Das Elfenhorn (Nevelle und die Ratten) -5-



Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.

Die Elfin Nevelle kämpft immer noch ums Überleben, während Hillgrimm seine eigenen Pläne schmiedet.


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Und nun viel Spaß!








Nevelle


Das Kreischen einer schweren Tür riss Nevelle aus ihrer Erstarrung. Flackerndes Licht drang durch einen Spalt in ihr Verlies. Beim ersten Geräusch erstarrte die Traube hungriger Nager an ihrem Körper. Jemand setzte alle Kraft ein, um die uralte Holztür aufzuschieben. Ihr Rahmen schabte dabei laut und unerträglich quietschend über den schmutzigen Steinboden.

Im selben Moment löste sich der Pulk Nagetiere, der sich mit Zähnen und Krallen an ihr festhielt, auf. Es dauerte Bruchteile von Sekunden, bis die Tiere in der Dunkelheit verschwanden.

Im Gang vor ihrer Zelle warteten Männer, doch noch blockierte eine massige Gestalt die Tür. Im Fackellicht erkannte die Elfin ihren Gefängniswärter. Figur und Gestank ließen keinen Zweifel zu. Ausgerechnet Mangind. Beinahe wünschte sie sich die Ratten zurück.

Der Kerkermeister lebte für seine Aufgabe. Fast blind kroch er durch die Katakomben des Gefängnisses, spielte grausame Spiele mit den Gefangenen. Er wagte sich nicht mehr aus seinem Verlies, da Unbekannte ihn im Hafenviertel übel zusammengeschlagen hatten. Seitdem fehlten ihm die Zähne und ein Auge. Diese Niederlage verstärkte seinen Sadismus. Er kannte keine Freunde, keine Gefälligkeiten, jede Erleichterung musste man teuer bezahlen.

Langsam schob sich ihr Wärter in die Zelle. Neugierig betrachtete er die Kratzspuren an ihrer Lederrüstung.

"Beinahe bis zum Hals. Gerade rechtzeitig. Bald wäre dein hübsches Gesicht dran gewesen. Elfenfleisch. Was ganz neues für meine Lieblinge."

Dann ging er schnüffelnd in die Knie, roch an ihrer Hose.

"Respekt. Fast alle hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon eingeschissen. Kleines, zähes Miststück."

Im gleichen Moment schob sich eine andere Gestalt an ihm vorbei. Nevelle seufzte. Erst Mangind und jetzt Ferke. Vielleicht waren die Ratten die bessere Gesellschaft gewesen.

Der Sklavenhändler bemühte sich, sein modisch geschnittenes Seidengewand nicht zu beschmutzen. Er rümpfte angewidert die Nase.

"Was für ein Gestank. Schnell mein Duftwasser!"

Ein junger Sklave huschte in die Zelle und reichte Ferke einen kleinen Flakon. Hastig öffnete er es und zog den Geruch wie ein Süchtiger ein. Gefängniszelle und Rosenduft. Nevelle schüttelte es.

Mangind drehte die aufgehängte Elfin wie ein Stück Fleisch herum. "Wie versprochen, unbeschädigt. Aber glaubt mir, die ist gebrochen. Die Rattenfolter verändert jeden."

Blitzschnell packte er ins Dunkle und hielt eine halbtote Ratte in der Hand. Er hob das Tier auf Augenhöhe und immer näher an das Gesicht seiner Gefangenen. Nevelle schossen die Tränen in die Augen. Sie versuchte, sich wegzudrehen, doch sein eiserner Griff verhinderte es.

"Kamen genau im richtigen Moment hinein. Etwas früher wäre ein Fehler gewesen. Die wird keinen Ärger mehr machen. Zeigt ihr so einen schwarzen Nager, und die wird Füße lecken."

Der Sklavenhändler warf ihm einen Geldbeutel zu. "Ihr hattet Recht. Hier ist euer Silber. Lasst uns allein und nehmt euren Bonus gleich mit."

Mangind grinste und schmiss sich den jungen Sklaven wie einen Sack über die Schulter. Bald schallten seine Schmerzensschreie durch das Verlies.

"Nun zu dir, mein Täubchen. Meine Güte, du stinkst." Ferke öffnete seinen Flakon und goss das Rosenwasser über die Gefangene. "Schade um das hübsche Leder. Ich denke, dein neuer Besitzer wird dich anders kleiden."

***

Hillgrimm


Hillgrimm vermutete, dass die Elfin ihren Partnern nichts von dem Elfenhorn erzählt hatte. Einst symbolisierte das Horn die Freundschaft zwischen seinem Volk und den Elfen. Nach der Schlacht vor Alterbergen verschwand es für lange Zeit. Da sich mittlerweile Zwerge und Waldelfen hassten, suchte es niemand. Bis ausgerechnet ein Mensch das Relikt fand und es hier in die Stadt trug. Seitdem gehörte es zum Tempelschatz.

Ob es am Branntwein lag oder am Schock der Verletzung, wusste Hillgrimm nicht. Aber die Erinnerung an das Treffen mit Nevelle wurde jede Sekunde deutlicher. Sie musste erfahren haben, welchen Auftrag er von Shadek erhielt. Er vermutete, dass die Elfin irgendetwas in seinen Wein gemischt hatte, um ihn außer Gefecht zu setzen. Anders konnte er sich die tiefe Bewusstlosigkeit und die Lücken in seinem Gedächtnis nicht erklären.
Die Priester verbargen das Horn in einem Labyrinth unterhalb des Tempels. Ein geschickter Dieb fände dort Gold, Edelsteine und kostbare Urkunden. Zum Schutz vor Räubern installierte die Priesterschaft zahlreiche Fallen und Hinterhalte. Man erzählte, dass ein Ungeheuer in den Gängen herumstreifte. Blutgierig und stark genug, jeden Eindringling zu töten.

Der Hohepriester hatte ihm für seinen Auftrag eine Karte versprochen. In einem Versteck nahe einem Nebeneingang wartete ein Pergament auf ihn. Darauf aufgezeichnet ein sicherer Weg bis zur Schatzkammer. Dem Gerücht über einen dämonischen Wächter, begegnete Shadek mit einem Versprechen, dass er in dieser Nacht nicht unterwegs sein würde.

Er verlangte lediglich das Elfenhorn, alle übrigen Kostbarkeiten könne er behalten. Hillgrimm ging davon aus, dass er Nevelle das gleiche Angebot gemacht hatte.

Die wahre Geschichte um das Horn war den Menschen unbekannt. Deshalb ahnte der Priester vermutlich nicht, dass Zwerg und Elf nur dieser Teil des Schatzes wirklich interessierte.

***

Nevelle


Mangind legte sich die gefesselte Elfin wie vorher den Sklaven über die Schultern. Dann trug er sie in ein oberes Stockwerk und warf sie auf einen Haufen Stroh. Ferke begleitete die Beiden und achtete sorgsam, dass seinem Opfer kein Haar gekrümmt wurde. Er hatte seinem Vorschlag, ihren Widerstand im Rattenkeller zu brechen, zugestimmt. Seine Vorhersage hatte sich zwar bestätigt. Aber er fürchtete, dass der Kerkermeister seinen Sadismus an ihr ausleben könnte. Deshalb rief er nach zwei seiner eigenen Leibwächter. Ihre Aufgabe war es, Nevelle zu bewachen.

Er verzichtete darauf, die Elfin neu einzukleiden. Als erfahrener Händler kannte er die Phantasien seiner Kunden. Eine Waldelfin zu besitzen hatte seinen Wert. Doch die Vorstellung, sie nach dem Kauf nackt aus der legendären Elfenrüstung zu schneiden, sollte den Preis in die Höhe treiben. Vielleicht würde er ihr in der Kürze der Zeit das ein oder andere Kunststück beibringen.

Er gab Anweisungen, ihr etwas Wasser und Essen zu bringen. Seinen Wachen schärfte er ein, Mangind nicht zu nahe an seine Beute heran kommen zu lassen. Dann verließ er das Gefängnis. Bis zur Auktion mussten noch wichtige Dinge vorbereitet werden.

***










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