Das Elfenhorn (Verhandlungen und Todesangst) -4-


Herzlich willkommen im nächsten Kapitel aus "Eisen und Magie: Das Elfenhorn.

Während Hillgrimm, Bud und der Rattenfänger in Verhandlungen über ihren gemeinsamen Plan stecken, kämpft die Elfin Nevelle ums Überleben.


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Und nun viel Spaß!













Im Schiffsfriedhof


"Was ist das für ein Zeug?" Hillgrimm roch misstrauisch an der Salbe, die Rattenjäger auf seine Armwunden strich.

"Lass die Jammerei sein!" Bud mischte sich erstmals in das Gespräch ein. Unter dem Arm trug er ein mittleres Branntweinfass, das die Drei, bei Ihrer Flucht aus der Schenke "ausgeliehen" hatten.

"Erst verschwenden wir einen Teil dieses Branntweins, um deine Schnitte zu säubern und jetzt beschwerst du dich."

"Nun es riecht anderes, als die Wundsalben, die ich kenne. Es fühlt sich anderes an und es sieht auch anders aus. Warum sollte ich dann nicht fragen."

Rattenfell versuchte die Gemüter zu beruhigen. "Ein Mönch hat es uns gegeben. Glaub mir, es hilft."

Hillgrimm schaute sich um. Seine beiden Retter wohnten auf einem alten Fischerboot, das abgelegen in einem Teil des Hafens vertäut war, den die Einwohner "Schiffsfriedhof" nannten. Dort lagen die Schiffe vor Anker, die ihren Dienst hinter sich hatten. "Von einem Heiler, nehme ich an."

"Sheen ist Kriegermönch und Bibliothekar."

"Ein Bücherwurm. Was weiß er über Wundheilung?"

"Er nutzt diese Mischung, um seine kaputten Bücher zu flicken."

"Bücher!!"

"Bücher bestehen aus Pergament. Pergament ist geschabte Tierhaut. Meiner Meinung nach passt das."

Bud schob ein Hosenbein hoch und zeigte eine mehrere Zentimeter lange Narbe. "Gut verheilt. Ich finde, an der Salbe ist nichts auszusetzen."

"Du hast Glück gehabt, Zwerg" Rattenfänger legte vorsichtig einen Verband an. "Shadeks Messer sind dünn und scharf. Ein Schwert oder eine Axt hinterlassen eine aufgerissene Wunde. Die heilt schlechter. Und man hätte sie nähen müssen."

Der Harpunier spielte mit dem Wurfmesser, das er aus Hillgrimms Arm gezogen hatte. "Eine schöne Waffe. Es ist sogar sein Zeichen eingestanzt." Behutsam hielt er die Klinge gegen das Licht. "So einem Dreckskerl traue ich zu, dass er Gift benutzt. Scheint aber keins drauf zu sein. Er will so ein teures Stück bestimmt wieder haben."

"Gerne. Genau zwischen seine Rippen." Der Zwerg fühlte auf einmal ein Kribbeln nahe seiner Wunde. "Bist du sicher, dass er nichts draufgestrichen hat."

Rattenfänger war Fachmann im Umgang mit Wurfmessern. "Zu riskant! Selbst der geschickteste Werfer kann sich mal verletzen, wenn er die Waffe zieht. Das merkwürdige Gefühl, das du gerade spürst, ist die Ameisensäure in der Salbe. Es hält Ungeziefer fern."

"Ungeziefer. Davon scheint es in dieser Bruchbude genug zu geben."

Der Harpunier stand mit einer Schnelligkeit, die ihm der Zwerg gar nicht zugetraut hatte, auf. Wütend packte er ihren Gast am Kragen und hob den Zappelnden an die Decke. Hillgrimm hatte Mühe, seinen Kopf vor den schweren Holzbalken zu schützen.

"Lass unseren Freund herunter! Denk dran, wir brauchen ihn noch." Rattenfänger versuchte, die Lage zu entschärfen. "Diese Bruchbude war einmal sein Schiff."

Bud ließ sich besänftigen und setzte sein Opfer wieder ab. Zärtlich strich er über das verwitterte Holz.

"Fünfzehn Jahre verbrachte ich auf diesem Boot. Tiefseekraken gejagt. Ihre Haut hat gutes Geld gebracht. Aber jetzt sind sie verschwunden." Der Hüne schien zu schrumpfen." Die See und dieser Kahn waren mein Zuhause."

Hillgrimm wusste, wie es ist, wenn man seine Heimat verliert.

"In Ordnung. Hab Mist erzählt. Warum helft ihr mir?"

Rattenfell ließ sich einen Schluck Branntwein geben. "Du kennst dich unter der Erde aus. Tunnel, Gänge, Dunkelheit. Wir brauchen deine Hilfe für eine kleine ... nennen wir es mal eine kleine Erkundung."

"Versteh ich, um wen geht es?"

"Um eine Freundin von uns. Sie heißt Nevelle."

Bei der Erwähnung des Namens kam Hillgrimm die Erinnerung zurück. Wie ein Schlag in die Magengrube. Nevelle! Unwillkürlich zuckte seine gesunde Hand an den Stiefelschacht, wo er einen Dolch versteckte.

Wenn er dieses Miststück fände, würde er sie töten

***

Nevelle


Die Ratten wurden mutiger. Die Zahl der kleinen Pfoten schien in den letzten Stunden angewachsen zu sein. Nevelle konnte die Nager nicht sehen, aber die Geräusche ließen keinen anderen Schluss zu.

Sie versuchte, sich über ihre Situation klar zu werden. Ferke brauchte eine unversehrte Sklavin, die er mit viel Gewinn verkaufen wollte. Jedoch lag es nicht in seiner Absicht, dass die hungrige Rattenhorde seine Ware anfressen und beschädigen würde.

Die Elfin erinnerte sich an Rattenfell. Er jagte die Schädlinge als Rattenjäger für die Stadt auf dem großen Marktplatz. Völlig frei von Ungeziefer bekam er das Gelände nicht. Aber die schlauen Nager flohen vor ihm in die Kanalisation oder Keller. Sein Erfolg bestand darin, dass sie die Kaufleute und ihre Handelswaren in Ruhe ließen.

Nie verfolgte er seine Beute in die Unterwelt der Hafenstadt. "Zu wenig natürliches Licht", meinte er. Im Fackelschein sei die Treffsicherheit der Messer zu ungewiss. Und nach einem Fehlwurf fände er seine Waffen nicht mehr wieder.

Nevelle spürte die Furcht hinter seiner Aussage. Man flüsterte die unglaublichsten Dinge über Zahl und Größe der schwarzen Nager im Untergrund. Gerüchte waren im Umlauf. Danach gab es tief unter der Erde eine verlassene Stadt. Darin wohnten lediglich Ratten. In einem verfallenen Palast dort herrschte ein heimlicher König. Verborgen plante er im Geheimen die Invasion der Menschenwelt und den Tod aller Zweibeiner.

Die Elfin erschauerte bei diesem Gedanken. Diese Tiere passten zum Menschenvolk. Nur in diesem Schmutz, hinter steinernen Wänden konnte solches Ungeziefer leben. Die Waldgeborene stellte sich die Elfenwelt vor, Mauern aus lebendigem Holz und Pfade voll grünem Moos.

***

 

Hillgrimm


Keiner bemerkte die verstohlene Bewegung des Zwerges. Bud und Rattenfell reinigten ihre Waffen. Wenn alles nach Plan verlief, würden die Freunde ihr Werkzeug in dieser Nacht noch brauchen können. Es kam jetzt darauf an, ihren Gast für ihr Vorhaben zu gewinnen.

Der strich sich vorsichtig über die verbundene Armwunde.

"Es juckt!"

"Ameisensäure“, verkündeten seine Gastgeber wie aus einem Mund.

„Was ist genau passiert.“

Bud nahm einen tiefen Schluck Branntwein: „Ferke hält unsere Freundin in einer Zelle in den Katakomben gefangen. Er plant ihren Verkauf morgen. Auf dem Sklavenmarkt im Hafen. Angeblich hat sie hohe Schulden."

Hillgrimm schien nicht überzeugt.

"Warum sollte er das tun. Eine Freie dort anzubieten, wäre Selbstmord. Die Bürger würden ihn lynchen. Viele leihen sich bei einem solchen Halsabschneider Geld. Das Risiko ist zu hoch, dass Verwandte oder Freunde sich rächen werden."

"Nevelle ist eine Waldelfin."

Der Zwerg tat überrascht.

***

Nevelle verlor sich in ihren Träumen von der Heimat, als die ersten Rattenpfoten über ihre Füße krochen. Kleine Krallen suchten Halt auf ihrem Weg nach oben an ihren Hosenbeinen. Mit Schrecken fielen ihr die aufgescheuerten Handgelenke ein. Ihr Blut dort lockte die Tiere an. Da würden die Nager anfangen, sie zu fressen.

Panisch schüttelte die Waldelfin ihre Beine, versuchte die Ratten zu verjagen. Doch es schien, als ob ihre Reaktion ein Startsignal gegeben hätte. Immer mehr winzige Klauen klammerten sich an. Haarige Körper bildeten lebendige Brücken für Nachrücker. Das Gewicht an ihren Hosenbeinen wuchs jede Sekunde. Als es sich weiter nach oben verlagerte, schrie Nevelle, wie noch nie in ihrem Leben.

***

Nevelle


Einige der Tiere versuchten, sich durch ihre Kleidung zu fressen. Das Leder ihrer Rüstung war zäh, bestes Randleder. Hergestellt, um Pfeile und Dolche abzuwehren, Hiebe zu dämpfen oder Stöße zu mildern. Die Nager bissen sich in die Falten fest und zerrten mit ihren scharfen Zähnen. Längst kannten die Nagetiere keine Scheu mehr vor dem menschlichen Geruch. Ihr Hunger trieb sie dazu, in immer größerer Zahl hinauf zu klettern. Ihre Anzahl wuchs und das Gewicht an ihrem Körper erstickte jede Gegenwehr.

Als die Masse ihre Brust erreichte, dachte Nevelle daran, was passieren würde, wenn die Ratten in Höhe des ungeschützten Gesichts ankämen. Die Elfin verdoppelte ihre Anstrengungen, aber vergeblich.

***

Hillgrimm


Der Zwerg rieb vorsichtig seine Wunde.

Wenn die Ameisensäure so heilte, wie sie jetzt juckte, brauchte er sich um seine Verletzung nicht zu sorgen. Glücklicherweise war kein Knochen gebrochen. Bei seinem Heilfleisch dürfte der Arm in einigen Wochen geheilt sein. Er nahm noch einen Schluck Branntwein: "Warum sollte ein Zwerg einem Elfen helfen."

Rattenfänger hatte seine Wurfmesser gereinigt und schob die Waffen zurück in die Ärmel: "Nevelle bereitete ein Unternehmen vor, dass eine Menge Gewinn abwerfen wird. Wir verzichten auf einen Teil des Anteils, falls du uns hilfst."

"Was ist das für ein Plan. Worum handelt es sich genau?"

"Sie hielt sich bedeckt. Aber die Beute wäre groß genug, um damit zu ihrem Volk zurückkehren zu können."

Hillgrimm überlegte einen Moment. Es schien logisch. Erschiene er mit dem Elfenhorn in der Hand am Granittor, würde ihm kein Zwerg den Einlass verwehren. Selbst sein Bruder Groll sollte ihn dann zähneknirschend empfangen und rehabilitieren.

Das Gleiche galt für die Elfin. Trüge Nevelle das Horn, könnte sie trotz Verbannung die Grenzen des Elfenreichs überschreiten. Die Gründe ihres Exils kannte er nicht. Aber die Rückkehr eines solchen Symbols garantierte ihre erneute Aufnahme in die Elfengemeinschaft.

Jetzt musste er herausfinden, wie viel diese beiden Narren wussten.


***


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