Das Elfenhorn (In der Falle) -14-


Herzlich willkommen im nächsten Kapitel von "Eisen und Magie; Das Elfenhorn".

Ihre Anwesenheit im Labyrinth ist den Wachen aufgefallen. Unseren Helden bleibt nur die Möglichkeit zu fliehen. Bald endet ihre Flucht in einer Sackgasse. Und es kommt noch schlimmer!


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Und nun viel Spaß





Rattenjäger


Der Lärm war ohrenbetörend. Bud kam zu keinem zweiten Schritt. Die Treppe brach sofort ein. Holzstaub wirbelte auf, nahm die Sicht und erschwerte das Atmen. Rattenjäger beschloss, sich nicht eher zu bewegen, bis sich der Staub gelegt hatte. Zu seiner Erleichterung brannten wenigstens die Fackeln noch.

Fluchend betastete der Harpunier Arme und Beine. Er prüfte, ob er bei dem Sturz Brüche erlitten hatte. Zu seinem Glück schien er von größeren Verletzungen verschont worden zu sein. Lediglich beim Einatmen zuckte er schmerzhaft zusammen. Sein Freund vermutete, dass er sich ein oder mehrere Rippen geprellt hatte. Doch der robuste Seemann stand schon wieder. Leicht schwankend, aber etwas benommen, hielt er trotz des Falls seine Harpune in der Hand.

Hillgrimm durchsuchte die Holztrümmer nach seinem Eigentum. "So ein Trottel. Weißt du, wie schwer es ist, diese Sachen in meiner Größe hier zu finden."

Alles in allem war das Glück auf ihrer Seite gewesen. Das morsche Holz dämpfte Buds Sturz und verhinderte schlimmere Verletzungen. Auch die Zahl der neuen Beulen an der Zwergenrüstung hielt sich in Grenzen. Nevelle fand noch einen Schlauch Wein, der diesen Zwischenfall unbeschadet überstanden hatte. Gemeinsam spülten sich die Abenteurer den Geschmack von Moder und Holzdreck aus dem Mund.

Rattenjäger machte sich mehr Sorgen um die Wachen. Das Geräusch der zusammenbrechenden Treppe zeigte ihren Verfolgern die Stelle, an der sie mit der Suche beginnen konnten. Er drängte seine Gefährten zum Weitergehen und übernahm die Führung.

Nach einem hastigen Fußmarsch teilte sich der Weg. Bud schaute Rattenfänger an und wartete auf seine Wahl. "Links oder rechts?"

Sein Freund zögerte, dann entschied er sich für den linken Durchgang. Aber Nevelle hielt ihn an. "Wieso nimmst du diesen Gang? Kennst du die Karte mittlerweile auswendig?"

"Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um die richtige Entscheidung handelt, liegt bei fünfzig zu fünfzig. Wenn du möchtest, können wir auch einen anderen Weg nehmen."

Hillgrimm fragte überrascht. "Du hast vorhin das Pergament eingesteckt. Schau doch nach!"

Rattenfänger zuckte mit den Schultern. "Er steckte in der Innentasche. Aber beim Schwimmen ist er vermutlich aus meiner Tasche gerutscht. In der Kammer war er auf einmal verschwunden."

"Das heißt, wir irren hier ohne einen Lageplan herum. Warum erfahren wir das erst jetzt?"

"Irgendwie fand ich keinen passenden Moment, es zu erzählen."

Hillgrimm lauschte in den Gang und forderte Ruhe. "Was ist das für ein Geräusch. Kennt einer von euch dieses seltsame Schlurfen?"

Bud meldete sich. "Das ist ein Reitskorpion." Er verbesserte sich. "Nein, es sind mehrere."

"Plan hin oder her", meinte Nevelle. Damit ist die Entscheidung klar. Ab nach rechts."

Die Gefährten folgten dem Gang bis zur nächsten Abzweigung. Der Harpunier ging etwas zurück. Dann horchte er. "Die Wachen verfolgen uns. Rasch weiter."

Die Elfin wählte spontan einen Durchgang. Doch nach wenigen Minuten verzweigte er wieder. Sie hielten an und Bud lauschte erneut. "Die Skorpione sind immer noch da."

Die Vier beschleunigten ihre Schritte, um mehr Abstand zu gewinnen. Mittlerweile hatte Hillgrimm die Führung übernommen. Die Welt hier unten erinnerte den Zwerg an die Minen seiner Heimat. Aber welche Wahl er auch traf, jedes Mal folgten ihnen die Verfolger. Die Geräusche schienen sogar nähergekommen zu sein.

Schließlich endete ihre Flucht in einer Sackgasse. Es war zu spät, um umzukehren und einen neuen Weg zu nehmen. Am anderen Ende des Gangs sah Rattenfänger bereits das Licht ihrer Fackeln. Er erkannte Reitskorpione und Fußsoldaten. Zu ihrem Pech  verbreitete sich der Durchgang an dieser Stelle so weit, dass jeweils zwei der Skorpione gleichzeitig angreifen konnten. Das verringerte ihre Chancen für eine erfolgreiche Gegenwehr. Zwar brauchten sie keinen Angriff in ihrem Rücken zu befürchten, aber ihre Gegner besaßen genügend Platz, um ihre größere Anzahl zu ihrem Vorteil einzusetzen. Ein paar Wärter würden ihr Leben lassen, doch früher oder später die Eindringlinge besiegen. Er beschloss, es ihnen so schwer wie möglich zu machen. Als er sich umdrehte, um Anweisungen zu geben, waren Nevelle und Hillgrimm verschwunden.



Nevelle


Die Elfin fühlte, dass ihr Tritt ins Leere ging. Eben noch versuchte sie, die Zahl der Wachen im unsteten Flackern der Fackeln zu schätzen. Um eine bessere Übersicht zu gewinnen, trat die Waldelfin bis an den Rand der Mauer, die die Sackgasse abschloss.

Keine morschen Trümmer dämmten ihren Aufprall. Dennoch knirschte es unter ihren Füßen, als Nevelle sich keuchend an der Wand festhielt, um aufzustehen. Ihre Fackel lag neben ihr und beleuchtete einen kleinen Raum, der an die Zelle erinnerte, aus der die Waldgeborene vor kurzem entkommen war.

Im nächsten Moment fiel eine Gestalt hinunter und prallte nicht weit von ihr auf. Die Elfin trat näher und erkannte den Zwerg. Einen Augenblick lang kam ihr der Gedanke, ihren Konkurrenten zu töten. Ein schneller Schlag gegen seinen Kopf und das Elfenhorn gehörte ihr. Seinen Tod würde sie mit seinem Sturz erklären können.

Hillgrimm war bewusstlos. Seinem Volk fehlte die katzenhafte Geschmeidigkeit der Elfen, die Nevelle vor schwereren Verletzungen bewahrt hatte. Er blutete aus einer Kopfwunde, die behandelt werden musste. Doch die Waldelfin senkte ihr Schwert. Die Idee, einen Wehrlosen zu erschlagen, bereitete ihr Angst. Dass die Gier nach dem Horn so stark in ihr wachsen konnte, dass sie beinahe einen Hilflosen umgebracht hatte, erschreckte die Elfin.

Ein Blick nach oben verriet ihr, den Grund für ihren Sturz. Ihre Augen fanden einen dünnen Schlitz in der Decke, der sich im Licht aus der Kammer über ihr abzeichnete. Seine kaum erkennbaren Linien ergaben ein Rechteck. Vermutlich befand sich dort eine versteckte Falltür.

Das Fackellicht zeigte, dass sie nicht ihre ersten Opfer waren. Es beleuchtete kleine Haufen Menschenknochen überall verstreut. Anscheinend hatte dieser Raum als Verlies gedient. Es gab keinen Ausgang, nur fest gemauerte Wände. Doch zunächst musste die Wunde des Zwerges versorgt werden. Vorsichtig drehte Nevelle den Verletzten um und untersuchte seine Verletzungen. Hillgrimm stöhnte leise, dann öffnete er die Augen.

"Elfenbrut! Was hast du vor? Nimm deine Finger weg. Wo sind wir?"

"Du bist auf eine Falltür getreten und in diese Zelle gestürzt. Dein Kopf hat deinen Fall abgebremst. Wenn ich daran denke, wie viel dummes Zeug du erzählst, nicht zum ersten Mal."

"Wo stecken die anderen?"


***

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