Noch haben unsere Helden das Labyrinth nicht einmal alle betreten. Da steht der Erfolg ihrer Suche bereits auf der Kippe. Gegen die Übermacht der alarmierten Wachen besitzen sie keine Chance. Es sei denn, sie schaffen es gemeinsam den Gegnern zu widerstehen.
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Und nun viel Spaß!

Hillgrimm
Das Geräusch der näherkommenden Wachen
wurde lauter. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie die Eindringlinge
bemerkten.
Hillgrimm hatte keine Vorstellung von
ihrer Kampfkraft. Aber allein ihre Zahl machte es unmöglich zu entkommen.
Wenn Bud nicht bald auftauchte und einen
Fluchtweg gefunden hatte, war ihr Beutezug hier zu Ende.
Sein Plan stand fest. Bei nächster
Gelegenheit würde er Nevelle töten. Das Elfenhorn gehörte den Zwergen.
***
Bud
Der Harpunier kämpfte um sein Leben. Seine
Lungen drohten zu bersten, der ganze Körper schrie nach Atemluft. Vor ihm
verhinderte ein starkes Metallgitter das Weiterkommen. Zur Umkehr war es zu
spät, er musste dieses Hindernis beseitigen oder ertrinken. Er setzte seine
Harpune wie einen Hebel ein, drückte und presste den seine Waffe gegen die
Kante des Gitters. Am Ende gaben die angerosteten Eisenklammern nach. Das
schwere Eisengitter fiel nach innen und er tauchte mit dem letzten Rest Luft
weiter. Nur wenige Schwimmzüge, dann erreichte er eine kleine Kammer. Endlich
Sauerstoff. Zeit, um zu Kräften zu kommen.
***
Nevelle
Sechs gut bewaffnete Wächter umstellten
die Eindringlinge. Es war nur eine Frage der Zeit, bis weitere Wachen
einträfen. Nevelle hoffte, das Bud einen Fluchtweg finden würde. Jetzt galt es,
die Wärter so schnell wie möglich auszuschalten.
Rattenjäger hob die Hände in die Luft und
trat den Tempelwachen entgegen. Freundlich lächelnd ließ er sich blitzschnell
auf die Knie fallen. Erst zuckte der rechte, dann der linke Arm nach vorne. Wie
zwei silberne Blitze flogen seine Wurfmesser und ihre Klingen trafen die Kehlen
der beiden Gegner vor ihm. Danach erhob er sich und öffnete seinen Mantel. Die
Elfin sah, dass er seine komplette Sammlung Messer mitgebracht hatte. Die
Wurfwaffen reihten sich griffbereit in seinem Gürtel. Und wenn die kleine
Ausbeulung nicht täuschte, steckte eine weitere Waffe in seinem Stiefel. Die
war neu.
Zeit ihren Teil zu übernehmen.
Die Waldelfin zückte ihr Schwert. In ihrer
Linken trug sie einen breiten Dolch aus Kalth. Einer der Leibwächter Ferkes
besaß augenscheinlich Übung darin, den vergrößerten Handgriff dieser Stichwaffe
wie einen beweglichen Schild einzusetzen. Nevelle hielt es für eine gute Idee,
dieses nützliche Hilfsmittel nicht im Gefängnis zu lassen und hatte es
eingesteckt. Die Elfin war heiß auf einen Waffengang. Kein sadistischer
Kerkermeister, ohne Ratten. Ein offener Schwertkampf.
Hillgrimm hob seine Streitaxt. Seine Wunde
behinderte ihn mehr, als er gedacht hatte. Aber er würde hinter diesen Angebern
nicht zurückstehen. Wenn die dachten, ein Zwerg einem Zweikampf auswiche,
täuschten sie sich. Er duckte sich und nahm Maß.
Zu seinen Erfahrungen gehörte es, dass das
Menschenvolk sein Volk für langsame Wesen hielt. Vermutlich verführten seine
kurzen Beine zu dieser Annahme. Ein weiterer Vorteil bestand darin, dass kaum
ein Mensch im Waffentraining gegen jemand übte, der nur halb so groß war. Schneller
als erwartet, erreichte er die beiden Wachen, die er sich als Opfer ausgewählt
hatte. Der eine hob noch seinen Säbel, als ihm die Axt des Zwerges in den
Unterleib fuhr. Hillgrimm blieb nicht stehen, sondern rannte am Getroffenen
vorbei. Im Vorbeilaufen ein zweiter Hieb, und er konnte sich dem nächsten
Wächter widmen.
Der erkannte gerade, dass er es alleine
mit einer Übermacht aufnehmen musste. Denn Nevelles Gegner lagen ebenfalls tot
oder bewusstlos im Gras. Er entschied sich zur Flucht, aber Rattenfängers
Wurfmesser war schneller.
Wo blieb Bud?
***
Bud
Der Harpunier tauchte in einer dunklen
Kammer auf. Durch einige schmale Schlitze in der Decke drang nur wenig Licht.
Er brauchte eine Weile, um zu Atmen zu kommen und seine Augen an die
Lichtverhältnisse zu gewöhnen.
Der Seefahrer verließ über eine kleine
Steintreppe das Wasser. Seinen Reflexen als Krakenjäger hatte er es zu
verdanken, dass er die Harpune im Kampf gegen den Erstickungstod nicht verloren
hatte. Er löste das Seil von seiner Waffe und band es an einen der eisernen
Ringe an der Mauer. Er rang immer noch nach Luft, als er leise schlurfende
Geräusche vernahm.
Er war offenbar nicht alleine. Vorsichtig
versuchte er ihre Quelle ausfindig zu machen. Es klang wie die Schritte eines
patrouillierenden Wächters, doch seltsam fremd und ungewohnt. Hillgrimm hatte
versprochen, dass es sich beim Bewacher des Tempelschatzes um ein Gerücht
handeln würde. Aber er hatte beschlossen, dem Zwerg zu misstrauen. Er hatte das
Gefühl, dass Nevelle und er ihre eigenen Ziele verfolgten.
Die Laute kamen näher. Erfolglos suchte er
nach einem Versteck. Bud ging zurück ins Wasser. Von da aus konnte er unbemerkt
feststellen, wie groß die Bedrohung war.
Er wählte einen Bereich abseits der
Treppe, der im Schatten lag, und hielt nur den Kopf über Wasser. Dann wartete
er ab.
***
Nevelle
"Da kommen noch mehr“, Rattenfänger
holte sich sein Messer zurück. "Viel Zeit bleibt uns nicht. Wenn einmal
Alarm ausgelöst ist, wird sehr bald Verstärkung eintreffen."
Nevelle übernahm die Initiative.
"Zuerst sollten die toten Wachen verschwinden. Am besten übernimmt der
Fluss dieser Aufgabe. Ich schlage vor, wir folgen Bud, bevor ihre Kameraden
auftauchen. Wir brauchen nur der Leine entlang zu schwimmen."
"Ins Wasser“, Hillgrimm behagte der
Gedanke an einen Tauchgang gar nicht. "Vielleicht gibt es eine andere
Lösung."
"Bessere Vorschläge werden gerne
angenommen." Rattenfänger nahm ihren Beutel und überprüfte das Seil.
"Es ist fest angebunden. Er hat es also geschafft. Lasst uns schnell
machen."
"Jetzt gilt es nur noch zu bestimmen,
in welcher Reihenfolge wir ihm folgen", meinte Nevelle.
"Ich gehe auf keinen Fall als
Letzter", Hillgrimm hob seine Streitaxt. "Dieser Elfenbrut ist
zuzutrauen, dass sie das Tau kappt, um mich loszuwerden."
Rattenfänger versuchte zu schlichten.
"Also gut. Was schlägst du vor? Aber mach schnell."
"Die Elfe zu erst. Danach ich. Du
zuletzt."
"Wieso?"
"Du hast die Karte. Wenn sie das Seil
abschneidet, geht mit dir der Plan verloren."
"Klingt vernünftig."
***
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