Nur gemeinsam schaffen es unsere Helden, sich aus der Falle zu befreien. Einer ist auf den Anderen angewiesen, wenn sie der Fallgrube entkommen wollen. Die menschliche Pyramide ist ein gutes Fallbeispiel dafür, wie die Wertigkeit der einzelnen Charaktere sich darstellt.
Wider einmal ist es der legendäre Zwergengroll, der Hillgrimm an dem gemeinsamen Ziel zweifleln lässt.
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Und nun viel Spaß
Rattenfänger
Bud
schaute sich ebenfalls ratlos um. Auch er konnte sich das plötzliche
Verschwinden ihrer Gefährten nicht erklären. Vorsichtig stocherte er mit der
Harpune auf dem Boden herum. Schließlich fand er die verborgene Klappe.
"Hier
ist eine Falle versteckt. Kaum zu sehen. Da wird es die Beiden erwischt
haben."
Rattenfänger
blickte nervös nach hinten. Die Wachen kamen immer näher, zu zweit hatten sie
keine Chance zu entkommen. Es gab nur einen einzigen Ausweg.
"Bind
ein Tau so fest, dass wir herunterklettern können", forderte er Bud auf.
Der
Harpunier hielt die Falltür mit seiner Waffe offen. Er schätze die Entfernung
nach unten "Ohne Seil wird es ein harter Fall. Du bist dir sicher, dass es
dort einen Ausgang gibt. Das erinnert mich sehr an ein Verlies."
"Was
glaubst du, wie hoch unsere Chancen gegen die Wachen sind. Der Abstieg ist die
letzte Gelegenheit zu überleben. Dann sehen wir weiter."
Bud
rammte sein Entermesser tief in eine Wandfuge und prüfte ihren Sitz. "Das
könnte halten. Aber garantieren kann es niemand." Er knüpfte die Mitte
eines Taus an den Messergriff. Ein Ende behielt er in der Hand, das andere
Teilstück übergab er seinem Freund.
"Nimm
dieses Stück und klettere runter. Jemand muss so lange hier oben aufpassen, bis
du unten angekommen bist. Gib mir Bescheid, und ich folge nach."
Rattenfänger
zögerte einen Moment. "Komm so schnell du kannst. Die Wachen sind schon zu
nah." Die Abenteurer tauschten einen kurzen Blick, der Rattentöter nahm
das Tau und stieg hinab.
Er
hatte nicht einmal die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als ihm Bud bereits
folgte. Um das Seil zu entlasten, sprang er ab, sobald er glaubte, einen Sprung
riskieren zu können. Er federte seinen Sturz geschickt ab und machte sofort
Platz, falls der Harpunier ebenfalls springen musste. Keine Sekunde zu früh,
denn auch sein Freund hatte sich dafür entschieden, den Strick vorzeitig los
zulassen. Sein Aufprall war nicht so elegant, er konnte aber problemlos
aufstehen. In der Hand hielt er die beiden Endstücke des Taus. Er zog an einem
Stück und die komplette Leine löste sich und fiel von oben hinab. Routiniert
fing Bud es auf und steckte es zurück in ihren Beutel.
"Ein
Elfenseil. Es gibt es also doch." Hillgrimm staunte mit offenem Mund.
"Unsinn",
meinte der Harpunier. "Ein Seefahrerknoten. Das eine Ende zieht den Knoten
fest, das andere öffnet den Knoten. Elfenseil! Was für ein Schwachsinn."
"Seid
still!" Nevelle trat unter die Falltür und lauschte. Mittlerweile hatten
die Wachen sie erreicht. Ihre Schritte verstummten, aber ihre höhnischen
Schmährufe waren deutlich zu verstehen. Schließlich befahl eine befehlsgewohnte
Stimme, den Tempelwachen zu schweigen. Der Zwerg und die Elfin erkannten ihren
Besitzer sofort: "Shadek!"
Die
Gefährten hörten, wie der Oberpriester seine Leute anwies, ihn alleine zu
lassen. Dann öffnete er die Klappe ein Stück und rief hinunter: "Einen
schönen Ort habt ihr euch zum Sterben ausgesucht. Meine Wachen beschrieben
einen Zwerg und einen Elfen. Also werden sich wohl Nevelle und Hillgrimm da
unten befinden. Und wenn die Waldelfin da ist, sind auch ihre Komplizen Bud und
Rattenfänger nicht weit."
"Du
wolltest doch das Horn haben. Wie willst du es ohne uns bekommen?"
"Ich
kann es kaum glauben. Dass zwei verfeindete Völker gemeinsam meinen
Tempelschatz plündern wollen. Und ausgerechnet das Elfenhorn. Keine Sorge.
Morgen früh wird das heilige Symbol fehlen. Gleichzeitig sind die vier größten
Diebe des Hafenviertels ebenfalls verschwunden. Zusammen mit dem Gold meines
Tempels. Welche Schlussfolgerung wird man daraus ziehen. Was denkt ihr? Es
lässt lediglich einen Schluss zu, nämlich, dass ihr es gestohlen und damit die
Stadt verlassen habt. Und finden wird euch niemand in diesem Loch."
Hillgrimm
platzte der Kragen. "Shadek, du Schwein. Dir ging es nie um das Horn. Du
brauchtest nur Sündenböcke für deine eigenen Ziele."
"So
viel Hirn in einem kleinen Kopf." Der Oberpriester lachte sie aus.
"Ihr müsst wissen, einige meiner Unternehmen machten es erforderlich, den
Schatz ein wenig zu verkleinern. Ach was. Ich will offen sein. Es ist nichts
mehr da. Wer es auch immer in die Schatzkammer geschafft hätte, wäre meinen
Wachen zum Opfer gefallen. Zugegeben, mein Plan hat nicht vollständig geklappt.
Aber dieser Teilerfolg wird genügen."
Shadek
wollte die Falltür schließen, doch er schien noch nicht fertig mit seiner
Schmähtirade zu sein. "Dieses Loch ist zu tief, um entkommen zu können.
Vielleicht überlegt ihr euch schon einmal, wen ihr zuerst aufessen werdet. Ihr seid
da unten in bester Gesellschaft. Gut möglich, Hillgrimm, dass du ein paar alte
Freunde triffst."
Dann
schloss er die Klappe endgültig und entfernte sich.
Dubek
Er
erfuhr, dass der Alarm beendet war. Die Wachen kehrten in ihre Quartiere
zurück, da Shadek jetzt den dunklen Wächter entließ. Er würde jeden töten, der
sich noch in der Unterwelt des Tempels aufhielt. Das bedeutete, dass sich der
Oberpriester in seine Zimmer zurückzog. Dort wartete bereits der Attentäter auf
sein Opfer. Morgen früh hatte er das Ziel seiner Wünsche erreicht.
Hillgrimm
Bud
untersuchte die Haufen aus Menschenknochen, die in den Ecken ihrer Zelle
verstreut lagen. "Beim Gott des Meeres, die haben hier unten Kinder
gefangen gehalten."
"Wie
kommst du darauf?" Nevelle trat neben ihm. Der Harpunier hob einen der
Schädel hoch und zeigte ihn ihr: "Schau es dir an! Kleine Köpfe. Höchstens
Halbwüchsige."
Die
Elfin betrachtete die Knochen: "Du irrst. Dafür sind ihre Kiefer viel zu
stark." Ihr kam ein schrecklicher Verdacht: "Ich glaube, da liegen
die Gebeine von Zwergen!"
Hillgrimm
wurde blass. "Zwerge. Wie sollen Zwerge hier hinkommen?" Er kniete
sich neben einem der Haufen und untersuchte die Überreste. Aber das Ergebnis
ließ sich nicht leugnen. "Du hast Recht. Das ist ein Zwergengrab."
Sorgfältig
nahm er das, was an Kleidung und Ausrüstung der Toten übrig geblieben war, in
Augenschein. Besonders aufmerksam studierte er einen Ring, den er von einem
Fingerknochen abzog. Er konnte die verblassten Runen auf dem Schmuckstück kaum
erkennen, doch die Zeichen erinnerten ihn an eine Legende, die in seinem Volk
erzählt wurde.
"Vor
vielen Jahren verschwanden ein Bruder meines Urgroßvaters und seine Söhne. Ihr
Auftrag lautete, hier einen Tempel zu bauen. Zu dieser Zeit reisten wir noch
und errichteten überall große Burgen, Kirchen, ja ganze Städte. Danach sind sie
angeblich mit einem Schiff zurückgefahren."
Rattenfänger
erinnerte sich. "Man munkelte schon immer, dass dieses Labyrinth unter dem
Heiligtum einst von Zwergen gebaut worden ist. Wenn die Priesterschaft sich
damals so verhielt, wie Shadek heute, dann haben die Priester deine Leute um
den Lohn geprellt"
"Und
an diesem Ort verrotten lassen." ergänzte Nevelle.
"Und
das Gerücht verbreitet, die Baumeister wären per Schiff zurückgefahren."
vervollständigte Bud.
Hillgrimm
fasste seine Streitaxt fester. "Dafür werden sie bezahlen." Dann
schüttelte er seinen Kopf. "Dass es mir nicht gleich eingefallen ist. Als
wir durch die Gänge flüchteten, erinnerte mich das System an Zwergenwerk. Die
Art die Steine zu setzen, die Abläufe der Kreuzungen und Abzweige. Das
Labyrinth folgt einem alten Zwergenmuster. Aber in der Hektik der Flucht habe
ich es übersehen." Er setzte sich hin und schlug die Hände vors Gesicht.
Leise weinte er um seinen verratenen Verwandten.
Rattenfänger
betrachtete ihn eine Weile voller Mitleid. Um sich abzulenken, nahm er eine
Fackel und untersuchte die Wände ihres Gefängnisses. In ihrem trüben Licht
erkannte er unbekannte Zeichen. Er rief den Zwerg: "Das sind Zwergenrunen.
Deine Vorfahren hinterließen eine Nachricht. Du musst sie dir ansehen!"
Hillgrimm
kam näher und prüfte die kaum noch erkennbaren Runen. "Mein Onkel
beschreibt in allen Einzelheiten das abgekartete Spiel der Priester. Es lief
genauso ab, wie wir es vermutet haben. Er starb als Letzter. Am Schluss steht
die Bitte, ihn und seine Söhne zu rächen."
"Wäre
nicht schlecht, wenn er zu diesem Zweck aufgeschrieben hätte, auf welchem Weg
man wieder aus dem Loch herauskommt", meinte Bud. "Gerade verbrennt
unsere vorletzte Fackel."
Der
Zwerg zeichnete mit seinem Zeigefinger einzelne schwer erkennbare Runen nach.
"Das hat er. Hier kratzte er einen vollständigen Plan in die Wand, der
auch in die Schatzkammer und zum Ausgang führt."
Der
Rattenfänger schaute sich die Linien an. "Nur jemand vom Zwergenvolk kann
daraus schlau werden. Stellt sich die Frage, warum er nicht geflohen ist."
Nevelle
zeigte zur Falltür. "Vermutlich ist die Decke zu hoch gewesen." Die
Elfin hatte eine Idee. "Das ist es. Zu hoch für Zwerge! Mit vier Leuten
könnten wir es schaffen. Einer klettert auf die Schultern des Anderen. Der
oberste in der Pyramide nimmt die Harpune. Daran befestigt Bud vorher ein Seil.
Die Waffe ist lang genug, um sie quer über die Öffnung zu legen. Ist das
geschafft, arbeitet sich jeder an dem Strick nach oben."
Nach
kurzer Beratung beschlossen die Gefangenen, dass sich der Harpunier als
kräftigster Abenteurer zuunterst hinstellen würde. Darauf folgte Rattenfänger,
dann die Elfin. Hillgrimm sollte zum Schluss die Spitze einnehmen. Die
Gefährten hofften, dass alle zusammen die Decke erreichten.
Zunächst
riss Nevelle einen Beutel in Streifen, um Buds Oberkörper damit fest
einzuwickeln. Der Seefahrer litt noch unter dem Sturz, vermutlich hatte er die
eine oder andere Rippe gebrochen. Auf ihn lastete die schwerste Last. In der
Zeit untersuchte der Zwerg die Überreste seiner getöteten Verwandten und beschloss,
den Ring seines Onkels mitzunehmen. "Seine Familie braucht Gewissheit. Ich
werde eine Menge Schwierigkeiten bekommen, aber sie sollen endlich die Wahrheit
erfahren."
Nachdem
der Harpunier straff verbunden war, nahm er seinen Platz unterhalb der Falltür
ein. Dann kletterte der Rattentöter hinauf, anschließend folgte ihm Nevelle.
Der Seefahrer stöhnte unter der Last. Seine Verletzungen behinderten ihn, doch
noch stand die menschliche Pyramide fest und sicher.
Bevor
er sich auf den Weg machte, gab Hillgrimm die Harpune nach oben weiter. Der
Aufstieg über die Beine und Schultern seiner Gefährten verlangte eine Menge
Geschicklichkeit. Die Gefahr, jemand dabei mit der Spitze oder dem kräftigen
Widerhaken der Waffe zu verwunden, war erheblich. Als die Waldelfin sie hielt,
begann er hochzuklettern.
Bud
verschränkte die Handflächen, in die der Zwerg wie in einer Stufe hinein trat.
Die Kraft des Harpuniers reichte aus, um ihn dann bis in Augenhöhe
hochzustemmen.
Rattenfänger
konnte ihm allerdings lediglich eine Hand reichen. Seine Schultern boten
Nevelle nur wenig Platz. Deshalb benötigte er die Andere, um seine Freundin am
Fußgelenk festzuhalten. Hillgrim kämpfte sich weiter aufwärts, rutschte ab, gab
aber nicht auf. Bei seinen Versuchen, einen sicheren Halt zu finden, traf er
dem Rattentöter ins Gesicht, was der mit unfreundlichen Worten kommentierte.
Die Pyramide schwankte einige Male bedrohlich, doch Buds Kräfte reichten aus,
sie zu stabilisieren.
Zum
Schluss musste der Zwerg mehrere Anläufe nehmen, um endlich über die Schultern
der Waldelfin an die Spitze zu gelangen. Auch Nevelle bekam dabei den einen
oder anderen Tritt ab. Am Ende ihrer menschlichen Leiter angekommen verschnaufte
er, bis alle wieder ihr Gleichgewicht gefunden hatten. Dann übernahm er die
Harpune und stieß die Waffe nach oben. Zu seinem Schrecken stellte er fest,
dass die Decke zu hoch war.
"Uns
fehlt ein guter Meter. Ich bekomme die Falltür nicht komplett aufgestoßen. Nur
einen Spalt und nicht so weit, dass man deinen Spieß quer darüber legen
kann."
Bud
konnte diese Beleidigung seiner Lieblingswaffe nicht hinnehmen. "Das ist
kein Spieß! Schau mal auf die Spitze. Dort findest du etwas, was die Welt einen
Widerhaken nennt. Hast du sie!"
"Na
klar!"
"Das
ist eine Harpune, merk dir dieses Wort, Zwerg. Stoß die Harpune soweit
senkrecht hoch, dass du den Haken zwischen der Klappe und der Falltürkante
festklemmen kannst."
"Das
klappt gerade so."
"Jetzt
zieh dran, ob der Widerhaken sicher eingeklemmt ist!"
"Hält!"
"Zieh
noch mal. Fester!"
"Hält
immer noch."
"Fein.
Dann wünsch ich dir viel Glück. Denn du angelst dich an dem Seil, das an der
Harpune festgebunden ist, nach oben. Bete zu deinen Zwergengöttern, dass der
Haken festsitzt."
Hillgrimm
hatte keine andere Wahl. Wollte er in der Zelle nicht das gleiche Schicksal
erleiden, wie sein Onkel, musste er das Risiko eingehen. Er schloss die Augen,
packte das Tau mit beiden Händen und sprang.
Shadek
Der
Wachhabende meldete, dass sich alle Wachen in ihren Quartieren befanden. Jetzt
konnte der Oberpriester den Dämon aus seinem Gefängnis entlassen. Das Wesen
verließ sich allein auf seine unheimlichen Sinne. Es würde jeden Eindringling
jagen und töten, denn es benötigte die Seelen seiner Opfer, um weiter
existieren zu können. Von Zeit zu Zeit opferte der Tempel Sklaven oder
verurteilte Verbrecher, um seinen Appetit zu stillen. Aber nicht zu häufig,
damit seine Jagdlust nicht erlosch.
Er
überprüfte, ob sich der Anhänger, der ihm die Macht über seinen dunklen Wächter
verlieh, noch unter seinem Seidenhemd hing. Allein dieses Medaillon schützte
ihn vor dem Hunger seines Verbündeten.
Dann
stieg er die glatten Steinstufen am Eingang zu den Katakomben hinab und erreichte
einen Bereich, den nur er betreten durfte. Schwere Riegel versperrten die
Holztür, hinter der der Dämon lauerte. Aber nicht die Tür hielt das Ungeheuer
eingesperrt, sondern die geheimen Zeichen, die er davor gemalt hatte. Er
zerstörte die Linien und öffnete das Portal. Sofort kroch der Gefangene heraus
und begann seine hungrige Jagd. Niemand konnte es jetzt aufhalten.
Hillgrimm
Das
Seil streckte sich, der Haken rutschte eine kurze Strecke an der Falltürkante
entlang, aber er hielt. Aus den Augenwinkeln bemerkte der Zwerg, dass seine
Gefährten ihre menschliche Leiter aufgelöst hatten. Sie warteten mit
angespanntem Atem, ob der Widerhaken sich löste. Vorsichtig zog er sich langsam
nach oben, bemüht, das Tau so ruhig wie möglich zu halten. Sollte an der Klappe
noch eine Wache warten, wäre jetzt der beste Moment, einzugreifen. Ein Tritt
oder Stoß gegen die Spitze der Harpune würde die Waffe abrutschen lassen. Ein
Sturz in dieser Höhe könnte ihn töten, bestenfalls schwer verletzen.
Kurz
bevor er die Falltür erreichte, lauschte er. Doch Shadek schien keinen Wächter
zurückgelassen zu haben. Er fand einem Griff für seine Hand im Spalt zwischen
Widerhaken und Steinkante, dann drückte er die Holzklappe mit seinem Kopf nach
oben. Schließlich reichte die Lücke aus, um sich hindurchzuzwängen. Als er
wohlbehalten auf dem Steinboden der Kammer lag, schöpfte er erst einmal Atem.
Sie hatten abgesprochen, dass er das Seil ausreichend fixieren würde, damit
seine Gefährten ebenfalls hinaufkletterten. Danach wollten alle gemeinsam den
Weg in die Schatzkammer suchen, wo das Elfenhorn wartete.
Elfenhorn!
Es sollte eigentlich Zwergenhorn heißen. Wieder kam die alte Wut in Hillgrimm
hoch. Er betrachtete die Harpune, die immer noch zwischen der Türklappe und
Rand der Falltür fest hing. Unten harrten die Anderen darauf, dass sie genau
wie er die Zelle verlassen konnten. Ein leichter Stoß von ihm reichte aus,
damit die Waffe hinunter fiele. Dann würde das Horn seinem Volk gehören. Und
nicht den Elfen.
Er
öffnete die Klappe und sah seine Gefährten, die zur Decke hinaufschauten. Als
der Zwerg die Elfin erblickte, übermannte ihn sein Jähzorn.
"Ohne
deine Hinterlist wäre ich längst in der Schatzkammer. Die Karte hätte mich zum
Elfenhorn geführt, dass ihr einst gestohlen habt. Aber du hast mich betäubt, um
es erneut zu stehlen."
Nevelle
senkte ihren Kopf, dann zog sich die Waldelfin an den Rand des Verlieses
zurück, wo er sie nicht mehr sehen konnte. An ihre Stelle trat Bud, der vor Wut
die Fäuste ballte.
"Hillgrimm.
Dein Verstand ist so kurz wie deine Beine. Bist du sicher, dass du alleine bis hierhergekommen
wärst."
"Lass
gut sein. Ich besäße noch die Karte, die der Rattentöter im Wasser verloren
hat. Ein kleiner Spaziergang durch das Labyrinth, und der Schatz hätte mir
gehört. Mir allein!"
"Denk
nach! Der Plan war eine Falle. Du standst hier unten, als Shadek uns
verhöhnte."
Rattenfänger
schob seinen Freund beiseite.
"Du
nennst Nevelle einen Verräter. Was bist du denn Besseres. Du lässt deine
Waffenbrüder im Stich. Dein Onkel, dessen Knochen in dieser Zelle liegen und
dessen Ring du zurückbringen willst, würde sich für dich schämen."
"Du
hast Recht", ein Teil seines Zorns verrauchte. Dann rief Hillgrimm nach
unten: "Du kannst hinauf. Zusammen mit Bud. Aber diese Verräterin bleibt
da!"
"Du
verstehst es nicht. Nevelle und wir sind Freunde. Waffenbrüder. Einer steht für
den anderen ein. Ich erwarte nur, dass du dich ebenfalls so verhältst. Es
stimmt, sie hat versucht, dich zu überlisten, um selber das Horn zu besitzen.
Die gleiche Gier hat auch dich erfasst. Sonst würdest du keine Gefährten im
Stich lassen."
"Ich
schulde dieser Verräterin nichts!"
"Wer
denkst du, hat dich aus der Kloake herausgezogen. Nevelle ist so lange nach dir
getaucht, dass wir sie bewusstlos herausziehen mussten."
"Du
lügst!"
"Dann
geh. Wir verzichten auf deine Hilfe. Uns wird etwas einfallen. Jahrelang haben
wir keinen Zwerg gebraucht, um zu überleben. Es wird auch weiterhin funktionieren."
Hillgrimm
nahm die Harpune und zog sie mit dem Seil zu sich heran. Dass er einer Elfin
sein Leben verdankte, nagte an seinem Selbstbewusstsein.
Wenn es
stimmte, dass seine Konkurrentin ihn vorm Ertrinken gerettet hatte, war er ihr
etwas schuldig.
***
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