Die Anwesenheit unsere Helden weckt die Aufmerksamkeit eines gefährlichen Gegners. Getreu den Regeln handelt es sich so kurz vor Schluss den Endgegner. Unsere Freunde ahnen es bereits, bald stehen sie dem Wächter des Labyrinths gegenüber.
Erwähnte ich schon, dass er unverwundbar ist?
Mehr zu "Eisen und Magie: Das Elfenhorn" findet Ihr hier!
Zurück zu der Episode davor? Die findet Ihr hier.
Und nun viel Spaß
Der Wächter
Lautlos bewegte sich der Wächter durch das leere
Labyrinth. Er besaß kein Zeitgefühl, seine Existenz bestand aus Jagen und
Fressen. Seine ältesten Erinnerungen zeigten ihm, dass er immer dafür gelebt
hatte. Nur Hunger trieb das Wesen an, magische Zeichen auf Böden und Gängen
begrenzten die Wege, die er durchstreifen durfte. Vor verschlossenen Türen
schnüffelte er, ob sich dahinter Opfer befanden. Holz und dünnes Mauerwerk
bildeten kein Hindernis für seine ungeheure Kraft. Sie konnten den Dämon nicht
aufhalten. Aber bisher verlief die Suche erfolglos. Seine primitiven Sinne
kannten weder Langeweile, Müdigkeit oder Enttäuschung. Irgendwann tönte der Ruf
seines Meisters, der ihn zurück in die Zelle rief. Er würde gehorchen und
warten. Bis zur nächsten Jagd.
Seine gespaltene Zunge erforschte die Gerüche in dem
einsamen Gewölbe. Er war nicht alleine hier unten. Irgendwo in dunklen Gängen
wartete Beute. Sein Geruchssinn führte das Wesen tiefer und tiefer in die
Katakomben.
Rattenjäger
Die Harpune verschwand im Dunkeln. Hillgrimm zog sie
und das angeknüpfte Tau nach oben. Er hoffte, dass der Zwerg zur Vernunft kam.
Seine Forderung, Nevelle im Verlies zurück zu lassen, überraschte Rattenjäger.
Einen Moment lang überlegte er, ob er die Feindschaft zwischen beiden Völkern
nicht unterschätzte. Er kannte den Kurzen erst seit diesem Abenteuer. Aber es
reichte aus, um zu zeigen, dass es sich um einen Kameraden handelte, der einen
in der Not nicht im Stich ließ.
Er beobachtete seine Gefährten. Die Elfin stand
abseits mit verschränkten Armen und dem Gesicht zur Wand. Er hatte noch nie
gesehen, dass sich seine Freundin für etwas schämte.
Bud durchsuchte die Überreste der toten Zwerge nach
Brauchbaren. Er begann damit, vermoderte Kleidungsstücke und Knochen zu
sammeln. Nicht mehr lange und ihre letzte Fackel verlöschte. Dann konnte er die
ausgetrockneten Teile anzünden, um den Zeitpunkt, bis sie endgültig in tiefer
Finsternis auf ihren Tod warteten, hinauszuzögern.
Direkt vor seiner Nase fiel das Ende des Seils
hinunter.
"Das Entermesser steckt noch in der Wand. Ich
habe das Tau daran befestigt. Der Knoten sollte reichen, aber sicherheitshalber
klettert zuerst der Leichteste hinauf."
Der Zwerg hatte seinen Groll anscheinend überwunden.
"Das wäre Nevelle", rief Rattenfänger ihm
zu.
"Geht in Ordnung. Die Elfin wird mir, wenn sie
hier ist, helfen, euch hochzuziehen. Im Moment ist niemand da. Doch das kann
sich schnell ändern. Also verliert keine Zeit!"
Der Rattentöter berührte seine Freundin leicht an der
Schulter. Sie drehte sich um, den Blick immer noch zu Boden gerichtet. Dann
trat die Waldelfin an das Seil, prüfte kurz seinen Halt und kletterte hinauf.
Der Wächter
Sein Körper war für die engen Gänge und Winkel der
Welt unterhalb des Tempels geschaffen. Er verließ sich nur auf seinen
Geruchssinn, wenn er seine Beute verfolgte. Schnell hatte er gelernt, zwischen
der Witterung der Wachen und einem neuen unbekannten Geruch zu unterscheiden.
Bald kannte er sogar die genaue Anzahl der Wesen, die auf ihn warteten.
Hillgrimm
Er reichte der Elfin seine Hand, um ihr zu helfen.
Nevelle zögerte einen Augenblick, dann nahm sie seine Hilfe an. Ihr Händedruck
dauerte einen Atemzug länger als nötig. In diesem Moment beschlossen die
Rivalen ohne weitere Worte, sich gegenseitig zu vertrauen. Ein ehrlicher
Zweikampf würde entscheiden, wer das Elfenhorn zu seinem Volk bringen durfte.
Der Zwerg überprüfte den festen Sitz des Taus und
forderte die beiden Gefährten im Verlies auf, hoch zu klettern. Zusammen sicherten
die ehemaligen Streithähne das Tau, falls das Entermesser aus der Mauer
herausgerissen werden sollte.
Bud brachte als Letzter ihren Beutel nach oben. Er war
froh, sein Messer und die geliebte Harpune wieder zu finden. Der Sack schien
schwerer als vorher zu sein. Hillgrimm warf einen fragenden Blick und der
Seefahrer zeigte ihm seinen Inhalt.
"Wenn du den Ring zurückbringst, dann nimm doch
die Schädel deines Onkels und seiner Söhne mit. Es gibt keinen Grund, warum
ihre Gebeine in diesem finsteren Loch bleiben sollten. Ich bin sicher, ihr
findet in euren Minen und unterirdischen Städten einen Ehrenplatz."
Hillgrimm dankte dem Harpunier. "Dieser Gedanke
hätte mir selber kommen müssen. Aber in der letzten Zeit ..."
Bud schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.
"Wir alle machen Fehler. Freunde sind dafür da, um sie zu verhindern.
Nicht immer gelingt das. Was solls. Ich verwahre die Schädel für dich, bis wir
einen Ausgang erreicht haben."
Der Zwerg bedankte sich, dann hielten die vier
Gefährten Kriegsrat.
Hillgrimm traute sich zu, mit den Angaben, die er im
Verlies gefunden hatte, einen Weg in die Schatzkammer zu finden. "Wir
befinden uns zwar in einem Labyrinth, aber sein Aufbau folgt festen Regeln. Man
kann Mauern nicht ohne einen Plan errichten. Selbst wenn nicht alle Runen auf
der Wand lesbar waren, traue ich mir zu, euch dorthin zu führen. Ein anderes
Problem sind die Wachen."
"Shadek hat sie weggeschickt. Warum? Könnte was
an der Legende dran sein, dass ein Dämon diese Katakomben durchstreift."
Hillgrimm zog seine Stirn in Sorgenfalten.
"Eigentlich gibt es nur eine Möglichkeit. Nämlich so schnell es geht, die
Kammer mit dem Elfenhorn erreichen. Dort wären wir erst mal sicher. Da Shadek
uns nicht erwarten wird, wird der Schatz nicht bewacht sein. Beziehungsweise
die Reste, die der Tempelpriester übrig ließ. Dann können wir das Horn
ungehindert wegnehmen und flüchten."
Der Zwerg übernahm die Führung, ihm folgten Nevelle
und der Rattenfänger. Der Harpunier trug als Schlusslicht ihren Beutel. Er
erhielt nur noch die Gebeine von Hillgrimms Verwandten. Ihr Wein war
ausgetrunken, mittlerweile brannte ihre letzte Fackel. Gemeinsam machten sie
sich auf den Weg.
***
Er konnte seine Beute bereits schmecken. Zwei
Menschen, ein Elf und ein Zwerg. In der Ferne erkannten seine schwachen Augen
das Flackern eines Lichtes. Es verschwand jedes Mal, wenn sein Träger abbog,
aber sein Geruchssinn brachte das Wesen immer wieder auf die richtige Spur.
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