Der lange Weg unterwasser durch den Tunnel verlangt unseren Freunden alles ab. Nicht schafft es wohlbehalten an das andere Ufer. Ein weiteres Mal zeigt sich, ob die Freunde gemeinsam als Team arbeiten können.
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Und nun viel Spaß!
Bud
Es war so weit. Das Biest hatte ihn in eine Ecke
gedrängt. Der Skorpion kannte keine Ermüdung und seine Angriffe kamen mit
unverminderter Schnelligkeit. Buds Arme wurden schwer.
Schon zweimal hatte der Giftstachel eine Möglichkeit
gefunden, am toten Reiter vorbei zustechen. Jedes Mal verfehlte es sein Ziel
nur knapp. Der Stachel hatte dabei tiefe Furchen im Mauerwerk hinterlassen und
Spuren eines dunkelgrünen Schleims.
Seine letzte Chance bestand darin, irgendwie auf
seinen Rücken zu springen. Dort konnten die Klauen nicht erreichen. Dann galt
es, eine Lücke im Panzer suchen, um das Untier außer Gefecht zu setzen. Viel
Zeit blieb nicht mehr. Seine Bewegungen wurden langsamer, seine Abwehr offener.
Noch einmal fasste er all seine Kraft zusammen.
Doch es war zu spät. Ein harter Schlag entriss ihm
sein Entermesser, schwarze Zangen schlossen sich um seine Hüfte und pressten
den Wehrlosen gegen die Steinwand. Im gleichen Moment rutschte der leblose
Reiter herab. Jetzt hatte die giftige Spitze freie Bahn.
Der Harpunier erwartete seinen Tod. Er richtete seine
ganze Aufmerksamkeit auf den Giftstachel, der scheinbar gnadenlos ein Ziel
suchte. Mit bloßen Händen versuchte er seinen Zangengriff zu lösen, um weiter
atmen zu können. Jedoch ohne Erfolg, seine Kräfte ließen nach. Jeden Augenblick
könnte das Untier zustechen. Es hob seinen Stachel drohend in die Luft, um sein
Opfer zu töten. Bevor es dunkel um ihn wurde, bemerkte Bud schemenhaft eine
schlanke Gestalt. Ein kräftiger Schwerthieb fand eine Lücke im Chitinpanzer des
Ungeheuers und schlug seinen Schwanz ab.
Der Seefahrer erkannte Nevelle, in ihren Augen sprühte
die Wildheit einer Katze. Wie ein Panther sprang sie auf das Scheusal und jagte
ihre Waffe wieder und wieder in die Spalten seines Panzers.
Plötzlich lockerte sich der Griff der Klauen. Bald
darauf streckte sich der Skorpion und er starb. Die Elfin schüttelte zufrieden
das nasse Haar und stieg herunter.
Der Harpunier zwängte die Zangen auseinander und
befreite sich.
"Keinen Moment zu früh. Dieses finstere Loch wäre
beinahe mein Grab geworden." Bud suchte sein Entermesser, während Nevelle
die Harpune herauszog und weiterreichte.
Die Elfin rang immer noch nach Atem. "Verdammt
lange Strecke zu tauchen. Gut, dass du das Gitter zerstören konntest. Zurück
ans Ufer hätte ich es nicht mehr geschafft."
"Ja, eine knappe Sache. Sowohl im Wasser wie auch
hier an Land. Wo bleiben die anderen?"
"Der Zwerg sollte gleich ankommen. Unser Freund
macht den Schluss und bringt das Seil mit."
Doch es war der Rattenfänger, der als Nächster
eintraf.
***
Sein grauer Mantel entließ dicke Ströme schwammigen
Wassers, als er versuchte, sich über die Mauerkante ins Trockene zu ziehen.
Aber Rattenjäger besaß nicht mehr genug Kraft, um es ohne Hilfe zu schaffen.
Der Harpunier griff ein und zog seinen Freund am Kragen aus der trüben Brühe.
Nevelle ging in die Hocke und schaute auf die
Wasseroberfläche. "Hast du den Zwerg gesehen? Oder bist du vor Hillgrimm
in die Jauche gestiegen."
"Das könnte dir so passen. Wir haben die abgesprochene
Reihenfolge eingehalten. Wenn er sich an der Leine festgehalten hat, wäre ich
ihm begegnet. Lässt jemand das Seil los, verliert er in diesem Schlammloch jede
Orientierung."
Die Elfin drehte sich unschlüssig ab. "Er dürfte
ertrunken sein. Die Kurzen gelten nicht gerade als gute Schwimmer."
Bud stimmte ihr zu. "Selbst für mich lief es
knapp. Falls Hillgrimm das Tau loslassen musste, ist er hin."
Rattenjäger wrang seinen Mantel aus. "Ein Problem
weniger. Jetzt wären Zeit und Gelegenheit, uns einige Dinge zu erklären.
Doch die Elfin winkte ab. "Wir haben am Ufer
zusammen gegen die Tempelwache gekämpft. Du kennst mich. Undenkbar, einen
Waffengefährten im Stich zu lassen."
Kurzentschlossen wandte sie sich an Bud: "Bind
das Seil um meine Hüften. Ich gehe ins Wasser und suche ihn."
"Bist du verrückt. In diesem Drecksloch findet
Hillgrimm niemand. Der ist ersoffen und tot."
"Rattenjäger! Hältst du mich für so einen
Mistkerl."
"Was der Zwerg über das
Betäubungsmittel erzählt hat, stimmt das?"
Die Waldelfin riss Bud das Seil aus der Hand und band
es an ihrem Gürtel fest. "Später. Ohne den Kurzen geht es nicht
weiter."
Dann sprang die Elfin in die Kloake. Der Rattenfänger
stellte sich neben dem Seefahrer, der das Ende des Taus festhielt. Beide
starrten trübselig ins Wasser.
"Die Sache muss geklärt werden. Es ist nicht gut,
wenn unter uns Misstrauen herrscht. Sie ist eine Erklärung schuldig. Dieses
Elfenhorn hat Nevelle vollständig um ihren Verstand gebracht. Das ist nicht die
Freundin, die wir seit so vielen Jahren kennen."
Der Harpunier brummte seine Zustimmung.
"Wie lange soll ich das Seil festhalten?"
"Hmm. Zähl bis fünfzig. Dann zieh es raus."
"Ich hab schon leise bis fünfzig gezählt."
"Dann wird es Zeit. Ich helfe dir."
Beide zogen mit aller Kraft. Es dauerte eine Weile,
doch schließlich tauchte der Schopf der Elfin in der Brühe auf. Nevelle schien
bewusstlos zu sein, denn sie rührte sich nicht und die Freunde verdoppelten
ihren Einsatz. Kurz bevor die Waldelfin die Uferkante erreichte, bemerkte Bud
einen zweiten Haarschopf, in den sich ihre rechte Hand festgekrallt hatte.
"Da ist er. Schneller!"
Noch ein paar Züge und sie zerrten die
regungslosen Körper aus dem Wasser. Keiner zeigte irgendein Lebenszeichen.
Rattenjäger beugte sich über die Elfin. "Das
wollte ich schon immer einmal machen." Er hob ihren Kopf an und machte
Anstalten, seine Freundin zu beatmen, da spürte er die Spitze eines Dolches in
seinem Schritt.
"Untersteh dich, oder du verlierst deinen besten
Freund." Die Waldelfin war auch ohne seine Atemspende erwacht. Offenbar
legte sie wenig Wert auf seine Hilfe. Missmutig zog er sich zurück.
Bud drückte im festen Rhythmus gegen Hillgrimms
Brustkorb, der sich jedoch nicht regte. Die Elfin stieß ihn beiseite und
versuchte dem Bewusstlosen ihren Atem einzuflößen.
Ihre Mühe zeigte bald Erfolg. Der Gerettete hustete
und spuckte Wasser. Er hatte überlebt.
Nevelle zückte ihren Dolch und drohte damit ihren
beiden Gefährten: "Das wird er niemals erfahren. Oder ich schlitze euch
auf!"
Bud musste kichern. "Elfin küsst Zwerg. Dieser
Ausflug hat sich gelohnt." Doch als sie ihn mit der Klinge bedrohte,
lenkte er ein. "Kein Problem. Bleibt unter uns." Dann kümmerte er
sich weiter glucksend um Hillgrimm, der gerade aufwachte.
Der schien jedoch nicht in guter Stimmung zu sein.
Wütend fuhr er den Seefahrer an: "Was gibt es zu lachen. Noch nie nen
nassen Mann gesehen."
Der Harpunier hatte wenig Lust sich zu streiten.
"Willkommen im Reich der Lebenden." Er deutete auf die düstere
Kammer. "Auch wenn es nicht so aussieht."
Shadek
Der Oberpriester brachte sein Reittier zurück. Es wich
nur widerwillig und unter heftigem Zischen in sein steinernes Gefängnis, aber
es gehorchte. Die Ereignisse liefen so ab, wie er es vorher geplant hatte. An
allen wichtigen Kammern und Kreuzungen nahmen Tempelwächter ihre Posten ein.
Im Moment verzichtete er darauf, den Letzten und
tödlichsten seiner Wachen zu rufen. Einmal von seinen Fesseln befreit, kannte
er keinen Unterschied zwischen Freund und Feind. Jeder, dem er bei seinem Weg
durch die endlosen Gänge im Labyrinth begegnete, musste damit rechnen, getötet
zu werden. Im Augenblick patrouillierten hier zu viele seiner eigenen Leute. Er
beschloss, sich diesen Trumpf bis zum Schluss aufzuheben.
Unbewusst griff er an seinen Hals und rieb mit seinem
Daumen am Rand des Amuletts. Das silberne Medaillon war nicht nur Zeichen
seines Amts als oberster Wächter. Es verlieh ihm außerdem Macht über die
Kreaturen, die seinen Tempel bewachten. Dazu gehörten nicht zuletzt die
Reitskorpione, die die Bewachung dieses weitläufigen Bereichs erleichterten.
Bisher ging alles nach Plan. Unbekannte hatten das
Tempelgelände betreten, und unter seinen Wachen gab es bereits Verluste. Er
erwartete, dass bald die gleichen Meldungen auch von anderen Posten kommen würden.
Mit dem Pergament, dessen Versteck im Tempelgarten er Nevelle verriet, sollten
die Eindringlinge entlang einem genau bezeichneten Weg seinen Tempelschatz
erreichen. Er teilte die Wächter so ein, dass sich die Elfin ihren Zugang zum
Schatz zwar erkämpfen musste. Aber nicht so viele Männer und Kreaturen an den
entscheidenden Stellen, dass es ihr nicht gelingen konnte. Das Elfenhorn diente
dabei als der perfekte Köder. In der Schatzkammer wartete am Ende die Falle auf
die Waldelfin.
Dubek
Ein Tempel hat es nach Dubeks Erfahrungen nicht leicht
in einer blühenden Handelsstadt. Ihre Lage am Schnittpunkt zweier wichtiger
Handelsstraßen und einem Hafen direkt an der Mündung des Kloak machte die Stadt
reich. Die Bevölkerung besaß viele Möglichkeiten, ihren Unterhalt zu
bestreiten. Legale und Illegale. Auf Marktplätzen und in Tavernen. Gasthäusern
und Bordellen. Der Ort zog Menschen aus allen Himmelsrichtungen an. Ein Platz,
an dem man prächtig leben konnte.
Die Zahl der Besucher im Tempel ging bei diesen
Bedingungen zurück. Es gab keinen Grund, ihre Götter zu belästigen? Wenn das
Schicksal umschlug, blieb immer noch Zeit, um zu beten. Um unter diesen
Umständen ein reicher Priester zu werden, musste Dubek sehr schlau sein.
Vorläufig nahm er den zweiten Rang ein. Aber er wartete auf die Gelegenheit,
Shadeks Stelle einzunehmen.
In seinem Bemühen um Einfluss konkurrierte die
Priesterschaft mit wohlhabenden Handelsleuten und einem mächtigen Adel. Ein
wichtiger Faktor in diesem Machtgefüge bildete das legendäre Elfenhorn. Dieses
Symbol der Freundschaft zwischen Elfen und Zwergen gelangte vor vielen Jahren
in die Stadt. Um seine Herkunft rankten sich Legenden und Halbwahrheiten. Er
wusste, dass das Horn heimlich angekauft wurde. Die Anbieter hätten sonst Wut
und Rache der ehemaligen Eigentümer fürchten müssen. So erhielten sie eine
gewaltige Summe für dieses Relikt. Anschließend verschwanden die Verkäufer im
Dunkel der Geschichte.
Die ursprünglichen Besitzer zeigten keine Reaktion
nach dem Kauf. Er vermutete, dass beide Völker seinen Erwerb ignorierten. Das
lag vermutlich an seinen unklaren Besitzverhältnissen und der Schande, dieses
stolze Symbol in den Händen der Menschen zu wissen.
Die Priester stellten das Horn zweimal im Jahr mit
viel Pracht und Prunk aus. Das damit verbundene Fest erhöhte noch einmal die
Zahl der Besucher und festigte die politische Position der Priesterschaft in
der Stadt.
Der Tempel hatte es geschickt verstanden, seinen
Einfluss weiter zu verstärken. Unter Shadeks Leitung wuchs der Reichtum an.
Doch Dubek beschloss, dass dessen Zeit vorbei war, und er an seine Stelle
treten sollte. Nach bescheidenen Anfängen baute er im Tempelkreis ein Netz von
Zuträgern auf, um die Pläne des Oberpriesters auszuhorchen und zu seinem
eigenen Gewinn einzusetzen.
So erfuhr er, dass nach einem Alarm im Labyrinth die
Wachen verstärkt wurden. Ungewöhnlich, dass sein Konkurrent persönlich ihre
Aufstellung überwachte und koordinierte. Vielleicht gelang es ihm, das zu
seinem Vorteil zu nutzen.
***
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