Das Elfenhorn (Gepanzerte Gegner) -11-

Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.

Der lange Weg unterwasser durch den Tunnel verlangt unseren Freunden alles ab. Nicht schafft es wohlbehalten an das andere Ufer. Ein weiteres Mal zeigt sich, ob die Freunde gemeinsam als Team arbeiten können.

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Und nun viel Spaß!






Bud


Es war so weit. Das Biest hatte ihn in eine Ecke gedrängt. Der Skorpion kannte keine Ermüdung und seine Angriffe kamen mit unverminderter Schnelligkeit. Buds Arme wurden schwer.

Schon zweimal hatte der Giftstachel eine Möglichkeit gefunden, am toten Reiter vorbei zustechen. Jedes Mal verfehlte es sein Ziel nur knapp. Der Stachel hatte dabei tiefe Furchen im Mauerwerk hinterlassen und Spuren eines dunkelgrünen Schleims.

Seine letzte Chance bestand darin, irgendwie auf seinen Rücken zu springen. Dort konnten die Klauen nicht erreichen. Dann galt es, eine Lücke im Panzer suchen, um das Untier außer Gefecht zu setzen. Viel Zeit blieb nicht mehr. Seine Bewegungen wurden langsamer, seine Abwehr offener. Noch einmal fasste er all seine Kraft zusammen.

Doch es war zu spät. Ein harter Schlag entriss ihm sein Entermesser, schwarze Zangen schlossen sich um seine Hüfte und pressten den Wehrlosen gegen die Steinwand. Im gleichen Moment rutschte der leblose Reiter herab. Jetzt hatte die giftige Spitze freie Bahn.

Der Harpunier erwartete seinen Tod. Er richtete seine ganze Aufmerksamkeit auf den Giftstachel, der scheinbar gnadenlos ein Ziel suchte. Mit bloßen Händen versuchte er seinen Zangengriff zu lösen, um weiter atmen zu können. Jedoch ohne Erfolg, seine Kräfte ließen nach. Jeden Augenblick könnte das Untier zustechen. Es hob seinen Stachel drohend in die Luft, um sein Opfer zu töten. Bevor es dunkel um ihn wurde, bemerkte Bud schemenhaft eine schlanke Gestalt. Ein kräftiger Schwerthieb fand eine Lücke im Chitinpanzer des Ungeheuers und schlug seinen Schwanz ab.

Der Seefahrer erkannte Nevelle, in ihren Augen sprühte die Wildheit einer Katze. Wie ein Panther sprang sie auf das Scheusal und jagte ihre Waffe wieder und wieder in die Spalten seines Panzers.

Plötzlich lockerte sich der Griff der Klauen. Bald darauf streckte sich der Skorpion und er starb. Die Elfin schüttelte zufrieden das nasse Haar und stieg herunter.

Der Harpunier zwängte die Zangen auseinander und befreite sich.

"Keinen Moment zu früh. Dieses finstere Loch wäre beinahe mein Grab geworden." Bud suchte sein Entermesser, während Nevelle die Harpune herauszog und weiterreichte.

Die Elfin rang immer noch nach Atem. "Verdammt lange Strecke zu tauchen. Gut, dass du das Gitter zerstören konntest. Zurück ans Ufer hätte ich es nicht mehr geschafft."

"Ja, eine knappe Sache. Sowohl im Wasser wie auch hier an Land. Wo bleiben die anderen?"

"Der Zwerg sollte gleich ankommen. Unser Freund macht den Schluss und bringt das Seil mit."

Doch es war der Rattenfänger, der als Nächster eintraf.

***

Sein grauer Mantel entließ dicke Ströme schwammigen Wassers, als er versuchte, sich über die Mauerkante ins Trockene zu ziehen. Aber Rattenjäger besaß nicht mehr genug Kraft, um es ohne Hilfe zu schaffen. Der Harpunier griff ein und zog seinen Freund am Kragen aus der trüben Brühe.

Nevelle ging in die Hocke und schaute auf die Wasseroberfläche. "Hast du den Zwerg gesehen? Oder bist du vor Hillgrimm in die Jauche gestiegen."

"Das könnte dir so passen. Wir haben die abgesprochene Reihenfolge eingehalten. Wenn er sich an der Leine festgehalten hat, wäre ich ihm begegnet. Lässt jemand das Seil los, verliert er in diesem Schlammloch jede Orientierung."

Die Elfin drehte sich unschlüssig ab. "Er dürfte ertrunken sein. Die Kurzen gelten nicht gerade als gute Schwimmer."

Bud stimmte ihr zu. "Selbst für mich lief es knapp. Falls Hillgrimm das Tau loslassen musste, ist er hin."

Rattenjäger wrang seinen Mantel aus. "Ein Problem weniger. Jetzt wären Zeit und Gelegenheit, uns einige Dinge zu erklären.

Doch die Elfin winkte ab. "Wir haben am Ufer zusammen gegen die Tempelwache gekämpft. Du kennst mich. Undenkbar, einen Waffengefährten im Stich zu lassen."

Kurzentschlossen wandte sie sich an Bud: "Bind das Seil um meine Hüften. Ich gehe ins Wasser und suche ihn."

"Bist du verrückt. In diesem Drecksloch findet Hillgrimm niemand. Der ist ersoffen und tot."

"Rattenjäger! Hältst du mich für so einen Mistkerl."

"Was der Zwerg über das Betäubungsmittel erzählt hat, stimmt das?"

Die Waldelfin riss Bud das Seil aus der Hand und band es an ihrem Gürtel fest. "Später. Ohne den Kurzen geht es nicht weiter."

Dann sprang die Elfin in die Kloake. Der Rattenfänger stellte sich neben dem Seefahrer, der das Ende des Taus festhielt. Beide starrten trübselig ins Wasser.

"Die Sache muss geklärt werden. Es ist nicht gut, wenn unter uns Misstrauen herrscht. Sie ist eine Erklärung schuldig. Dieses Elfenhorn hat Nevelle vollständig um ihren Verstand gebracht. Das ist nicht die Freundin, die wir seit so vielen Jahren kennen."

Der Harpunier brummte seine Zustimmung.

"Wie lange soll ich das Seil festhalten?"

"Hmm. Zähl bis fünfzig. Dann zieh es raus."

"Ich hab schon leise bis fünfzig gezählt."

"Dann wird es Zeit. Ich helfe dir."

Beide zogen mit aller Kraft. Es dauerte eine Weile, doch schließlich tauchte der Schopf der Elfin in der Brühe auf. Nevelle schien bewusstlos zu sein, denn sie rührte sich nicht und die Freunde verdoppelten ihren Einsatz. Kurz bevor die Waldelfin die Uferkante erreichte, bemerkte Bud einen zweiten Haarschopf, in den sich ihre rechte Hand festgekrallt hatte.

"Da ist er. Schneller!"

Noch ein paar Züge und  sie zerrten die regungslosen Körper aus dem Wasser. Keiner zeigte irgendein Lebenszeichen.

Rattenjäger beugte sich über die Elfin. "Das wollte ich schon immer einmal machen." Er hob ihren Kopf an und machte Anstalten, seine Freundin zu beatmen, da spürte er die Spitze eines Dolches in seinem Schritt.

"Untersteh dich, oder du verlierst deinen besten Freund." Die Waldelfin war auch ohne seine Atemspende erwacht. Offenbar legte sie wenig Wert auf seine Hilfe. Missmutig zog er sich zurück.

Bud drückte im festen Rhythmus gegen Hillgrimms Brustkorb, der sich jedoch nicht regte. Die Elfin stieß ihn beiseite und versuchte dem Bewusstlosen ihren Atem einzuflößen.

Ihre Mühe zeigte bald Erfolg. Der Gerettete hustete und spuckte Wasser. Er hatte überlebt.

Nevelle zückte ihren Dolch und drohte damit ihren beiden Gefährten: "Das wird er niemals erfahren. Oder ich schlitze euch auf!"

Bud musste kichern. "Elfin küsst Zwerg. Dieser Ausflug hat sich gelohnt." Doch als sie ihn mit der Klinge bedrohte, lenkte er ein. "Kein Problem. Bleibt unter uns." Dann kümmerte er sich weiter glucksend um Hillgrimm, der gerade aufwachte.

Der schien jedoch nicht in guter Stimmung zu sein. Wütend fuhr er den Seefahrer an: "Was gibt es zu lachen. Noch nie nen nassen Mann gesehen."

Der Harpunier hatte wenig Lust sich zu streiten. "Willkommen im Reich der Lebenden." Er deutete auf die düstere Kammer. "Auch wenn es nicht so aussieht."

Shadek


Der Oberpriester brachte sein Reittier zurück. Es wich nur widerwillig und unter heftigem Zischen in sein steinernes Gefängnis, aber es gehorchte. Die Ereignisse liefen so ab, wie er es vorher geplant hatte. An allen wichtigen Kammern und Kreuzungen nahmen Tempelwächter ihre Posten ein.

Im Moment verzichtete er darauf, den Letzten und tödlichsten seiner Wachen zu rufen. Einmal von seinen Fesseln befreit, kannte er keinen Unterschied zwischen Freund und Feind. Jeder, dem er bei seinem Weg durch die endlosen Gänge im Labyrinth begegnete, musste damit rechnen, getötet zu werden. Im Augenblick patrouillierten hier zu viele seiner eigenen Leute. Er beschloss, sich diesen Trumpf bis zum Schluss aufzuheben.

Unbewusst griff er an seinen Hals und rieb mit seinem Daumen am Rand des Amuletts. Das silberne Medaillon war nicht nur Zeichen seines Amts als oberster Wächter. Es verlieh ihm außerdem Macht über die Kreaturen, die seinen Tempel bewachten. Dazu gehörten nicht zuletzt die Reitskorpione, die die Bewachung dieses weitläufigen Bereichs erleichterten.

Bisher ging alles nach Plan. Unbekannte hatten das Tempelgelände betreten, und unter seinen Wachen gab es bereits Verluste. Er erwartete, dass bald die gleichen Meldungen auch von anderen Posten kommen würden. Mit dem Pergament, dessen Versteck im Tempelgarten er Nevelle verriet, sollten die Eindringlinge entlang einem genau bezeichneten Weg seinen Tempelschatz erreichen. Er teilte die Wächter so ein, dass sich die Elfin ihren Zugang zum Schatz zwar erkämpfen musste. Aber nicht so viele Männer und Kreaturen an den entscheidenden Stellen, dass es ihr nicht gelingen konnte. Das Elfenhorn diente dabei als der perfekte Köder. In der Schatzkammer wartete am Ende die Falle auf die Waldelfin.

Dubek


Ein Tempel hat es nach Dubeks Erfahrungen nicht leicht in einer blühenden Handelsstadt. Ihre Lage am Schnittpunkt zweier wichtiger Handelsstraßen und einem Hafen direkt an der Mündung des Kloak machte die Stadt reich. Die Bevölkerung besaß viele Möglichkeiten, ihren Unterhalt zu bestreiten. Legale und Illegale. Auf Marktplätzen und in Tavernen. Gasthäusern und Bordellen. Der Ort zog Menschen aus allen Himmelsrichtungen an. Ein Platz, an dem man prächtig leben konnte.

Die Zahl der Besucher im Tempel ging bei diesen Bedingungen zurück. Es gab keinen Grund, ihre Götter zu belästigen? Wenn das Schicksal umschlug, blieb immer noch Zeit, um zu beten. Um unter diesen Umständen ein reicher Priester zu werden, musste Dubek sehr schlau sein. Vorläufig nahm er den zweiten Rang ein. Aber er wartete auf die Gelegenheit, Shadeks Stelle einzunehmen.

In seinem Bemühen um Einfluss konkurrierte die Priesterschaft mit wohlhabenden Handelsleuten und einem mächtigen Adel. Ein wichtiger Faktor in diesem Machtgefüge bildete das legendäre Elfenhorn. Dieses Symbol der Freundschaft zwischen Elfen und Zwergen gelangte vor vielen Jahren in die Stadt. Um seine Herkunft rankten sich Legenden und Halbwahrheiten. Er wusste, dass das Horn heimlich angekauft wurde. Die Anbieter hätten sonst Wut und Rache der ehemaligen Eigentümer fürchten müssen. So erhielten sie eine gewaltige Summe für dieses Relikt. Anschließend verschwanden die Verkäufer im Dunkel der Geschichte.

Die ursprünglichen Besitzer zeigten keine Reaktion nach dem Kauf. Er vermutete, dass beide Völker seinen Erwerb ignorierten. Das lag vermutlich an seinen unklaren Besitzverhältnissen und der Schande, dieses stolze Symbol in den Händen der Menschen zu wissen.

Die Priester stellten das Horn zweimal im Jahr mit viel Pracht und Prunk aus. Das damit verbundene Fest erhöhte noch einmal die Zahl der Besucher und festigte die politische Position der Priesterschaft in der Stadt.

Der Tempel hatte es geschickt verstanden, seinen Einfluss weiter zu verstärken. Unter Shadeks Leitung wuchs der Reichtum an. Doch Dubek beschloss, dass dessen Zeit vorbei war, und er an seine Stelle treten sollte. Nach bescheidenen Anfängen baute er im Tempelkreis ein Netz von Zuträgern auf, um die Pläne des Oberpriesters auszuhorchen und zu seinem eigenen Gewinn einzusetzen.

So erfuhr er, dass nach einem Alarm im Labyrinth die Wachen verstärkt wurden. Ungewöhnlich, dass sein Konkurrent persönlich ihre Aufstellung überwachte und koordinierte. Vielleicht gelang es ihm, das zu seinem Vorteil zu nutzen.


***



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