Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.
Nevelle Kampfs gegen ihren brutalen Widersacher geht in eine entscheidende Phase. Ohne Waffen ist sie dem Ungeheuer hilflos ausgeliefert ...
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Und nun viel Spaß!
Nevelle
Mankind besaß weitere Trophäen. In beiden
Fäusten trug er die Rümpfe der Leibwächter. Hämisch grinsend warf er die
Körperteile zu den Köpfen. Seine Gefangene sollte sehen, dass es keine
Beschützer mehr gab. Die Wunden zeigten, dass der Fettkloß seine Opfer mit bloßen
Händen geköpft hatte. Die Elfin wagte einen scheuen Blick auf ihre Gürtel.
Vielleicht hatte er die Schwerter übersehen. Doch Nevelle wurde enttäuscht. Ihr
Kerkermeister verfügte offenbar über genug Schläue, die Waffen im Zellengang zu
lassen.
Zwei armselige Tonscherben waren ihre
einzigen Hilfsmittel.
Die Waldelfin versuchte ihren Peiniger in
Sicherheit zu wiegen. Weiter kniend presste sie ein paar Tränen heraus. Dabei
suchten ihre Finger unauffällig unter dem Stroh nach ihren improvisierten
Klingen. Der Anfang ihres Plans blieb unverändert. Ihr Gegner musste nah
herankommen.
"Du braff. Sonft ...," mit
diesen Worten zog der Kerkermeister einen Lumpen aus einem kurzen Stück Rohr an
der Wand. Es dauerte nicht lange. Bald erschien der erste Rattenkopf in der
Öffnung. Ein schneller Griff und Mangind präsentierte triumphierend seine
zappelnde Beute. Sorgfältig stopfte er den Lappen zurück und zeigte der Elfin
seinen Fang.
Ihre Suche wurde hektischer. Wo steckten
diese Tonscherben? Es war nicht nötig, die Tränen herauszupressen. Je näher ihr
Peiniger herankam, desto mehr überwältigte Nevelle die Erinnerung an die
Rattenfolter.
Sie konnte diese verdammten Scherben nicht
finden.
Seinen Blick immer auf seine erstarrte
Gefangene gerichtet, demonstrierte er mit schaukelnden Hüften, was er vorhatte.
"Du braff. Sonft ...!" Dabei
zeigte er ihr die Ratte.
Die Waldelfin ergab sich scheinbar in ihr
Schicksal. Ihre Suche unter dem Stroh blieb erfolglos.
Mangind behielt dieses widerliche Tier
weiter in seinen Wurstfingern. Es versuchte sich zu befreien und schaffte es,
in seine Finger zu beißen. Der Kerkermeister schien davon unbeeindruckt.
Fröhlich summend präsentierte er den zappelnden Nager wieder und wieder seiner
Gefangenen. Wenn die vor Schreck die Arme hob, huschte ein zufriedenes Lächeln
über seine Fratze.
Schließlich zerquetschte er die Ratte und
warf ihren Kadaver weg. Um die Waldelfin einzuschüchtern, zog er seinen Schurz
aus. Hämisch grinsend näherte er sich.
In selben Moment stand Nevelle blitzartig
auf. Ihre Hand suchte nach dem abgeschlagenen Kopf eines Leibwächters und
hämmerte ihre neue Waffe unter das Kinn ihres Gegners. Als erfahrene Kämpferin
wusste die Elfin, dass der Schädel eines Menschen die härtesten Knochen
besitzt. Das Ergebnis kam deshalb nicht überraschend.
Mangind wankte wie nach einem Boxhieb,
wich einen Schritt zurück, aber er blieb in der Zellentür stehen. Mit seinem
massigen Körper blockierte er den Ausgang. Keine Chance, an die Schwerter
dahinter zu kommen. Sie wartete, bis er sein Gleichgewicht wieder fand. Solange
er schwankte, war es schwer, seine Kinnspitze zu treffen. Im richtigen Moment
schlug Nevelle erneut zu.
Auch diesmal zwang der Schlag ihren Gegner
weiter in Richtung Zellengang. Doch er versperrte immer noch ihren Fluchtweg.
Die Waldelfin brauchte eine bessere Waffe. Ihr fielen die kopflosen Rümpfe der
Leibwache ein. Nicht selten trugen die Veteranen, aus denen Ferke seine Leute
rekrutierte, Dolche oder Messer in ihren Stiefeln. Das schien einen Versuch
wert. Die Elfin warf einen schnellen Seitenblick auf Mangind. Der Fettkloß bot
einen schrecklichen Anblick. Die beiden Hiebe hatten sein Kinn zertrümmert. Blut
lief über seinen halbnackten Körper. Hass funkelte in seinen Augen. Er hielt
sich am Rahmen der Zellentür fest, ihre Zeit wurde knapp.
Sie durchsuchte hastig die Stiefel des
ersten Leibwächters. Ohne Erfolg. Weiter zum Zweiten. In diesem Moment schlug ihr
Peiniger von hinten zu. Die Wucht seines Schlages schleuderte die Gefangene
gegen die Zellenwand. Der Aufprall nahm ihr die Luft, ihr Blick trübte sich.
Als sich ihr Gegner taumelnd näherte, suchten ihre Hände im Reflex nach einer
Waffe. Ihre tastenden Fingerspitzen fanden ein Rohr, versuchten es aus der Wand
zu ziehen, aber vergeblich. Der Kerkermeister erreichte sein Opfer und drückte
die Wehrlose mit seinem massigen Körper an die Mauer. Seine Absicht war es,
ihren Atem herauszupressen. Zwar zog Nevelle im letzten Augenblick ein Knie
hoch, doch Mangind stöhnte nur kurz. Er erhöhte seinen Druck. Ihre Welt wurde
dunkler und dunkler. Noch einmal ertastete die Waldelfin das Rohrstück, wieder
gelang es ihr nicht, es herauszuziehen. Plötzlich hielt sie ein grobes Tuch in
den Fingern. Der Lappen hatte das Rohrende verstopft.
Die Elfin erinnerte sich.
An dieser Stelle hatte ihr Gegner vorher
die Ratte herausgeholt. Auch jetzt dauerte es nicht lange, bis ein Rattenkopf
herausschaute. Er roch das Blut, verließ sein Versteck und bald folgte ihm eine
immer größere Flut von Artgenossen.
Zunächst interessierten sich die Tiere für
die Leichen der Leibwächter, aber schnell weckte der blutüberströmte Oberkörper
Manginds ihr Interesse. Während Nevelle noch nach Atem rang, bissen die Ersten
zu. Im Gegensatz zu ihr trug der Kerkermeister keine Rüstung. Sein einziges
Kleidungsstück hatte er eben ausgezogen. So konnten die Nager ungehindert
zubeißen.
Ein paar der Hungrigsten verirrten sich
auf ihre Lederrüstung. Sie wechselten jedoch zurück zum nackten ungeschützten
Körper und ließen die Waldelfin in Ruhe.
Es dauerte nicht lange, bis ihr Opfer
brach zusammen. Schnell verließ die Elfin die Zelle und verschloss, ohne einen
Blick zurückzuwerfen die Tür.
***
Der Rest war ein Kinderspiel. Zunächst
befreite Nevelle sich von ihren Fesseln. Die gesuchten Schwerter lagen im Gang.
Kein Problem, die nächste Wache zu überwältigen und den Überraschten zu
zwingen, ihr einen Weg aus dem Gefängnis zu zeigen.
Dort schlug sie ihn nieder und verschwand
im Dunkel der hereinbrechenden Nacht.
***
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