Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.
Die Elfin Nevelle kämpft immer noch ums Überleben, während Hillgrimm seine eigenen Pläne schmiedet.
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Und nun viel Spaß!
Nevelle
Das Kreischen einer schweren Tür riss
Nevelle aus ihrer Erstarrung. Flackerndes Licht drang durch einen Spalt in ihr
Verlies. Beim ersten Geräusch erstarrte die Traube hungriger Nager an ihrem
Körper. Jemand setzte alle Kraft ein, um die uralte Holztür aufzuschieben. Ihr
Rahmen schabte dabei laut und unerträglich quietschend über den schmutzigen
Steinboden.
Im selben Moment löste sich der Pulk
Nagetiere, der sich mit Zähnen und Krallen an ihr festhielt, auf. Es dauerte
Bruchteile von Sekunden, bis die Tiere in der Dunkelheit verschwanden.
Im Gang vor ihrer Zelle warteten Männer,
doch noch blockierte eine massige Gestalt die Tür. Im Fackellicht erkannte die
Elfin ihren Gefängniswärter. Figur und Gestank ließen keinen Zweifel zu.
Ausgerechnet Mangind. Beinahe wünschte sie sich die Ratten zurück.
Der Kerkermeister lebte für seine Aufgabe.
Fast blind kroch er durch die Katakomben des Gefängnisses, spielte grausame
Spiele mit den Gefangenen. Er wagte sich nicht mehr aus seinem Verlies, da
Unbekannte ihn im Hafenviertel übel zusammengeschlagen hatten. Seitdem fehlten
ihm die Zähne und ein Auge. Diese Niederlage verstärkte seinen Sadismus. Er
kannte keine Freunde, keine Gefälligkeiten, jede Erleichterung musste man teuer
bezahlen.
Langsam schob sich ihr Wärter in die
Zelle. Neugierig betrachtete er die Kratzspuren an ihrer Lederrüstung.
"Beinahe bis zum Hals. Gerade
rechtzeitig. Bald wäre dein hübsches Gesicht dran gewesen. Elfenfleisch. Was
ganz neues für meine Lieblinge."
Dann ging er schnüffelnd in die Knie, roch
an ihrer Hose.
"Respekt. Fast alle hatten sich zu
diesem Zeitpunkt schon eingeschissen. Kleines, zähes Miststück."
Im gleichen Moment schob sich eine andere
Gestalt an ihm vorbei. Nevelle seufzte. Erst Mangind und jetzt Ferke.
Vielleicht waren die Ratten die bessere Gesellschaft gewesen.
Der Sklavenhändler bemühte sich, sein
modisch geschnittenes Seidengewand nicht zu beschmutzen. Er rümpfte angewidert
die Nase.
"Was für ein Gestank. Schnell mein
Duftwasser!"
Ein junger Sklave huschte in die Zelle und
reichte Ferke einen kleinen Flakon. Hastig öffnete er es und zog den Geruch wie
ein Süchtiger ein. Gefängniszelle und Rosenduft. Nevelle schüttelte es.
Mangind drehte die aufgehängte Elfin wie
ein Stück Fleisch herum. "Wie versprochen, unbeschädigt. Aber glaubt mir,
die ist gebrochen. Die Rattenfolter verändert jeden."
Blitzschnell packte er ins Dunkle und
hielt eine halbtote Ratte in der Hand. Er hob das Tier auf Augenhöhe und immer
näher an das Gesicht seiner Gefangenen. Nevelle schossen die Tränen in die
Augen. Sie versuchte, sich wegzudrehen, doch sein eiserner Griff verhinderte
es.
"Kamen genau im richtigen Moment
hinein. Etwas früher wäre ein Fehler gewesen. Die wird keinen Ärger mehr
machen. Zeigt ihr so einen schwarzen Nager, und die wird Füße lecken."
Der Sklavenhändler warf ihm einen
Geldbeutel zu. "Ihr hattet Recht. Hier ist euer Silber. Lasst uns allein
und nehmt euren Bonus gleich mit."
Mangind grinste und schmiss sich den
jungen Sklaven wie einen Sack über die Schulter. Bald schallten seine
Schmerzensschreie durch das Verlies.
"Nun zu dir, mein Täubchen. Meine
Güte, du stinkst." Ferke öffnete seinen Flakon und goss das Rosenwasser
über die Gefangene. "Schade um das hübsche Leder. Ich denke, dein neuer
Besitzer wird dich anders kleiden."
***
Hillgrimm
Hillgrimm vermutete, dass die Elfin ihren
Partnern nichts von dem Elfenhorn erzählt hatte. Einst symbolisierte das Horn
die Freundschaft zwischen seinem Volk und den Elfen. Nach der Schlacht vor
Alterbergen verschwand es für lange Zeit. Da sich mittlerweile Zwerge und
Waldelfen hassten, suchte es niemand. Bis ausgerechnet ein Mensch das Relikt
fand und es hier in die Stadt trug. Seitdem gehörte es zum Tempelschatz.
Ob es am Branntwein lag oder am Schock der
Verletzung, wusste Hillgrimm nicht. Aber die Erinnerung an das Treffen mit
Nevelle wurde jede Sekunde deutlicher. Sie musste erfahren haben, welchen
Auftrag er von Shadek erhielt. Er vermutete, dass die Elfin irgendetwas in
seinen Wein gemischt hatte, um ihn außer Gefecht zu setzen. Anders konnte er
sich die tiefe Bewusstlosigkeit und die Lücken in seinem Gedächtnis nicht
erklären.
Die Priester verbargen das Horn in einem
Labyrinth unterhalb des Tempels. Ein geschickter Dieb fände dort Gold,
Edelsteine und kostbare Urkunden. Zum Schutz vor Räubern installierte die
Priesterschaft zahlreiche Fallen und Hinterhalte. Man erzählte, dass ein
Ungeheuer in den Gängen herumstreifte. Blutgierig und stark genug, jeden
Eindringling zu töten.
Der Hohepriester hatte ihm für seinen
Auftrag eine Karte versprochen. In einem Versteck nahe einem Nebeneingang
wartete ein Pergament auf ihn. Darauf aufgezeichnet ein sicherer Weg bis zur
Schatzkammer. Dem Gerücht über einen dämonischen Wächter, begegnete Shadek mit
einem Versprechen, dass er in dieser Nacht nicht unterwegs sein würde.
Er verlangte lediglich das Elfenhorn, alle
übrigen Kostbarkeiten könne er behalten. Hillgrimm ging davon aus, dass er
Nevelle das gleiche Angebot gemacht hatte.
Die wahre Geschichte um das Horn war den
Menschen unbekannt. Deshalb ahnte der Priester vermutlich nicht, dass Zwerg und
Elf nur dieser Teil des Schatzes wirklich interessierte.
***
Nevelle
Mangind legte sich die gefesselte Elfin
wie vorher den Sklaven über die Schultern. Dann trug er sie in ein oberes
Stockwerk und warf sie auf einen Haufen Stroh. Ferke begleitete die Beiden und
achtete sorgsam, dass seinem Opfer kein Haar gekrümmt wurde. Er hatte seinem
Vorschlag, ihren Widerstand im Rattenkeller zu brechen, zugestimmt. Seine
Vorhersage hatte sich zwar bestätigt. Aber er fürchtete, dass der Kerkermeister
seinen Sadismus an ihr ausleben könnte. Deshalb rief er nach zwei seiner
eigenen Leibwächter. Ihre Aufgabe war es, Nevelle zu bewachen.
Er verzichtete darauf, die Elfin neu
einzukleiden. Als erfahrener Händler kannte er die Phantasien seiner Kunden.
Eine Waldelfin zu besitzen hatte seinen Wert. Doch die Vorstellung, sie nach
dem Kauf nackt aus der legendären Elfenrüstung zu schneiden, sollte den Preis
in die Höhe treiben. Vielleicht würde er ihr in der Kürze der Zeit das ein oder
andere Kunststück beibringen.
Er gab Anweisungen, ihr etwas Wasser und
Essen zu bringen. Seinen Wachen schärfte er ein, Mangind nicht zu nahe an seine
Beute heran kommen zu lassen. Dann verließ er das Gefängnis. Bis zur Auktion
mussten noch wichtige Dinge vorbereitet werden.
***
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