Das Elfenhorn: (Die Flucht) -7-

Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.

Nevelle Kampfs gegen ihren brutalen Widersacher geht in eine entscheidende Phase. Ohne Waffen ist sie dem Ungeheuer hilflos ausgeliefert ...

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Und nun viel Spaß!




Nevelle


Mankind besaß weitere Trophäen. In beiden Fäusten trug er die Rümpfe der Leibwächter. Hämisch grinsend warf er die Körperteile zu den Köpfen. Seine Gefangene sollte sehen, dass es keine Beschützer mehr gab. Die Wunden zeigten, dass der Fettkloß seine Opfer mit bloßen Händen geköpft hatte. Die Elfin wagte einen scheuen Blick auf ihre Gürtel. Vielleicht hatte er die Schwerter übersehen. Doch Nevelle wurde enttäuscht. Ihr Kerkermeister verfügte offenbar über genug Schläue, die Waffen im Zellengang zu lassen.

Zwei armselige Tonscherben waren ihre einzigen Hilfsmittel.

Die Waldelfin versuchte ihren Peiniger in Sicherheit zu wiegen. Weiter kniend presste sie ein paar Tränen heraus. Dabei suchten ihre Finger unauffällig unter dem Stroh nach ihren improvisierten Klingen. Der Anfang ihres Plans blieb unverändert. Ihr Gegner musste nah herankommen.

"Du braff. Sonft ...," mit diesen Worten zog der Kerkermeister einen Lumpen aus einem kurzen Stück Rohr an der Wand. Es dauerte nicht lange. Bald erschien der erste Rattenkopf in der Öffnung. Ein schneller Griff und Mangind präsentierte triumphierend seine zappelnde Beute. Sorgfältig stopfte er den Lappen zurück und zeigte der Elfin seinen Fang.

Ihre Suche wurde hektischer. Wo steckten diese Tonscherben? Es war nicht nötig, die Tränen herauszupressen. Je näher ihr Peiniger herankam, desto mehr überwältigte Nevelle die Erinnerung an die Rattenfolter.

Sie konnte diese verdammten Scherben nicht finden.

Seinen Blick immer auf seine erstarrte Gefangene gerichtet, demonstrierte er mit schaukelnden Hüften, was er vorhatte.

"Du braff. Sonft ...!" Dabei zeigte er ihr die Ratte.

Die Waldelfin ergab sich scheinbar in ihr Schicksal. Ihre Suche unter dem Stroh blieb erfolglos.

Mangind behielt dieses widerliche Tier weiter in seinen Wurstfingern. Es versuchte sich zu befreien und schaffte es, in seine Finger zu beißen. Der Kerkermeister schien davon unbeeindruckt. Fröhlich summend präsentierte er den zappelnden Nager wieder und wieder seiner Gefangenen. Wenn die vor Schreck die Arme hob, huschte ein zufriedenes Lächeln über seine Fratze.

Schließlich zerquetschte er die Ratte und warf ihren Kadaver weg. Um die Waldelfin einzuschüchtern, zog er seinen Schurz aus. Hämisch grinsend näherte er sich.

In selben Moment stand Nevelle blitzartig auf. Ihre Hand suchte nach dem abgeschlagenen Kopf eines Leibwächters und hämmerte ihre neue Waffe unter das Kinn ihres Gegners. Als erfahrene Kämpferin wusste die Elfin, dass der Schädel eines Menschen die härtesten Knochen besitzt. Das Ergebnis kam deshalb nicht überraschend.

Mangind wankte wie nach einem Boxhieb, wich einen Schritt zurück, aber er blieb in der Zellentür stehen. Mit seinem massigen Körper blockierte er den Ausgang. Keine Chance, an die Schwerter dahinter zu kommen. Sie wartete, bis er sein Gleichgewicht wieder fand. Solange er schwankte, war es schwer, seine Kinnspitze zu treffen. Im richtigen Moment schlug Nevelle erneut zu.

Auch diesmal zwang der Schlag ihren Gegner weiter in Richtung Zellengang. Doch er versperrte immer noch ihren Fluchtweg. Die Waldelfin brauchte eine bessere Waffe. Ihr fielen die kopflosen Rümpfe der Leibwache ein. Nicht selten trugen die Veteranen, aus denen Ferke seine Leute rekrutierte, Dolche oder Messer in ihren Stiefeln. Das schien einen Versuch wert. Die Elfin warf einen schnellen Seitenblick auf Mangind. Der Fettkloß bot einen schrecklichen Anblick. Die beiden Hiebe hatten sein Kinn zertrümmert. Blut lief über seinen halbnackten Körper. Hass funkelte in seinen Augen. Er hielt sich am Rahmen der Zellentür fest, ihre Zeit wurde knapp.

Sie durchsuchte hastig die Stiefel des ersten Leibwächters. Ohne Erfolg. Weiter zum Zweiten. In diesem Moment schlug ihr Peiniger von hinten zu. Die Wucht seines Schlages schleuderte die Gefangene gegen die Zellenwand. Der Aufprall nahm ihr die Luft, ihr Blick trübte sich. Als sich ihr Gegner taumelnd näherte, suchten ihre Hände im Reflex nach einer Waffe. Ihre tastenden Fingerspitzen fanden ein Rohr, versuchten es aus der Wand zu ziehen, aber vergeblich. Der Kerkermeister erreichte sein Opfer und drückte die Wehrlose mit seinem massigen Körper an die Mauer. Seine Absicht war es, ihren Atem herauszupressen. Zwar zog Nevelle im letzten Augenblick ein Knie hoch, doch Mangind stöhnte nur kurz. Er erhöhte seinen Druck. Ihre Welt wurde dunkler und dunkler. Noch einmal ertastete die Waldelfin das Rohrstück, wieder gelang es ihr nicht, es herauszuziehen. Plötzlich hielt sie ein grobes Tuch in den Fingern. Der Lappen hatte das Rohrende verstopft.

Die Elfin erinnerte sich.

An dieser Stelle hatte ihr Gegner vorher die Ratte herausgeholt. Auch jetzt dauerte es nicht lange, bis ein Rattenkopf herausschaute. Er roch das Blut, verließ sein Versteck und bald folgte ihm eine immer größere Flut von Artgenossen.

Zunächst interessierten sich die Tiere für die Leichen der Leibwächter, aber schnell weckte der blutüberströmte Oberkörper Manginds ihr Interesse. Während Nevelle noch nach Atem rang, bissen die Ersten zu. Im Gegensatz zu ihr trug der Kerkermeister keine Rüstung. Sein einziges Kleidungsstück hatte er eben ausgezogen. So konnten die Nager ungehindert zubeißen.

Ein paar der Hungrigsten verirrten sich auf ihre Lederrüstung. Sie wechselten jedoch zurück zum nackten ungeschützten Körper und ließen die Waldelfin in Ruhe.

Es dauerte nicht lange, bis ihr Opfer brach zusammen. Schnell verließ die Elfin die Zelle und verschloss, ohne einen Blick zurückzuwerfen die Tür.

***
Der Rest war ein Kinderspiel. Zunächst befreite Nevelle sich von ihren Fesseln. Die gesuchten Schwerter lagen im Gang. Kein Problem, die nächste Wache zu überwältigen und den Überraschten zu zwingen, ihr einen Weg aus dem Gefängnis zu zeigen.


Dort schlug sie ihn nieder und verschwand im Dunkel der hereinbrechenden Nacht.

***


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