn, sich auf den Boden zu knien. So konnte er seine Waffen schneller erreichen und werfen. Er überlegte kurz, ob er Shadeks Messer, das er seit dem Zusammenstoß im "Blauen Thron" im Stiefel verbarg, herausholen sollte, entschied sich aber dann dagegen. Er würde es erst im Nahkampf einsetzen.

"Seine einzige verwundbare Stelle dürfte sein Maul sein. Und zwar das Innere, seinen übrigen Körper schützt ein Schuppenpanzer. Warte darauf, dass er es öffnet. Fuchtel mit deiner Harpune vor seiner Schnauze herum", rief er Bud zu. "Er wird versuchen, dich zu schnappen und sie öffnen. In gleichen Moment bekommt er meine Wurfmesser zu schmecken. Im offenen Kampf bin ich hilflos, daher beschäftige den Dämon so lange, bis ihn meine Messer erledigen."

Der Harpunier salutierte, in dem er die Waffe über seinen Kopf hob. "Hätte nie gedacht, in einem dunklen Keller zu sterben, statt auf hoher See. Aber es ist mir lieber, wenn ein alter Freund dabei ist."

Im gleichen Moment schob sich der Schlangenkopf in die Kammer.


Nevelle


Ihr Schlag kam mit solcher Schnelligkeit, dass ihn Hillgrimm kaum parieren konnte. Seine Wucht warf den Zwerg gegen einen Türrahmen, wo er benommen liegenblieb. Der nächste Schwerthieb riss ihm seine Streitaxt aus der Hand. Jetzt lag er wehrlos vor der wütenden Elfin.

"Du Verräter. Du wolltest nicht länger warten. Wir hatten eine Abmachung. Ist das deine Vorstellung von einem Zwergeneid."

Hillgrimm machte keine Anstalten sich zu wehren. Er wies mit einem Finger auf eine kleine Rune hin, die im Rahmen des Eingangs eingemeißelt war.

"Das Zeichen steht für eine Falle. Mein Onkel muss es beim Bau dieses Labyrinths eingeschlagen haben. Es ist eine Warnung, die nur Zwerge erkennen können."

Die Elfin wurde blass. "Bei den Göttern. Diese verfluchte Gier nach dem Horn. Wenn wir so weiter machen, wird es keiner von uns erreichen."

"Stimmt. Und Rattenfänger und Bud werden sterben."

"Was ist das für Falle?"

"Ich schlage vor, wir lösen sie aus." Der Zwerg zeigte auf eine dünne Schnur, die sich in Kniehöhe in der Tür spannte. "Falls ich die Rune richtig deute, wird der Tod von oben kommen. Tritt einen Schritt zurück!"

Beide gingen ein paar Stufen die Treppe hinunter, dann schnitt Hillgrim mit seiner Streitaxt den Faden durch. Im gleichen Moment fielen eine Reihe schwerer Wurflanzen aus der Decke. Ihr Gewicht war so groß, dass ihre Spitzen jeden Eindringling bereits am Eingang durchbohrt hätten.

Hillgrimm schien zufrieden. "Gute alte Zwergenarbeit. Schau hier. Auf diesem Spieß hat mein Onkel sogar eine Widmung gekratzt."

Nevelle wollte keine Zeit für die Bewunderung zwergischer Schmiedekunst verschwenden. "Lass uns hineingehen. Unsere Freunde brauchen Hilfe."

Rattenfänger


Gleich sollte sich zeigen, ob sein Plan aufginge. Seine untrügliche Witterung für den schwächsten Gegner führte das Monster zu dem verletzten Rattentöter. Aber Bud stellte sich mit drohender Harpune zwischen beide und stieß in Richtung seiner Augen. Der Schlangendämon erkannte, dass er zunächst diesen Feind ausschalten musste. Immer wieder versuchte er, den Seefahrer zu fassen, doch vergeblich. Viele Erfahrungen auf kleinen Booten, die nach mittlerweile ausgestorbenen Tiefseekraken über die Wellen jagten, zahlten sich heute aus. Rattenfänger hätte seinem Freund diese Geschicklichkeit nicht zugetraut. Er beschloss, seinen Anteil am Kampf beizutragen.

Ein Wurfmesser nach dem anderen warf er gegen den Kopf der Schlange. Jedoch bewegten sich beide Kontrahenten zu schnell für einen genauen Wurf. Der Dämon bevorzugte Stöße mit geschlossenem Maul, vermutlich würde er es in dem Moment öffnen, wenn er seine Beute verschlingen konnte.

Die ersten Messer schlugen am Rand der Dämonenschnauze ein, vermochten aber die Schuppenpanzerung nicht zu durchbrechen. Rattenjäger beschloss, auf das Auge zu zielen, das keine Panzerung schützte. Doch das Hin und Her ihres Kampfes erschwerte es, die Bewegungen der beiden Kontrahenten rechtzeitig vorauszusehen. Zu groß war die Gefahr, seinen Freund zu treffen.

Die Rippenverletzungen zwangen ihn zudem, aus kniender Haltung zu werfen. Jedes Mal, wenn er ausholte, zuckte ein stechender Schmerz durch seinen Oberkörper. All das behinderte den Rattentöter, entscheidend einzugreifen. Schließlich traf auch das letzte Wurfmesser nur den äußeren Bereich des Augenlids, ohne es zu durchstoßen.

Jetzt blieb ihm noch Shadeks Messer, das er in seinen Stiefel gesteckt hatte. Er beschloss, sich diese Waffe für zuletzt aufzuheben. Lebend wollte er dem Dämon nicht in die Hände fallen.

Hillgrimm


Vorsichtig betraten die Gefährten die Schatzkammer. Hillgrimm betrachtete einen der Spieße, der aus der Decke gefallen war. Mit Kenneraugen bewunderte er die Arbeit seines Onkels. Dann begleitete er Nevelle, die misstrauisch die dunklen Ecken und Nischen des Raums musterte.

Nur wenige Schritte trennten sie von dem Symbol ihrer Suche. Bald musste sich entscheiden, wer das Horn zu seinem Volk bringen konnte. Doch im Augenblick betrachteten Elf und Zwerg bewundernd ein Objekt, das in ihrer Heimat einen legendären Ruf besaß.

"Bravo! Bravo!" Beide erkannten die Stimme sofort. Shadek trat aus seinem Versteck. Einem Vorhang, der eine hölzerne Wandtür verdeckte. "Immerhin zwei Dieben ist es gelungen, bis hier zu kommen."

Nevelle machte sich kampfbereit. "Was weißt du über Bud und Rattenfänger. Rede, oder ich nehme deinen Kopf."

"Bedauerlicherweise sind die Dummköpfe meinem dunklen Wächter begegnet. Hinter dieser Tür kämpfen sie um ihr Leben. Wenn mich meine magischen Sinne nicht im Stich gelassen haben, werden eure Freunde dem Dämon zum Opfer fallen. Eisen wird heute gegen Magie verlieren."

Er ging in die Mitte der Kammer. Geschickt löste er das Elfenhorn von der Kette. "Doch ihr habt mich überrascht. Niemand ist je aus diesem Loch, das die alten Baumeister schon so lange verborgen hält, zurückgekehrt. Glaubt es oder nicht, aber dass ihr trotz des Schlangendämons bis in die Schatzkammer eindringen konntet, nötigt mir sogar Respekt ab. Jedoch alle Mühe, alle Tapferkeit waren umsonst."

Mit diesen Worten nahm er das Horn und zerschlug es an der Steinwand, so dass es sich in unzähligen Bruchstücken auf dem Steinboden verteilte.

Entgeistert starrten ihn die Abenteurer an. "Du hast es zerbrochen." Nevelle versagte beinahe die Stimme.

"Die ganze Aufregung für einen Betrug. Irgendwie musste der Tempel in dieser reichen Stadt überleben. Aus irgendeinem Grund die Pilger seinen Gott anbeten und vor allen Dingen", hier machte er mit seinen Fingern die Geste des Geldzählens“, mussten sie spenden. Deshalb suchten meine Oberpriester damals nach einem Symbol, einer Reliquie, die das bewirken konnte. Der Preis soll hoch gewesen sein, aber das gefälschte Elfenhorn brachte die Summe vielfach wieder ein. Da es beide Völker an die Niederlage von Altenberge erinnerte, schlugen seine alten Eigentümer einen großen Bogen um das Horn. So war das Risiko gering, dass jemand unseren Betrug bemerkte. Nur der jeweilige oberste Priester kannte dieses Geheimnis. Doch jetzt hat es seinen Zweck erfüllt. Wenn die Wachen euch hier tot finden, wird man glauben, dass ihr es im Streit zerbrochen habt. Ein Zwerg und ein Elf. Das passt genau. Ich werde in diesem Moment schon weit weg sein. Zusammen mit dem Schatz."

Hillgrimm prüfte die Spitze des Wurfspießes, den er immer noch in der Hand hielt. "Dein Tempel ist schuld, dass mein Onkel um seinen Lohn gebracht wurde. Dann ist er mit seinen Söhnen im Verlies elend verreckt." Er holte aus und warf seinen Spieß auf Shadek.

Rattenfänger


Unter Schmerzen kroch er zurück in Richtung Ausgang. Er beobachtete Bud, der um sein Leben kämpfte. Körperkraft und Geschicklichkeit hatten seinen Kampfgefährten bis jetzt vor einem tödlichen Stoß der Schlange bewahrt. Immer wieder suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, stieß dann mit seiner Harpune zu. Doch seine wenigen Treffer schafften es nicht, die Schuppenpanzerung zu durchdringen. Bisher gelang es ihm lediglich, seinen Gegner auf Distanz zu halten. Langsam ließen jedoch die Kräfte seines Freundes nach.

Rattenfängers Finger tasteten verzweifelt in leeren Messerscheiden an seinem Gürtel. Alle seine Wurfmesser hatten die Panzerung des Schlangendämons nicht durchschlagen können. Er fasste in seinen Stiefel und zog seine letzte Waffe heraus. Sie stammte aus Shadeks Besitz, seinen bronzenen Griff verzierten unbekannte Schriftzeichen. Dem Rattentöter schoss ein Gedanke durch den Kopf. Da der Oberpriester diesen Dämon kontrollierte, vermutete er, dass er mit dessen Messer mehr Wirkung erzielen könnte. Vielleicht gaben ihm die Zeichen Macht über das unheimliche Wesen. Er kroch etwas weiter zurück in Richtung Tür, um eine bessere Sicht zu erhalten. Dann schloss er kurz die Augen und konzentrierte sich.

Es würde sein allerletzter Versuch sein.

Hillgrimm


Mit einer lässigen Handbewegung deutete Shadek auf den Wurfspieß, der sofort in Flammen aufging. Noch im Flug verbrannte die Waffe zu Asche.

"Narren! Ich sagte es doch. Heute wird Magie das Eisen besiegen. Wer von euch wird der Nächste sein"

Hillgrimm und Nevelle sprangen gleichzeitig los.

Rattenfänger

 

Das Messer flog in einem perfekten Bogen. Rattenfänger war es gelungen, die Bewegung der riesigen Schlange vorherzusehen. Er traf genau die Stelle, die er geplant hatte. Direkt im Auge des Dämons.

Das Wurfmesser schien einen Moment in der Luft zu stehen, dann prallte die Klinge ab. Klirrend fiel sie auf den Steinboden. Der Kopf der Riesenschlange blieb dank seiner Panzerung unverletzt. Der Rattentöter stöhnte. Jetzt besaß er keine Waffe mehr.

Hillgrimm


Die Abenteurer zeichnete die Erfahrung vieler Zweikämpfe aus. Um die Kräfte des Gegners zu binden, berechneten sie ihren Angriff so, dass beide gleichzeitig, aber von verschiedenen Seiten Shadek erreichten. Doch der Oberpriester war nicht mehr da.

Mit Hilfe seiner magischen Fähigkeiten hatte er blitzschnell seine Position verändert und stand nun wenige Meter entfernt.
Hohnlächelnd drehte er sich in ihre Richtung. "Wie ich schon sagte. Narren!"

Rattenfänger


Er rutschte weiter zur Holztür. Dahinter vermutete er einen Ausgang aus den Katakomben. Dabei bemerkte Rattenfänger wieder die Symbole auf dem Steinboden. Diesmal kam ihm die entscheidende Idee. Mauern und Tore würden einen Dämon mit solcher Macht nicht aufhalten. Allein durch Magie war das möglich. Die Zeichen dort bannten wahrscheinlich ihren dunklen Wächter in die Gewölbe des Labyrinths. Wenn er hinter die magischen Linien direkt an die Tür kroch, befand er sich außerhalb der Reichweite des Ungeheuers und in Sicherheit. Dieser Ort könnte ihn nicht nur vor weiteren Attacken der Schlange schützen, sondern auch Bud bräuchte hier keine Angriffe mehr zu fürchten.

Er richtete sich auf. Davon musste sein Freund unbedingt erfahren.

Hillgrimm


Zwerg und Elfin umkreisten Shadek. Diesmal würden sie nacheinander angreifen. Doch da ergriff der Oberpriester die Initiative.

Ein kurzer Wink in Nevelles Richtung und ein Flammenball schoss auf die Waldelfin zu. Es gelang ihr gerade noch, sich rechtzeitig zu Boden zu werfen, um ihm zu entgehen. Auch Hillgrimm brach seine Attacke ab, da er einem weiteren Flammenangriff ausweichen musste.

In der nächsten Zeit scheuchte der Oberpriester sie mit seinen Zaubern durch die Schatzkammer. An einen Angriff war unter diesen Bedingungen nicht zu denken.

Irgendwann würde Shadeks Feuerbälle einen der Freunde treffen und ihn töten.

Rattenfänger


Bud wirkte erschöpft. Das lange Wechselspiel zwischen Angriff und Ausweichen forderte seinen Tribut. Alle Vorteile lagen auf der Seite des Schlangendämons. Seine Kraftreserven schienen unerschöpflich zu sein. Mehr als einmal gelang es dem Harpunier nur mit Glück, einem schnellen Stoß seines Gegners zu entkommen. Es war abzusehen, dass früher oder später seine Reaktionen nachlassen würden. Er musste ihm unbedingt die Stelle direkt hinter den Bannzeichen zeigen, wo auch der Rattentöter bereits Schutz gefunden hatte.

"Zu mir! Hier ist es sicher."

Da schlug der Dämon blitzschnell zu.

Hillgrimm


Anstatt den Oberpriester durch die Schatzkammer zu treiben, hatte der nun das Heft in der Hand. Er scheuchte die Abenteurer mit seinen Feuerbällen von einer Wand zu anderen. Der Zwerg wusste nicht, warum er sie noch nicht getroffen hatte. Immer wieder verfehlte er die Gefährten nur knapp. Gut möglich, dass Shadek ein teuflisches Spiel trieb, um sich an ihrer Hilflosigkeit zu ergötzen. Hillgrimms Kräfte ließen nach, auch Nevelle machte einen ermüdeten Eindruck. Ihre Ausweichmanöver wurden langsamer. Es dauerte nicht mehr lange und beide lagen erschöpft auf dem Steinboden.

"Wie ich bereits sagte: Nar ..." Der Oberpriester schaffte es nicht, seinen Satz zu beenden. Blut lief über seine Lippen, die Augen erstarrten, er kippte leblos nach vorne. Aus seinem Rücken ragte der Griff eines Wurfmessers, eine schwarze Gestalt verschwand blitzschnell in den Schatten.

Hillgrimm kroch fast zu dem Leichnam, so kraftlos war er. "Dieses Messer..." Er untersuchte es genauer. "Die Assan benutzen sie. Ein Klan von Meuchelmördern. Es scheint, dass sich Shadek eine Menge Feinde gemacht hat."

"Zu unserem Glück", meinte Nevelle. "Schnell such nach einem Amulett. Wir müssen Bud und Rattenfänger helfen!"

Rattenfänger

 

Bud schaffte es gerade noch, seine Waffe hochzureißen. Doch der Stoß des Schlangendämons war so kräftig, dass er die Harpune zerbrach. Der nächste Hieb traf seine Brust. Der Harpunier flog gegen die Steinmauer, Rattenfänger konnte seine Rippen brechen hören.

Der Dämon untersuchte mit seiner gespaltenen Zunge den leblosen Körper. Diese Beute würde auf ihn warten. Dann drehte sich zu dem Rattentöter.

Der wich über das Bannzeichen so nah an die Holztür zurück wie möglich. Das riesige Schlangenhaupt beugte sich vor, seine Doppelzunge bewegte sich hektisch hin und her.

Rattenfänger bemerkte zu spät, dass sich ein Stück seines Mantels außerhalb des Schutzeichens befand. Der dunkle Wächter schnappte zu, dann zog er den Hilflosen zu sich heran. Verzweifelt blickte sich der Rattentöter um. Er brauchte etwas, was ihm Halt geben könnte, bevor ihn das Ungeheuer komplett darüber ziehen würde. Doch er fand keine in die Mauerwände eingearbeiteten Ringe oder geeignete Fugen. Kostbare Zeit ging verloren, da er in seiner Panik nach einem Messer suchte, um sich loszuschneiden. Aber alle seine Waffen lagen unerreichbar weit weg. Als der Gedanke kam, das Kleidungsstück auszuziehen, war es zu spät. Der Dämon hatte bereits sein Maul geöffnet, um sein Opfer zu verschlingen.

Rattenfänger schloss die Augen. Er wartete auf das Ende. In diesem Moment hörte er Hillgrimms Stimme. "Hau ab, Mistvieh! Schau, was ich hier habe!" Der Zwerg hielt ein Amulett in der Höhe und bedrohte damit die Schlange. Hinter ihm in der jetzt offenen Tür stand Nevelle.

"Gerade rechtzeitig. Bleib ruhig, mein Freund. Mit diesem Ding in meiner Hand können wir es kontrollieren." Er machte einen Schritt in Richtung des Ungeheuers. Der Dämon schwenkte zögernd seinen Kopf, lies aber von seinem Opfer ab. Dann wich es vor dem Schmuckstück in einen der Gänge zurück. Hillgrimm dirigierte das unheimliche Wesen immer weiter in das Kellergewölbe hinein, bis die Elfin den regungslosen Harpunier erreichen konnte.

Nevelle beugte sich über Bud und drehte ihn um. Fassungslos blickte sie ihre Freunde an: "Er ist tot!"


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