Das Elfenhorn (Flucht) -15-

Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.

Nur gemeinsam schaffen es unsere Helden, sich aus der Falle zu befreien. Einer ist auf den Anderen angewiesen, wenn sie der Fallgrube entkommen wollen. Die menschliche Pyramide ist ein gutes Fallbeispiel dafür, wie die Wertigkeit der einzelnen Charaktere sich darstellt.

Wider einmal ist es der legendäre Zwergengroll, der Hillgrimm an dem gemeinsamen Ziel zweifleln lässt.

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Und nun viel Spaß


Rattenfänger


Bud schaute sich ebenfalls ratlos um. Auch er konnte sich das plötzliche Verschwinden ihrer Gefährten nicht erklären. Vorsichtig stocherte er mit der Harpune auf dem Boden herum. Schließlich fand er die verborgene Klappe.

"Hier ist eine Falle versteckt. Kaum zu sehen. Da wird es die Beiden erwischt haben."

Rattenfänger blickte nervös nach hinten. Die Wachen kamen immer näher, zu zweit hatten sie keine Chance zu entkommen. Es gab nur einen einzigen Ausweg.

"Bind ein Tau so fest, dass wir herunterklettern können", forderte er Bud auf.

Der Harpunier hielt die Falltür mit seiner Waffe offen. Er schätze die Entfernung nach unten "Ohne Seil wird es ein harter Fall. Du bist dir sicher, dass es dort einen Ausgang gibt. Das erinnert mich sehr an ein Verlies."

"Was glaubst du, wie hoch unsere Chancen gegen die Wachen sind. Der Abstieg ist die letzte Gelegenheit zu überleben. Dann sehen wir weiter."

Bud rammte sein Entermesser tief in eine Wandfuge und prüfte ihren Sitz. "Das könnte halten. Aber garantieren kann es niemand." Er knüpfte die Mitte eines Taus an den Messergriff. Ein Ende behielt er in der Hand, das andere Teilstück übergab er seinem Freund.

"Nimm dieses Stück und klettere runter. Jemand muss so lange hier oben aufpassen, bis du unten angekommen bist. Gib mir Bescheid, und ich folge nach."

Rattenfänger zögerte einen Moment. "Komm so schnell du kannst. Die Wachen sind schon zu nah." Die Abenteurer tauschten einen kurzen Blick, der Rattentöter nahm das Tau und stieg hinab.

Er hatte nicht einmal die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als ihm Bud bereits folgte. Um das Seil zu entlasten, sprang er ab, sobald er glaubte, einen Sprung riskieren zu können. Er federte seinen Sturz geschickt ab und machte sofort Platz, falls der Harpunier ebenfalls springen musste. Keine Sekunde zu früh, denn auch sein Freund hatte sich dafür entschieden, den Strick vorzeitig los zulassen. Sein Aufprall war nicht so elegant, er konnte aber problemlos aufstehen. In der Hand hielt er die beiden Endstücke des Taus. Er zog an einem Stück und die komplette Leine löste sich und fiel von oben hinab. Routiniert fing Bud es auf und steckte es zurück in ihren Beutel.

"Ein Elfenseil. Es gibt es also doch." Hillgrimm staunte mit offenem Mund.

"Unsinn", meinte der Harpunier. "Ein Seefahrerknoten. Das eine Ende zieht den Knoten fest, das andere öffnet den Knoten. Elfenseil! Was für ein Schwachsinn."

"Seid still!" Nevelle trat unter die Falltür und lauschte. Mittlerweile hatten die Wachen sie erreicht. Ihre Schritte verstummten, aber ihre höhnischen Schmährufe waren deutlich zu verstehen. Schließlich befahl eine befehlsgewohnte Stimme, den Tempelwachen zu schweigen. Der Zwerg und die Elfin erkannten ihren Besitzer sofort: "Shadek!"

Die Gefährten hörten, wie der Oberpriester seine Leute anwies, ihn alleine zu lassen. Dann öffnete er die Klappe ein Stück und rief hinunter: "Einen schönen Ort habt ihr euch zum Sterben ausgesucht. Meine Wachen beschrieben einen Zwerg und einen Elfen. Also werden sich wohl Nevelle und Hillgrimm da unten befinden. Und wenn die Waldelfin da ist, sind auch ihre Komplizen Bud und Rattenfänger nicht weit."

"Du wolltest doch das Horn haben. Wie willst du es ohne uns bekommen?"

"Ich kann es kaum glauben. Dass zwei verfeindete Völker gemeinsam meinen Tempelschatz plündern wollen. Und ausgerechnet das Elfenhorn. Keine Sorge. Morgen früh wird das heilige Symbol fehlen. Gleichzeitig sind die vier größten Diebe des Hafenviertels ebenfalls verschwunden. Zusammen mit dem Gold meines Tempels. Welche Schlussfolgerung wird man daraus ziehen. Was denkt ihr? Es lässt lediglich einen Schluss zu, nämlich, dass ihr es gestohlen und damit die Stadt verlassen habt. Und finden wird euch niemand in diesem Loch."

Hillgrimm platzte der Kragen. "Shadek, du Schwein. Dir ging es nie um das Horn. Du brauchtest nur Sündenböcke für deine eigenen Ziele."

"So viel Hirn in einem kleinen Kopf." Der Oberpriester lachte sie aus. "Ihr müsst wissen, einige meiner Unternehmen machten es erforderlich, den Schatz ein wenig zu verkleinern. Ach was. Ich will offen sein. Es ist nichts mehr da. Wer es auch immer in die Schatzkammer geschafft hätte, wäre meinen Wachen zum Opfer gefallen. Zugegeben, mein Plan hat nicht vollständig geklappt. Aber dieser Teilerfolg wird genügen."

Shadek wollte die Falltür schließen, doch er schien noch nicht fertig mit seiner Schmähtirade zu sein. "Dieses Loch ist zu tief, um entkommen zu können. Vielleicht überlegt ihr euch schon einmal, wen ihr zuerst aufessen werdet. Ihr seid da unten in bester Gesellschaft. Gut möglich, Hillgrimm, dass du ein paar alte Freunde triffst."

Dann schloss er die Klappe endgültig und entfernte sich.

Dubek


Er erfuhr, dass der Alarm beendet war. Die Wachen kehrten in ihre Quartiere zurück, da Shadek jetzt den dunklen Wächter entließ. Er würde jeden töten, der sich noch in der Unterwelt des Tempels aufhielt. Das bedeutete, dass sich der Oberpriester in seine Zimmer zurückzog. Dort wartete bereits der Attentäter auf sein Opfer. Morgen früh hatte er das Ziel seiner Wünsche erreicht.

Hillgrimm


Bud untersuchte die Haufen aus Menschenknochen, die in den Ecken ihrer Zelle verstreut lagen. "Beim Gott des Meeres, die haben hier unten Kinder gefangen gehalten."

"Wie kommst du darauf?" Nevelle trat neben ihm. Der Harpunier hob einen der Schädel hoch und zeigte ihn ihr: "Schau es dir an! Kleine Köpfe. Höchstens Halbwüchsige."

Die Elfin betrachtete die Knochen: "Du irrst. Dafür sind ihre Kiefer viel zu stark." Ihr kam ein schrecklicher Verdacht: "Ich glaube, da liegen die Gebeine von Zwergen!"

Hillgrimm wurde blass. "Zwerge. Wie sollen Zwerge hier hinkommen?" Er kniete sich neben einem der Haufen und untersuchte die Überreste. Aber das Ergebnis ließ sich nicht leugnen. "Du hast Recht. Das ist ein Zwergengrab."

Sorgfältig nahm er das, was an Kleidung und Ausrüstung der Toten übrig geblieben war, in Augenschein. Besonders aufmerksam studierte er einen Ring, den er von einem Fingerknochen abzog. Er konnte die verblassten Runen auf dem Schmuckstück kaum erkennen, doch die Zeichen erinnerten ihn an eine Legende, die in seinem Volk erzählt wurde.

"Vor vielen Jahren verschwanden ein Bruder meines Urgroßvaters und seine Söhne. Ihr Auftrag lautete, hier einen Tempel zu bauen. Zu dieser Zeit reisten wir noch und errichteten überall große Burgen, Kirchen, ja ganze Städte. Danach sind sie angeblich mit einem Schiff zurückgefahren."

Rattenfänger erinnerte sich. "Man munkelte schon immer, dass dieses Labyrinth unter dem Heiligtum einst von Zwergen gebaut worden ist. Wenn die Priesterschaft sich damals so verhielt, wie Shadek heute, dann haben die Priester deine Leute um den Lohn geprellt"

"Und an diesem Ort verrotten lassen." ergänzte Nevelle.

"Und das Gerücht verbreitet, die Baumeister wären per Schiff zurückgefahren." vervollständigte Bud.

Hillgrimm fasste seine Streitaxt fester. "Dafür werden sie bezahlen." Dann schüttelte er seinen Kopf. "Dass es mir nicht gleich eingefallen ist. Als wir durch die Gänge flüchteten, erinnerte mich das System an Zwergenwerk. Die Art die Steine zu setzen, die Abläufe der Kreuzungen und Abzweige. Das Labyrinth folgt einem alten Zwergenmuster. Aber in der Hektik der Flucht habe ich es übersehen." Er setzte sich hin und schlug die Hände vors Gesicht. Leise weinte er um seinen verratenen Verwandten.

Rattenfänger betrachtete ihn eine Weile voller Mitleid. Um sich abzulenken, nahm er eine Fackel und untersuchte die Wände ihres Gefängnisses. In ihrem trüben Licht erkannte er unbekannte Zeichen. Er rief den Zwerg: "Das sind Zwergenrunen. Deine Vorfahren hinterließen eine Nachricht. Du musst sie dir ansehen!"

Hillgrimm kam näher und prüfte die kaum noch erkennbaren Runen. "Mein Onkel beschreibt in allen Einzelheiten das abgekartete Spiel der Priester. Es lief genauso ab, wie wir es vermutet haben. Er starb als Letzter. Am Schluss steht die Bitte, ihn und seine Söhne zu rächen."

"Wäre nicht schlecht, wenn er zu diesem Zweck aufgeschrieben hätte, auf welchem Weg man wieder aus dem Loch herauskommt", meinte Bud. "Gerade verbrennt unsere vorletzte Fackel."

Der Zwerg zeichnete mit seinem Zeigefinger einzelne schwer erkennbare Runen nach. "Das hat er. Hier kratzte er einen vollständigen Plan in die Wand, der auch in die Schatzkammer und zum Ausgang führt."

Der Rattenfänger schaute sich die Linien an. "Nur jemand vom Zwergenvolk kann daraus schlau werden. Stellt sich die Frage, warum er nicht geflohen ist."

Nevelle zeigte zur Falltür. "Vermutlich ist die Decke zu hoch gewesen." Die Elfin hatte eine Idee. "Das ist es. Zu hoch für Zwerge! Mit vier Leuten könnten wir es schaffen. Einer klettert auf die Schultern des Anderen. Der oberste in der Pyramide nimmt die Harpune. Daran befestigt Bud vorher ein Seil. Die Waffe ist lang genug, um sie quer über die Öffnung zu legen. Ist das geschafft, arbeitet sich jeder an dem Strick nach oben."

Nach kurzer Beratung beschlossen die Gefangenen, dass sich der Harpunier als kräftigster Abenteurer zuunterst hinstellen würde. Darauf folgte Rattenfänger, dann die Elfin. Hillgrimm sollte zum Schluss die Spitze einnehmen. Die Gefährten hofften, dass alle zusammen die Decke erreichten.

Zunächst riss Nevelle einen Beutel in Streifen, um Buds Oberkörper damit fest einzuwickeln. Der Seefahrer litt noch unter dem Sturz, vermutlich hatte er die eine oder andere Rippe gebrochen. Auf ihn lastete die schwerste Last. In der Zeit untersuchte der Zwerg die Überreste seiner getöteten Verwandten und beschloss, den Ring seines Onkels mitzunehmen. "Seine Familie braucht Gewissheit. Ich werde eine Menge Schwierigkeiten bekommen, aber sie sollen endlich die Wahrheit erfahren."

Nachdem der Harpunier straff verbunden war, nahm er seinen Platz unterhalb der Falltür ein. Dann kletterte der Rattentöter hinauf, anschließend folgte ihm Nevelle. Der Seefahrer stöhnte unter der Last. Seine Verletzungen behinderten ihn, doch noch stand die menschliche Pyramide fest und sicher.

Bevor er sich auf den Weg machte, gab Hillgrimm die Harpune nach oben weiter. Der Aufstieg über die Beine und Schultern seiner Gefährten verlangte eine Menge Geschicklichkeit. Die Gefahr, jemand dabei mit der Spitze oder dem kräftigen Widerhaken der Waffe zu verwunden, war erheblich. Als die Waldelfin sie hielt, begann er hochzuklettern.

Bud verschränkte die Handflächen, in die der Zwerg wie in einer Stufe hinein trat. Die Kraft des Harpuniers reichte aus, um ihn dann bis in Augenhöhe hochzustemmen.

Rattenfänger konnte ihm allerdings lediglich eine Hand reichen. Seine Schultern boten Nevelle nur wenig Platz. Deshalb benötigte er die Andere, um seine Freundin am Fußgelenk festzuhalten. Hillgrim kämpfte sich weiter aufwärts, rutschte ab, gab aber nicht auf. Bei seinen Versuchen, einen sicheren Halt zu finden, traf er dem Rattentöter ins Gesicht, was der mit unfreundlichen Worten kommentierte. Die Pyramide schwankte einige Male bedrohlich, doch Buds Kräfte reichten aus, sie zu stabilisieren.

Zum Schluss musste der Zwerg mehrere Anläufe nehmen, um endlich über die Schultern der Waldelfin an die Spitze zu gelangen. Auch Nevelle bekam dabei den einen oder anderen Tritt ab. Am Ende ihrer menschlichen Leiter angekommen verschnaufte er, bis alle wieder ihr Gleichgewicht gefunden hatten. Dann übernahm er die Harpune und stieß die Waffe nach oben. Zu seinem Schrecken stellte er fest, dass die Decke zu hoch war.

"Uns fehlt ein guter Meter. Ich bekomme die Falltür nicht komplett aufgestoßen. Nur einen Spalt und nicht so weit, dass man deinen Spieß quer darüber legen kann."

Bud konnte diese Beleidigung seiner Lieblingswaffe nicht hinnehmen. "Das ist kein Spieß! Schau mal auf die Spitze. Dort findest du etwas, was die Welt einen Widerhaken nennt. Hast du sie!"

"Na klar!"

"Das ist eine Harpune, merk dir dieses Wort, Zwerg. Stoß die Harpune soweit senkrecht hoch, dass du den Haken zwischen der Klappe und der Falltürkante festklemmen kannst."

"Das klappt gerade so."

"Jetzt zieh dran, ob der Widerhaken sicher eingeklemmt ist!"

"Hält!"

"Zieh noch mal. Fester!"

"Hält immer noch."

"Fein. Dann wünsch ich dir viel Glück. Denn du angelst dich an dem Seil, das an der Harpune festgebunden ist, nach oben. Bete zu deinen Zwergengöttern, dass der Haken festsitzt."

Hillgrimm hatte keine andere Wahl. Wollte er in der Zelle nicht das gleiche Schicksal erleiden, wie sein Onkel, musste er das Risiko eingehen. Er schloss die Augen, packte das Tau mit beiden Händen und sprang.

Shadek


Der Wachhabende meldete, dass sich alle Wachen in ihren Quartieren befanden. Jetzt konnte der Oberpriester den Dämon aus seinem Gefängnis entlassen. Das Wesen verließ sich allein auf seine unheimlichen Sinne. Es würde jeden Eindringling jagen und töten, denn es benötigte die Seelen seiner Opfer, um weiter existieren zu können. Von Zeit zu Zeit opferte der Tempel Sklaven oder verurteilte Verbrecher, um seinen Appetit zu stillen. Aber nicht zu häufig, damit seine Jagdlust nicht erlosch.

Er überprüfte, ob sich der Anhänger, der ihm die Macht über seinen dunklen Wächter verlieh, noch unter seinem Seidenhemd hing. Allein dieses Medaillon schützte ihn vor dem Hunger seines Verbündeten.

Dann stieg er die glatten Steinstufen am Eingang zu den Katakomben hinab und erreichte einen Bereich, den nur er betreten durfte. Schwere Riegel versperrten die Holztür, hinter der der Dämon lauerte. Aber nicht die Tür hielt das Ungeheuer eingesperrt, sondern die geheimen Zeichen, die er davor gemalt hatte. Er zerstörte die Linien und öffnete das Portal. Sofort kroch der Gefangene heraus und begann seine hungrige Jagd. Niemand konnte es jetzt aufhalten.

Hillgrimm


Das Seil streckte sich, der Haken rutschte eine kurze Strecke an der Falltürkante entlang, aber er hielt. Aus den Augenwinkeln bemerkte der Zwerg, dass seine Gefährten ihre menschliche Leiter aufgelöst hatten. Sie warteten mit angespanntem Atem, ob der Widerhaken sich löste. Vorsichtig zog er sich langsam nach oben, bemüht, das Tau so ruhig wie möglich zu halten. Sollte an der Klappe noch eine Wache warten, wäre jetzt der beste Moment, einzugreifen. Ein Tritt oder Stoß gegen die Spitze der Harpune würde die Waffe abrutschen lassen. Ein Sturz in dieser Höhe könnte ihn töten, bestenfalls schwer verletzen.

Kurz bevor er die Falltür erreichte, lauschte er. Doch Shadek schien keinen Wächter zurückgelassen zu haben. Er fand einem Griff für seine Hand im Spalt zwischen Widerhaken und Steinkante, dann drückte er die Holzklappe mit seinem Kopf nach oben. Schließlich reichte die Lücke aus, um sich hindurchzuzwängen. Als er wohlbehalten auf dem Steinboden der Kammer lag, schöpfte er erst einmal Atem. Sie hatten abgesprochen, dass er das Seil ausreichend fixieren würde, damit seine Gefährten ebenfalls hinaufkletterten. Danach wollten alle gemeinsam den Weg in die Schatzkammer suchen, wo das Elfenhorn wartete.

Elfenhorn! Es sollte eigentlich Zwergenhorn heißen. Wieder kam die alte Wut in Hillgrimm hoch. Er betrachtete die Harpune, die immer noch zwischen der Türklappe und Rand der Falltür fest hing. Unten harrten die Anderen darauf, dass sie genau wie er die Zelle verlassen konnten. Ein leichter Stoß von ihm reichte aus, damit die Waffe hinunter fiele. Dann würde das Horn seinem Volk gehören. Und nicht den Elfen.

Er öffnete die Klappe und sah seine Gefährten, die zur Decke hinaufschauten. Als der Zwerg die Elfin erblickte, übermannte ihn sein Jähzorn.

"Ohne deine Hinterlist wäre ich längst in der Schatzkammer. Die Karte hätte mich zum Elfenhorn geführt, dass ihr einst gestohlen habt. Aber du hast mich betäubt, um es erneut zu stehlen."

Nevelle senkte ihren Kopf, dann zog sich die Waldelfin an den Rand des Verlieses zurück, wo er sie nicht mehr sehen konnte. An ihre Stelle trat Bud, der vor Wut die Fäuste ballte.

"Hillgrimm. Dein Verstand ist so kurz wie deine Beine. Bist du sicher, dass du alleine bis hierhergekommen wärst."

"Lass gut sein. Ich besäße noch die Karte, die der Rattentöter im Wasser verloren hat. Ein kleiner Spaziergang durch das Labyrinth, und der Schatz hätte mir gehört. Mir allein!"

"Denk nach! Der Plan war eine Falle. Du standst hier unten, als Shadek uns verhöhnte."

Rattenfänger schob seinen Freund beiseite.

"Du nennst Nevelle einen Verräter. Was bist du denn Besseres. Du lässt deine Waffenbrüder im Stich. Dein Onkel, dessen Knochen in dieser Zelle liegen und dessen Ring du zurückbringen willst, würde sich für dich schämen."

"Du hast Recht", ein Teil seines Zorns verrauchte. Dann rief Hillgrimm nach unten: "Du kannst hinauf. Zusammen mit Bud. Aber diese Verräterin bleibt da!"

"Du verstehst es nicht. Nevelle und wir sind Freunde. Waffenbrüder. Einer steht für den anderen ein. Ich erwarte nur, dass du dich ebenfalls so verhältst. Es stimmt, sie hat versucht, dich zu überlisten, um selber das Horn zu besitzen. Die gleiche Gier hat auch dich erfasst. Sonst würdest du keine Gefährten im Stich lassen."

"Ich schulde dieser Verräterin nichts!"

"Wer denkst du, hat dich aus der Kloake herausgezogen. Nevelle ist so lange nach dir getaucht, dass wir sie bewusstlos herausziehen mussten."

"Du lügst!"

"Dann geh. Wir verzichten auf deine Hilfe. Uns wird etwas einfallen. Jahrelang haben wir keinen Zwerg gebraucht, um zu überleben. Es wird auch weiterhin funktionieren."

Hillgrimm nahm die Harpune und zog sie mit dem Seil zu sich heran. Dass er einer Elfin sein Leben verdankte, nagte an seinem Selbstbewusstsein.

Wenn es stimmte, dass seine Konkurrentin ihn vorm Ertrinken gerettet hatte, war er ihr etwas schuldig.

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